Gesundes Wohnen (Teil 1): Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden

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Gesundes Wohnen

Gerade im eigenen Zuhause, das für viele von uns ein wichtiger Rückzugsbereich vom hektischen Berufsleben ist, dort, wo wir Ruhe, Erholung und Entspannung suchen, kann durch die falsche Wahl von Materialien für die Innenraumausstattung oder Anstrichstoffen, aber auch durch falsches Lüftungsverhalten eine Raumbelastung entstehen, die unsere Gesundheit belastet. Wie stark Raumfarben auf uns wirken, welchen Einfluss sie auf uns haben, wurde mit zahlreichen Versuchen in öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Alten- und Kinderheimen oder auch Haftanstalten belegt. Wir haben deshalb für Sie die wichtigsten Basisinformationen, sowie nützliche Tipps & Tricks für ein behagliches und gesundes Wohnen zusammengefasst.

Anschaffungen für den Haushalt werden häufig nach den Kriterien von Preis und Ästhetik, aber auch im Hinblick auf Nutzbarkeit getroffen. Ähnlich wie bei den Themen Textilien oder Lebensmittel sind wir aber vom gesundheitlichen Wert dieser Produkte sehr nachhaltig betroffen.

Für Arbeitsplätze hat der Gesetzgeber durch das Festsetzen von Schadstoffgrenzen Richtlinien geschaffen, die im privaten Wohnbereich fehlen. “ Wenn es für die Zimmerluft klare und verbindliche Schadstoffgrenzen wie für Arbeitsplätze gäbe, müssten 10% der Wohnungen in Deutschland evakuiert werden, bekämen Millionen Menschen Hausverbot im eigenen Haus.“Ähnlich stellt sich auch die Situation in Österreich dar. Ähnlich wie am Lebensmittelsektor sind die Konsumenten durch die Vielzahl an neuen Materialien am Bau- und Wohnsektor überfordert, das Richtige für die eigenen Bedürfnisse auszuwählen. Ähnlich wie beim Lebensmitteleinkauf ist sehr oft der Preis die Grundlage für die Entscheidung. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich immer öfter giftige Chemikalien in die Wohnwelt einschleichen.

Quellen für unerwünschte Stoffe in der Wohnung

  • Luftverunreinigungen dringen von außen in die Wohnung ein.
  • Luftverunreinigungen entstehen durch Rauchen in der Wohnung.
  • Baustoffe, Möbel und Textilien, Spanplatten, Holzschutzmittel, Bodenbelage, Tapeten, Wandfarben und Kleber konnen Schadstoffe freisetzen.
  • Mangelhaft eingestellte Geräte (Klimaanlage, Luftbefeuchter, Gasherd, Heizung, offenes Feuer) können die Luft verunreinigen.
  • Selbst sachgemaser Einsatz von Reinigungs- oder Losungsmitteln tragt zur Verunreinigung (Indoor-pollution) der Wohnung bei.
  • Hohe Raumtemperaturen beschleunigen die Abgabe der Schadstoffe.
  • Naturliche Luftverunreinigungen wie Pilze, Sporen, Bakterien, Milben, Viren konnen zu gesundheitlichen Belastung beitragen.
  • Statische Elektrizität durch Heimtextilien und Bekleidung.
  • Mangelhaftes Lüften und das Tragen elektromagnetischer Felder beeinflussen unsere Gesundheit nachhaltig.
  • Lärmbelastungen durch eigenes Verhalten, durch das Verhalten von Wohnungsnachbarn, durch Verkehr oder Wirtschaftbetriebe.

Allergene in der Wohnung

Hausstaubmilbe

Ihr Vorkommen hat nichts mit Schmutz zu tun. Die etwa 0,1 mm großen Spinnentiere sind vielmehr natürliche Bewohner unserer häuslichen Umgebung. Entdeckt werden sie allerdings erst, wenn jemand allergisch auf sie reagiert. Ihr Hauptnahrungsmittel sind menschliche Hautschuppen, von denen wir pro Tag 1 bis 1,5 Gramm verlieren, genug, um über eine Million dieser Tierchen satt zu kriegen.

Was tun gegen Hausstaubmilben? Milben lieben es feucht und warm, in Wohnungen mit luftdicht isolierten Fenstern und schlecht belüfteten Zimmern.

  • Die Raumtemperatur im Schlafzimmer nicht hoher als 18° C halten und ausreichend luften;
  • Matratzen, Polstermöbel und Teppiche häufig absaugen oder mit dem Dampfreiniger behandeln;
  • Bettwäsche regelmässig wechseln;
  • Alle Staubfänger aus dem Schlafzimmer entfernen: Polstermöbel, Bücherregale, Stofftiere;
  • Fussbodenheizungen veranlassen die Milben an die Oberflache der Teppiche zu fluchten, von wo sie leicht abgesaugt werden konnen;
  • Glatte Boden aus Stein, Kork, Holz konnen feucht gewischt werden;
  • Teppichböden vermeiden.

Schimmelpilze

Rund ein Drittel aller Allergikerinnen und Allergiker leidet unter Allergenen, die von Schimmelpilzen stammen. Nicht immer ist Schimmel mit bloßem Auge zu entdecken – schon gar nicht die allergenen Bestandteile. Sie stecken in den Pilzsporen, aus denen sie in die Luft oder die Nahrung gelangen und so für ihre Verbreitung sorgen. Schimmelpilze kennen keine Grenzen. Ein- und dieselbe Art kann in Alaska ebenso gut wie im brasilianischen Tropenwald vorkommen. Am besten gedeihen sie bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 80% und einer Temperatur von etwa 20 °C. Aber es gibt auch extreme Spezialisten, die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder über 60 °C verkraften bzw. Trockenheit mit kaum 60% Luftfeuchte „lieben“.

Wer an Schimmelpilze in den eigenen 4 Wänden denkt, hat normalerweise feuchte Kellerräume und schlecht belüftete Zimmer vor Augen. Aber als Allergenquelle kommt schon ein nasser Fleck hinter dem
Schlafzimmerschrank in Frage. Die Übeltäter wachsen auch in alten Polstermöbeln und in unvollständig ausgetrockneten Neubauten ebenso wie in betagten Häusern. Oft sind sie hinter Tapeten, in alten Fußböden bzw. hinter Holzpaneelen an der Decke oder an der Wand versteckt. Auch zu feucht gehaltene Zimmerpflanzenerde kann eine Schimmelpilzquelle sein.

Häufige Quellen für Schimmelpilzallergene in Wohnung und Haus

  • Ferienhäuser zu Zeiten, in denen sie nicht genutzt bzw. beheizt werden;
  • Feuchte Kellerräume;
  • Schlecht belüftete Badezimmer und andere Nassräume;
  • Tapeten auf kalte Wände tapeziert, an denen sich in der Kontaktzone Feuchtigkeit angesammelt hat;
  • Fensterrahmen, auf denen sich Kondenswasser bildet;
  • Feuchte Textilien;
  • Luftbefeuchter, die das Schimmelpilzwachstum fördern;
  • Klimaanlagen, in denen die Pilze gut gedeihen können und von wo sie ihre Sporen in Umlauf bringen.

Typische Erkrankungen durch Schimmelpilze oder deren Sporen bzw. Stoffwechselgifte

  • Allergischer Dauerschnupfen mit Niesreiz und Bronchial-Asthma, tritt schon bei geringeren Allergenmengen auf.

Bei intensiverem Kontakt durch Beruf oder Hobby kann es zur sogenannten Farmerlunge kommen.

Tipps:

  • Vom Schimmel befallene Materialien ganz entsorgen bzw. entfernen (Tapeten, Teppichböden, Holzteile, Lebensmittel).
  • Schimmelvernichtende Mittel nicht in der Küche und in Schlaf- und Wohnräumen einsetzen.
  • Ausreichendes Heizen hilft gegen die Bildung von Tauwasser an Außenwänden.
  • Müllbehälter – nicht nur, aber vor allem den Biomüll häufig ausleeren.

Elektrosmog

Im Haushalt sind wir umgeben von elektrischen Installationen, Haushaltstechnik und Elektrogeraten. Sind der Computer, der Radiowecker, die batteriebetriebene Uhr oder das Mobiltelefon Quellen fur die Entstehung von Krankheiten? Die Medien sprechen von Elektrosmog, gemeint sind jedoch die elektromagnetischen Felder und die elektrostatische Aufladung. Einige Arzte fuhren die unterschiedlichsten Beschwerden auf elektromagnetische oder elektrische Belastungen zurück. Das reicht von Unwohlsein, uber Schlafstorungen, Gereiztheit, Nervositat und Depressionen, bis hin zu Kopf- und Augenschmerzen.

Was sind elektrostatische Aufladungen?

Elektrizität ist auch ohne Steckdose vorhanden. Sie geht aus der Eigenschaft der elektrischen Ladung von Teilchen aus. Zwischen diesen elektrischen Ladungen wirken Kräfte, die wir als elektrische Spannung bezeichnen. Diese kann auch gemessen werden (Volt = V). Sobald zwei elektrische Ladungen vereint sind, verschwindet diese Kraft. Elektrische Felder treten daher immer dort auf, wo elektrische Ladungen getrennt sind. Wir bezeichnen diese Entladung als Elektrisierung: Wenn wir z.B. uber Teppichboden gehen, kommt es bei jedem Schritt zur Berührung und Trennung und damit zu einer elektrischen Aufladung. Wir tragen die Ladung dann solange mit uns, bis wir uns einem geerdeten Gegenstand, z.B. die Türklinke so nahern, dass eine Entladung durch Funkenschlag möglich wird, der sogar schmerzhaft sein kann.

Das Ausmaß und die Haufigkeit von Entladungen ist abhängig von:

  • der Art und Intensität der Schritte;
  • der Bekleidung: schlecht leitende Stoffe wie Wolle oder Kunstfasern und weiter Kleidung begünstigen eine Aufladung;
  • Raumausstattung: Teppichboden, Kunststoffboden begünstigen die Aufladung;
  • Raumluft: verbrauchte oder trockene Luft lasst Aufladungen länger bestehen bleiben;
  • Haut: trockene Haut wirkt wie Isolation und fuhrt seltener zu Entladung.

Die Konsequenzen fur den Alltag zur Vermeidung von elektrischen Aufladungen:

  • Kleidung aus reinen Kunstfasern meiden, aber auch aus reiner Schurwolle;
  • Trockene Raumluft vermeiden. Vor allem in der Heizperiode auf ausreichende Luftbefeuchtung achten.
  • Auch Grünpflanzen helfen die Feuchtigkeit zu verbessern;
  • Hausschuhe mit Gummisohlen vermeiden . Leder- oder Filzsohlen bevorzugen;
  • Einrichtungen aus Kunststoff oder Metall vermeiden;
  • Teppichboden in stark benutzten Raumen vermeiden, Holz . Fliesen-, leitfahige PVC-Boden wahlen;
  • Keine isolierenden Bodenwachse verwenden.

Was sind elektromagnetische Felder?

Ein elektrisches Feld entsteht um einen spannungsfuhrenden Leiter, egal ob in diesem Leiter Strom fließt oder nicht. Fließt Strom durch den Leiter entsteht um ihn herum ein Magnetfeld. Elektrische Felder gibt es im Haushalt, in technischen Anlagen und in der Natur. Je nach Richtung gibt es elektrische Gleich- und Wechselfelder. Fur die Anzahl der Richtungsanderungen pro Sekunde steht der
Begriff Frequenz mit der Einheit Hertz (Hz). Unsere Stromversorgung arbeitet mit 50 Hz, die Ubertragung im Telefon passiert mit 4000 Hz. Mit zunehmender Frequenz verkoppeln sich elektrische und magnetische Felder, sie können nicht mehr unabhängig voneinander betrachtet werden, man spricht von elektromagnetischen Feldern. Hier kann sich Energie auch vom Leiter losen = Strahlung. Sowohl Felder als auch Strahlung sind Formen von Energie. Elektrische Felder konnen durch Mauern abgeschirmt werden, elektromagnetische Felder nicht. Der Kuhlschrank an der Wand zum Schlafzimmer wirkt daher auch zum Schlafzimmer.

Elektrische Feldstarken in Gebauden (Maseinheit Volt pro Meter = V/m) Grenzwert = 5000

Boiler 260
Stereoempfanger 180
Bügeleisen 120
Kühlschrank 120
Handmixer 100
Toaster 80
Haarföhn 80
Staubsauger 50
Elektrische Uhr 30

Auch in unserem Körper laufen elektrische Prozesse ab (Herz- oder Hirnströme), sie sind allerdings sehr gering und liegen im Bereich von einigen Tausendstel Volt. Demgegenüber stehen jene elektromagnetischen Felder mit hoher Frequenz, die von ausen auf den Korper wirken.Dass elektromagnetische Wellen die Temperatur in Materialien erhöhen, in die sie eindringen konnen, ist
bekannt (Wärmetherapie durch Infrarotstrahlung, Mikrowelle in der Lebensmittelzubereitung). Strittig sind jedoch die Diskussionen uber die Folgen, obwohl die Beobachtung, dass sich der Herzschlag durch die Einwirkung verandert, wenn eine Person in ein starkes elektromagnetisches Feld tritt, gesichert ist. Einige Arzte fuhren Beschwerden wie Nervositat, Unwohlsein, Kopf- und Augenschmerzen (das Auge kann die Warme z.B. durch Handy-Telefonate entstehend nicht regulieren, was zu Entzundungen und grauem Star fuhren kann), Depressionen, Beeinflussung von Hormon- und Enzymproduktion im Korper, ja sogar Leukämie bei Kindern auf schwere Belastungen durch elektromagnetische Felder zurück.

Tipps

  • Im Haushalt entstehen Magnetfelder vor allem durch Gerate, die mehr Strom verbrauchen (Fohn, Trockenhaube, Bugeleisen).
  • Vor dem Sicherungskasten finden sich die vergleichsweise größten Magnetfelder im Haushalt.
  • Lange Telefonate besser mit leitungsgebundenen Telefonen fuhren. Im Auto muss das Handy mit voller Leitung und entsprechendem Feld senden, da das Auto die Funkwellen reflektiert.
  • Babyphon nicht zu oft, nicht zu lange und vor allem nicht neben dem Kopf des Kindes platzieren . Sicherheitsabstand von 2 m einhalten.
  • Zu Hi-Fi-Anlagen, Halogenlampen, Radioweckern einen Mindestabstand von 30 cm halten.
  • Geräte, wenn sie nicht benutzt werden, abschalten: Stand-by-Betrieb braucht Strom und baut unnotig ein elektromagnetisches Feld auf.

Lärm als Stressfaktor

Je nach Intensitat, Frequenzbereich und Dauer lost er beim Menschen unterschiedliche Reaktionen aus.

  • Lärm mit einem Schallpegel unter 50 dB wird als lastig empfunden und lost dabei Stress aus (vor allem Larm in der Nacht wirkt belastend fur den Schlaf);
  • Lärm mit einem Schallpegel von 65 bis 85 dB bewirkt Leistungsminderung und fuhrt zu vegetativen Storungen (Verengung der Blutgefase, Schlafstorungen, vermehrte Abgabe von Magensaft, mangelnde
    Durchblutung der Haut, …);
  • Lärm mit einem Schallpegel uber 85 dB lasst die Leistung auf ein Minimum absinken, fuhrt zu Gehorschaden im Innenohr und zu vegetativen Storungen.

Lärmschutz

Vorbeugung:

Wahl der Baumaterialien, Abschirmung der Gebaude von Verkehrsadern, Einkauf von leisen Haushaltsgeräten, lärmintensive Plätze meiden, starkere Kontrolle der Einhaltung der Schutzvorschriften.

Bekämpfung an der Quelle:

  • Metall durch Kunststoff ersetzen (z.B. Zahnräder), Gummi oder Filz unter larmintensive Gerate legen, Service an Maschinen.
  • Bekämpfung der Schallausbreitung: durch Auskleiden von Raumen, schalldammende Ummantelungen.
  • Personlicher Gehör- bzw. Lärmschutz: Gehörschutzwatte, Ohrenschutzkapseln, Einhaltung von Schutzmaßnahmen, Meiden von lärmintensiven Orten.

Linktipps

– Wie die eigenen vier Wände die Gesundheit beeinflussen können
– Sicheres und gesundes Wohnen mit Kindern
– Hausstaub-Gift in den eigenen 4 Wänden
– Lärmschutz
– Feng Shui: Lebensraum & Wohlbefinden
– Kunst für zu Hause: Pop-Art Bilder direkt vom Künstler

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