Corona-Impfung: Wie gut schützt der Booster?

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Corona-Impfung: Wie gut schützt der Booster?

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So schwach Österreich bei den Grundimmunisierungen, also der gesamten Durchimpfungsrate ist, so stark ist es bei der Anzahl der Auffrischungsimpfungen der Corona-Impfung. Bei den Booster-Impfungen liegt das Land im EU-Spitzenfeld. Doch wie gut schützt der Booster?

Der sogenannte “Booster” soll die Antikörperzahl geimpfter Personen erhöhen und so eine deutlich verbesserte Wirksamkeit der Impfung gegen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus und die Erkrankung COVID-19 bieten.

Wie gut schützt der Booster? – Artikelübersicht:

Forscher analysierten nun anhand israelischer Gesundheitsdatenbanken, wie wirksam die dritte Dosis des mRNA-Impfstoffs BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) vor schweren Verläufen von COVID-19 schützt.

Nachlassende Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erfordert Auffrischungsimpfung

Immer mehr zeigt sich, dass der urprünglich recht gute Schutz der zugelassenen Corona-Impfstoffe schneller nachlässt als ursprünglich angenommen. Die Immunität nach der bisher vollständigen Impfung mit zwei Impfdosen sinkt also nach etwa einem halben Jahr deutlich ab.

Eine aktuelle schwedische Studie an rund 800.000 vollständig geimpften Probanden hat nun zu Tage gebracht, dass der Schutz vor einer Infektion mit Krankheitssymptomen bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna bereits nach einem halben Jahr nur noch zwischen rund 30 und 60 Prozent liegt. Beim Impfstoff von Astrazeneca war der Schutz schon nach vier Monaten kaum mehr messbar.

Dieser Umstand, sowie die rasante Verbreitung der Virusmutationen Delta und Omicron, haben Gesundheitsbehörden weltweit alarmiert. Entsprechend sind Auffrischungsimpfungen, medial auch als Impf-Booster bezeichnet, in den Fokus der Pandemiebekämpfung gerückt.

Der sogenannte Booster soll die Antikörperzahl geimpfter Personen erhöhen und so eine deutlich verbesserte Wirksamkeit der Impfung gegen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus und die Erkrankung COVID-19 bieten.

Forscher analysierten nun anhand israelischer Gesundheitsdatenbanken, wie wirksam die dritte Dosis des mRNA-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer (BNT162b2) vor schweren Verläufen von COVID-19 schützt.

Wie gut schützt der Booster?

Die Forscher analysierten die Daten zu Personen, die eine dritte Impfdosis zwischen 30. Juli 2020 und 23. September 2021 erhalten hatten. Zum Vergleich wurden Kontrollpersonen ohne Booster-Dosis herangezogen, die demographisch und klinisch vergleichbar waren.

Sämtliche Personen hatten ihre zweite Vakzin-Dosis mindestens 5 Monate zuvor erhalten und waren nicht nachgewiesenermaßen von einer Coronavirus-Infektion genesen. Primär wurde bestimmt, wie häufig Menschen aufgrund von COVID-19 in ein Klinikum aufgenommen wurden, wie viele der Personen schweres COVID-19 entwickelten oder daran verstarben.

Studie zur Auffrischungsimpfung liefert deutliche Ergebnisse

Die Rahmendaten zur Studie: Zur Analyse standen 1 158 269 Personen zur Verfügung, die bereits eine dritte Impfdosis erhalten hatten. Die Booster- und Kontrollgruppen bestanden, basierend auf Vergleichbarkeit in Faktoren wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Zahl der für COVID-19 kritischen Vorerkrankungen, aus jeweils 728 321 Personen. Die Teilnehmer waren im Schnitt (Median) 52 Jahre alt.

Die Ergebnisse auf einen Blick:

  • Booster: 93 % Schutz vor Krankenhaus im Vergleich zu älterer Zweitimpfung
  • 92 % Schutz vor schwerem Verlauf im Vergleich zu älterer Zweitimpfung
  • Deutlich verbesserte Schutzwirkung durch 3. Dosis nach 5 Monaten

Im Detail: Die Vakzin-Wirksamkeit des Boosters wurde im Vergleich zur 5-Monate vorhergehenden 2. Impfdosis auf 93 % gegen COVID-19 mit Notwendigkeit der Krankenhausbehandlung bestimmt (231 Ereignisse mit 2 Impfdosen vs. 29 Ereignisse nach dem Booster; 95 % Konfidenzintervall, KI: 88 – 97 %).

Mit Blick auf die Entwicklung schwerer COVID-19-Verläufe erreichte der Booster einen Schutz von 92 % im Vergleich zur doppelten Impfung vor mindestens 5 Monaten (157 Ereignisse mit 2 Impfdosen vs. 17 Ereignisse mit Booster; 95 % KI: 82 – 97 %).

Der Booster bot einen Schutz vor Versterben aufgrund von COVID-19 von 81 % (44 Ereignisse mit 2 Impfdosen vs. 7 Ereignisse mit Booster; 95 % KI: 59 – 97 %).

Dies verdeutlichte, dass auch die schon länger zurückliegende doppelte Impfung immer noch einigen Schutz gegen Tod durch COVID-19 bot.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Booster, die Auffrischimpfung mit einer 3. Dosis, im Vergleich zu einer bereits 5 Monate zurückliegenden 2. Impfdosis eine deutliche Verbesserung des Schutzes gegen ernste COVID-19-Verläufe bietet, aufgrund derer Betroffene im Krankenhaus behandelt werden müssen oder gar versterben können.

Wie wirksam ist der mRNA-Booster gegen Omikron?

*UPDATE* [02/2022]

Für Zweifach-Geimpfte und Genesene, die an den bisherigen SARS-CoV-2 Varianten erkrankt waren, besteht praktisch kein Schutz vor einer Infektion mit der derzeit kursierenden Omikron-Variante des SARS-CoV-2-Virus. Nur Menschen, die sich mit einer dritten Corona-Impfung gegen COVID-19 immunisieren lassen haben, bilden Antikörper, die auch Omikron teilweise blockieren können.

Das ergibt eine Studie der MedUni Wien, deren Ergebnisse aktuell im renommierten Journal „Allergy“ publiziert wurden.

Dabei zeigte sich, dass Genesene ebenso wie Zweifach-Geimpfte zwar einen Antikörperschutz gegen Delta entwickelt hatten. Allerdings waren die Antikörper nicht in der Lage, die Rezeptorbindungen gegen
Omikron zu blockieren.

Eine Blockade gegen Omikron gelang bei jenen Menschen, die eine dritte Impfung, erhalten hatten. „Die Dritt-Impfung hat bei vielen Menschen ausreichend Antikörper entwickelt, um sie vor einer Omikron-Infektion zu schützen“, erklärt Studienleiter Rudolf Valenta vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien, „allerdings gibt es auch hier einen mit 20 Prozent deutlichen Anteil, wo kein Schutz aufgebaut wurde“.

[Studie: Omicron: A SARS-CoV-2 variant of real concern; Pia Gattinger, Inna Tulaeva, Kristina Borochova, Bernhard Kratzer, Doris Trapin, Anna Kropfmüller, Winfried F. Pickl, Rudolf Valenta. DOI: 10.1111/all.15264]

*UPDATE* [01/2022]

Eingeschränkte Wirksamkeit von COVID-19 Impfstoffen gegen Omikron

In einer anderen Studie untersuchten Wissenschaftler, wie wirksam unterschiedliche Impfungen (mRNA-1273; Moderna, BNT162b, BioNTech/Pfizer; Ad26.COV2.S, Janssen) gegenüber Omikron und früheren Virusvarianten (Wildtyp und Delta) sind. Geimpfte Personen wurden je nach Zeit seit der Impfung analysiert. mRNA-Booster zeigten neutralisierende Wirksamkeit gegen Omikron, die kaum schwächer war als gegenüber dem Wildtyp.

Die Wirksamkeit der Impfungen wurden anhand von Blutproben der Studienteilnehmer gegen verschiedene Typen des neuen Coronavirus getestet: Der ursprüngliche Wildtyp, die Delta-Variante und die neue Omikron-Variante. Geimpfte Personen wurden in drei weitere Gruppen eingeteilt: Kürzlich vollständig geimpft (bis 3 Monate), vor längerem vollständig geimpft (vor 6 – 12 Monaten) oder geboostert.

Mit mRNA-Impfstoffen geboosterte Personen wiesen neutralisierende Antikörper und Wirksamkeit gegen Omikron auf, die nur um den Faktor 4 – 6 niedriger war als gegenüber dem ursprünglichen Virus. Geimpft (mRNA) plus genesene Personen entwickelten hingegen nur zum Teil neutralisierende Antikörper gegen Omikron, die im Schnitt um Faktor 9 – 12 geringer lag als im Vergleich zum Wildtyp.

Die detaillierte Analyse des Wirkungsmusters gegenüber den drei Virustypen legte zudem nahe, dass der Booster nicht nur zu höheren Antikörperzahlen mit neutralisierender Wirkung führt, sondern auch die Breite der Immunität vergrößerte und dadurch gegen alle drei Virustypen gute Wirkung zeigte.

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen damit die Bedeutung der Booster-Impfung in der aktuellen Omikron-Welle, wenngleich die Wirksamkeit eingeschränkt ist.

[Studie: mRNA-based COVID-19 vaccine boosters induce neutralizing immunity against SARS-CoV-2 Omicron variant – Garcia-Beltran WF, St Denis KJ, Hoelzemer A, et al. in Cell. 2022 Jan 6;S0092-8674(21)01496-3. doi: 10.1016/j.cell.2021.12.033. Online ahead of print. PMID: 34995482]

Für den Immunologen Valenta wäre hier der beste Schutz die Entwicklung eines breit wirksamen Kombinationsimpfstoffs, der sowohl gegen die bisherigen Varianten als auch gegen Omikron schützt. „Bis wir einen solchen Impfstoff haben, bieten nur wiederholte Impfungen mit den vorhandenen Impfstoffen Schutz“. Die durch die Impfung erzielte Schutzwirkung kann mit speziellen Testen, die rasch an neue Virusvarianten angepasst werden können, gemessen werden.

Kaum mehr SARS-CoV-2-Antikörper bei über 75-Jährigen im Pflegeheim

Die Notwendigkeit einer dritten Impfung bzw. einer Auffrischungsimpfung wird besonders bei der Risikogruppe der über 75-Jährigen offenkund.

In einer aktuellen Studie „Impf Care“ des Instituts für Medizinische Virologie unter Leitung von Prof. Sandra Ciesek wurde die Immunantwort von Bewohnerinnen und Bewohnern in Langzeitpflegeeinrichtungen ein halbes Jahr nach ihrer COVID-19-Impfung untersucht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt kommen zu dem Ergebnis, dass die Antikörperkonzentration zu diesem Zeitpunkt bereits stark abnimmt: 90 Prozent dieser sehr betagten Menschen wiesen fünf bis sieben Monate nach der Gabe von zwei Dosen des Biontech-Impfstoffs keine nachweisbaren neutralisierenden Antikörper mehr gegen die Delta-Variante auf.

An der Untersuchung nahmen knapp 300 Bewohnerinnen und Bewohner einer Langzeitpflegeeinrichtung zwischen 75 und 101 Jahren teil.

„Unsere Daten zeigen, dass von den Bewohnerinnen und Bewohnern ein halbes Jahr nach der Zweitimpfung lediglich zehn Prozent nachweisbare neutralisierende Antikörper gegen die Delta-Variante aufgewiesen haben – und dass wiederum fast 50 Prozent davon nur einen sehr geringen Antikörpertiter verzeichneten“, erklärt Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie.

Auch wenn die Omikron-Variante des Coronavirus laut den Daten in anderen Staaten weit weniger schwere Verläufe hat als etwa die Delta-Mutation, bleibt ein Charakteristikum von SARS-CoV-2 erhalten: Besonders gefährdet sind neben Menschen mit Vorerkrankungen vor allem Betagte und Hochbetagte.

Dass Boosterimpfungen Senioren auch bei einer Infektion mit der Omikron-Variante einen hohen Schutz vor einem schweren Verlauf bieten, zeigte zuletzt auch eine Studie der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA. Drei Monate nach der Drittimpfung liege der Schutz vor einer Einlieferung ins Krankenhaus bei rund 90 Prozent, wie die britische Gesundheitsbehörde.

Deshalb verwies auch der Komplexitätsforscher Peter Klimek, dass auch in Österreich alles daran gesetzt werden müsse, die älteren Menschen in Österreich zur Boosterimpfung zu bewegen.

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Quellen:

¹ Effectiveness of a third dose of the BNT162b2 mRNA COVID-19 vaccine for preventing severe outcomes in Israel: an observational study (Barda, N., Dagan, N., et al. in The Lancet, 398(10316), 2093–2100; 2021) DOI: 10.1016/S0140-6736(21)02249-2
² Charakterisierung der humoralen Immunantwort auf BNT162b2 bei älteren Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen fünf bis sieben Monate nach der Impfung (Delbrück M., Hoehl S. et al. in COVID-19 SARS-CoV-2 preprints from medRxiv and bioRxiv November 10, 2021) DOI: https://doi.org/10.1101/2021.11.09.21266110
³ Wie gut schützt die Booster-Impfung gegen neue Corona-Varianten? (SWR) & DeutschesGesundheitsPortal.de

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