Beweglich bleiben – Arthrose erkennen und behandeln

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Beweglich bleiben – Arthrose erkennen und behandeln

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Schmerzende Gelenke bereiten vielen Menschen vor allem mit zunehmendem Alter Probleme. Denn durch die andauernde Belastung kommt es zu einer stetigen Abnutzung unserer Gelenkknorpel.

Diese langsam fortschreitende Zerstörung des Knorpels nennt man Arthrose. Die verschleißbedingte Gelenkerkrankung ist zwar nicht heilbar, ihr Verlauf lässt sich aber mit modernen Behandlungsmethoden, Physiotherapie und der richtigen Lebensführung zumindest verlangsamen.

Arthrose erkennen & behandeln – Artikelübersicht:

Volkskrankheit Arthrose

Mit Millionen von Betroffenen zählt Arthrose zu Recht zu den Volkskrankheiten. Alleine in Österreich sind es 1,4 Millionen Menschen, die an dieser Krankheit leiden. Die ersten Arthrose-Erscheinungen in Form von Gelenkschmerzen machen sich bei der Hälfte der Bevölkerung bereits ab dem 35. Lebensjahr bemerkbar. Im Alter von 60 Jahren sind dann bereits etwa die Hälfte aller Österreicherinnen und ein Drittel aller Österreicher betroffen.

Wichtig ist die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Rheuma, Arthrose und Arthritis. Rheuma äußert sich ebenfalls mit Gelenkschmerzen. Allerdings ist Rheuma im Gegensatz zur Arthrose eine Autoimmunerkrankung. Daher kann es auch anhand bestimmter Marker im Blut festgestellt werden, was bei Arthrose nicht der Fall ist.

Nur wenn sie sich zu einer sogenannten aktivierten Arthrose mit akuten Entzündungen entwickelt, lassen sich im Blut erhöhte Entzündungswerte nachweisen. Der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis dagegen liegt schon in der Begrifflichkeit: Erstere bezeichnet den Zustand des Knorpels und bedeutet übersetzt „schlechter Knorpel“.

Arthritis andererseits bezieht sich auf die Entzündung, die der Knorpelverschleiß verursacht. Oft geht eine Arthrose nach der Degeneration des Gelenkknorpels in eine Arthritis über.

Auslöser der Arthrose

Arthrose wird durch die Abnutzung des Gelenkknorpels ausgelöst. Dieser Knorpel überzieht die Knochenenden in unseren Gelenken und schützt dort gemeinsam mit der Gelenksflüssigkeit vor Knochenabrieb.

Mit zunehmendem Alter bildet sich der Knorpel durch den Verschleiß zunehmend zurück. Damit geht die schützende Funktion im Gelenk verloren und Gelenkflüssigkeit kann in den Knochen eindringen. Stoffwechselprodukte und Zellreste, die sich im Laufe der Zeit im Gelenk ansammeln, können dann zu Entzündungen und damit zur sogenannten aktivierten Arthrose führen.

Die häufigste Ursache für Arthrose ist die altersbedingte Abnutzung des Knorpels. Doch auch Verletzungen von Meniskus oder Bändern sowie Knochenbrüche können zur Arthrose führen. Daneben kann auch eine Überlastung der Gelenke durch Fehlstellungen oder Übergewicht die Krankheit auslösen.

Symptome und Verlauf der Arthrose

Eine Arthrose macht sich mit Gelenkschmerzen, Anlauf- und Belastungsschmerzen sowie einer eingeschränkten Beweglichkeit bemerkbar. Leider treten diese Symptome aber oft erst Jahre nach dem Einsetzen der Krankheit auf, wodurch die Arthrose oft spät erkannt wird. Das liegt daran, dass der Knorpel selbst über keine Nervenzellen verfügt. Daher spüren wir die degenerative Schädigung des Knorpels erst dann, wenn er umliegendes Gewebe oder Knochen in Mitleidenschaft zieht.

Zunächst macht sich der Schmerz nur als Anlaufschmerz, etwa beim Aufstehen in der Früh bemerkbar. Später nehmen die Schmerzen nach und direkt während Belastungen zu. Wenn sich dann in weiterer Folge Entzündungen im Gelenk bilden, es also zu einer aktivierten Arthrose kommt, treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf.

Arthrose verläuft oft in sogenannten Schüben. Während dieser Arthrose-Schübe kommt es zu Schmerzen, Überwärmung des Gelenks, Schwellungen und damit einhergehenden Bewegungseinschränkungen. Je weiter die Arthrose fortgeschritten ist, desto stärker, länger und häufiger können die Schübe ausfallen. Auch Wetterfühligkeit ist ein Symptom der Arthrose: Wetterumschwünge lösen bei vielen Patienten Beschwerden aus.

Arten von Arthrose

Abhängig davon, wo die Arthrose auftritt, unterscheiden wir verschiedene Arten. Im Grunde genommen kann jedes Gelenk von der Erkrankung betroffen sein, meist trifft es aber die sogenannten großen Gelenke wie das Knie. Dabei spricht man von der Gonarthrose, welche zusätzlich in Retropatellararthrose und Arthrose im Femorotibialgelenk unterschieden wird.

Der ersteren, selteneren Art liegt eine Fehlbildung der Kniescheibe (Patella) bzw. der Gleitrinne im Oberschenkelknochen zu Grunde. Bei Arthrose im Femorotibialgelenk, das den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein verbindet, kann entweder eine Valgus-Gonarthrose (bei X-Bein-Fehlstellung), oder eine Varus-Gonarthrose (bei gleichzeitiger O-Bein-Fehlstellung) vorliegen.

Häufig betroffen ist auch das Hüftgelenk. Die sogenannte Coxarthrose bildet sich oft nach einer Verletzung oder Erkrankung der Hüfte. Auch für die Sprunggelenksarthrose sind fast immer Unfälle verantwortlich. Tritt die Krankheit im Schultergelenk auf, sprechen wir von der Omarthrose.

Im Gegensatz zum Sprunggelenk und dem Knie spielen hier öfters auch erbliche Faktoren ein Rolle. Bei den Fingergelenken unterscheiden wir zwischen der Bouchard-Arthrose in den Fingermittelgelenken, der Heberden-Arthrose in den Fingerendgelenken und der Rizarthrose im Daumensattelgelenk.

Diagnose von Arthrose

Da sich eine Arthrose-Erkrankung wie bereits beschrieben oft erst sehr spät bemerkbar macht, ist es umso wichtiger, schnell die richtige Diagnose zu erhalten. Zuständig für Diagnostik und Behandlung von Arthrose ist der Orthopäde.

Einige dieser Fachärzte und Fachärztinnen haben sich besonders auf die Behandlung von degenerativen Knorpelschäden wie Arthrose spezialisiert, wie Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits vom Knorpelzentrum Wien. Für die Diagnose einer Arthrose führt er zunächst eine genaue Anamnese durch und überprüft im Rahmen einer orthopädischen Untersuchung das Gangbild und die Beweglichkeit. Anschließend kann der Verdacht auf eine Erkrankung mit bildgebenden Verfahren wie MRT, Röntgen, Ultraschall oder CT bestätigt werden.

Arthrose-Behandlung

Die Volkskrankheit Arthrose ist leider nicht heilbar. Aber es gibt heute zahlreiche Methoden und Verfahren, die das Fortschreiten der Erkrankung merklich verzögern und die Schmerzen lindern. Welche Behandlung die erfolgversprechendste ist, entscheiden die Fachärzte mit Hinblick auf das betroffene Gelenk und den Ausprägungsgrad der Arthrose.

Das Angebot an Behandlungen umfasst einerseits konservative Therapien in Form von Medikamenten oder Hyaluronsäure-Injektionen. Andererseits gibt es verschiedene operative Therapien wie das Einsetzen einer Endoprothese, eines künstlichen Gelenkes, wenn die Krankheit zu weit fortgeschritten ist.

Lebensführung als wichtiger Faktor

Das individuelle Arthrose-Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben einer gewissen genetischen Disposition spielt vor allem die Lebensführung eine große Rolle. Das betrifft etwa unser Bewegungspensum.

Während ein Übermaß an Bewegung wie etwa im Hochleistungssport zwar durchaus zu Knorpelschäden und damit in weiterer Folge zu einer Arthrose führen kann, hat ein moderates, vernünftiges Ausmaß an körperlicher Betätigung positiven Einfluss auf das persönliche Arthroserisiko. Denn damit stärken wir unseren gesamten Bewegungsapparat und schützen uns vor Verletzungen.

Auch Patienten mit einer bereits diagnostizierten Arthrose sollten auf sanfte Sportarten wie Schwimmen oder Walken setzen. Diese können auch wetterfühligen Patienten bei Wetterumschwüngen Erleichterung verschaffen.

Zudem braucht es Bewegung, damit die Gelenkknorpel Nährstoffe aus der Synovia, der Gelenksflüssigkeit, aufnehmen können. Nur so schaffen wir es, unsere Knorpel ausreichend zu versorgen und gesund zu erhalten.

Ernährung für den Knorpel

Apropos Nährstoffe: Die Ernährung spielt beim Arthrose-Risiko eine wichtige Rolle. Eine ausgewogene Kost und ein gesundes Gewicht sind die effektivste Vorbeugung für Knorpelschäden. Da der Knorpel keinen direkten Zugang zum Blutkreislauf hat, wird er über die Synovia mit Nährstoffen versorgt.

Besonders wichtig für einen gesunden Knorpel sind Vitamin C, Vitamin E, Kupfer, Mangan, Zink, Selen, Kalzium, Vitamin D, Vitamin K, Gluccosamin, Chondroitinsulfat, Hyaluronsäure und Kollagen. Wenn der Bedarf an diesen Mikronährstoffen nicht vollständig über die Ernährung abgedeckt wird, kann mit Nahrungsergänzungsmitteln nachgeholfen werden. Auch hierfür ist der Orthopäde der richtige Ansprechpartner.

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Quellen:

¹ Degenerativer Knorpelschaden und Arthrose – Knorpelzentrum Wien
² Online Arthrose-Check – Knorpelzentrum Wien
³ Physical therapy for patients with knee and hip osteoarthritis (Søren T Skou, Ewa M Roos in Clin Exp Rheumatol; Sep-Oct 2019;37 Suppl 120(5):112-117. Epub 2019 Oct 15.) PMID: 31621559

Hinweis: Das Knorpelzentrum Wien – Zentrum für Knorpelregeneration und Orthobiologie an der Privatklinik Döbling – ist auf die Diagnose und Behandlung von Knorpelschäden wie Arthrose und Gelenksverletzungen sowie Gelenkerhalt spezialisiert. Geleitet wird das Zentrum in 1190 Wien von Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits.

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