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Vogelbeere | Heilpflanzenlexikon

Vogelbeere | Heilpflanzenlexikon

Vogelbeeren - die Früchte der Eberesche

Die Vogelbeere oder Eberesche ist nicht nur ein wertvolles Vogelgehölz, es ist auch ein wertvolles Lebensmittel für Menschen. Roh sollte sie allerdings nicht verzehrt werden, da die Beeren die mäßig giftige Parasorbinsäure enthalten, was zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Krämpfen und Brechdurchfall führen kann. Gekocht, bzw. nach dem ersten Frost genossen, lassen sich die herben Früchte (übrigens so wie Hagebutten auch) perfekt zu Saft, Marmelade oder Gelee verarbeiten. Und die enthaltenen Bitterstoffe wirken sich durch Anregung der Galle positiv auf die Verdauung aus.



Wie man sich doch täuschen kann, viele Menschen denken, dass Vogelbeeren giftig sind. All jene, die es besser wissen sammeln im Frühherbst reichlich von den knallroten Früchten der Eberesche um daraus herb-süßen Saft, Marmelade oder Gelee zu bereiten.


Synonyme

Die Vogelbeere wird auch Eberesche (Sorbus aucuparia), Drosselbeere, Aschekirsche, Quitsche, Ebisch, Sperwerbaum, Speyerling oder Krametsbeerbaum genannt. Der Name „Vogelbeere“ kommt daher, dass Vögel eine besondere Vorliebe für die roten Früchte haben. Die lateinische Bezeichnung Sorbus aucuperia leitet sich vom lateinischen aucupari ab (avis und capere bedeuten Vogelfangen): früher wurden nämlich die von vielen Vögeln so geliebten Beeren als Lockmittel beim Vogelfang genutzt.


Wirksame Inhaltsstoffe

Vogelbeeren sind reich an Vitamin C (bis zu 100 mg pro 100 g Beeren) sowie Provitamin A und enthalten wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Wegen ihres hohen Gehalts an Parasorbinsäure, die in größeren Mengen abführend wirkt, dürfte die Vermutung aufgekommen sein, dass die Beeren giftig sind. Tatsächlich sind sie in rohem Zustand wegen ihres hohen Gehalts an Apfelsäure und Gerbstoffen extrem bitter und daher ungenießbar. Giftig – und nur den Vögeln vorbehalten – sind die Scheinbeeren des Rosengewächses allerdings nicht.

Nach den ersten Frösten (Temperaturen von zumindest -3°C über Nacht) verlieren die Früchte der Eberesche ihren bitteren Geschmack und entfalten ihr leicht süßlich-herbes Aroma. Gekocht können die köstlichen Früchte sowieso bedenkenlos genossen werden, da sich beim Erhitzen die bittere Parasorbinsäure in die gut verträgliche Sorbinsäure umwandelt.

Mittlerweile gibt es bereits bitterstoffarme oder bitterstofffreie Zuchtsorten (Edel-Ebereschen), die auch frisch verzehrt werden können.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick:

  • Vitamin C
  • Viatmin A
  • Calzium
  • Kalium
  • Sorbit (wird als Zuckerersatz für Diabetiker verwendet)
  • Apfelsäure
  • Bernsteinsäure
  • Weinsteinsäure
  • Spuren der Parasorbinsäure (leicht giftig)
  • Bitterstoffe
  • Pektin
  • ätherisches Öl

100 g frische Vogelbeeren enthalten 104 kcal (435 kJoule).


Heilwirkung

Die Volksmedizin schreibt Blättern und Blüten eine besondere Heilwirkung zu, aber auch die Früchte werden in der Naturheilkunde therapeutisch genutzt.

Blätter und Blüten kommen bei Husten, Bronchitis und Magenverstimmungen als Tee zur Anwendung. Die Früchte wiederum wirken gallentreibend, gallenflussanregend, harntreibend und wurden früher gegen Scorbut eingesetzt. In der Schulmedizin wird ein Auszug der Vogelbeere – Sorbit – zur Senkung des Augeninnendrucks bei Glaukom intravenös verabreicht.


Verwendung in der Küche

Die Früchte können wie Preiselbeeren verwendet werden und eignen sich hervorragend zur Herstellung von Saft, Sirup, Kompott, Marmelade oder Gelee. Trotz des herb-sauren Geschmacks enthalten sie viel Zucker (13%). Äpfeln, Birnen und Quitten sind bei Marmeladen, Chutneys und Gelees perfekte Begleiter der leicht herb-sauren Vogelbeeren und passen nicht nur zu süßem Gebäck, sondern auch zu Wildgerichten hervorragend.

Bei der Verarbeitung zu Marmelade, Kompott & Co. werden die Früchte gekocht und gesiebt, auch wenn die Kerne eher weich sind wie jene der Himbeeren. Wegen der bereits erwähnten Bitterstoffe soll erst nach ausgiebigen Nachtfrost geerntet werden. Wenn man mit dem Sammeln der Beeren nicht bis zum ersten Frost warten will, kann man die Beeren auch schon ab September pflücken und einfrieren oder sie über Nacht in Essigwasser (3 Esslöffel Essig auf 1 Liter Wasser) einlegen. Auch so wird der Vogelbeere ein Großteil ihrer Bitterstoffe entzogen.

Nicht zuletzt werden Vogelbeeren regional als Grundstoff von Schnäpsen und Likören verwendet. Für die Qualität ist die Reife der Früchte maßgeblich, zudem gilt für die Früchteauswahl unter Schnapsbrennern die Maxime: „Je älter der Baum, desto besser das Destillat.“ Vogelbeerschnaps gilt als König unter den Edelbränden und verfügt über eine charakteristische Marzipannote. Für einen Liter Schnaps werden 50 Kilogramm Beeren benötigt.


Rezept Vogelbeere-Apfel-Birnenmarmelade

  • 500 g Vogelbeeren
  • 400 g Äpfel
  • 400 g Birnen
  • 1 TL Zimt
  • 1 Mark einer Vanilleschote
  • 500 g Gelierzucker (2:1)

1. Nach mindestens einer Nacht im Gefrierfach die Vogelbeeren in einen großen Topf geben und 30 Minuten kochen lassen.

2. Danach Sud wegschütten und die weichgekochten Vogelbeeren mittels „Flotter Lotte“ passieren. Ansonsten in ein Sieb geben, dieses über einen Topf hängen und mit einem Löffel die weiche Masse durch das Sieb streichen, so bleiben Kerne und Schalen im Sieb hängen. Das ergibt dann etwa 150 g weiches Vogelbeermus.

3. Äpfel und Birnen schälen, entkernen, in Stücke schneiden. Etwa 15 Minuten in wenig Wasser köcheln lassen, bis das Obst weich ist. Vogelbeermus, Zimt und Vanille hinzufügen und alles pürieren.

4. Nun den Gelierzucker hinzufügen, verrühren und einige Minuten kochen lassen. Dabei immer weiter rühren. Ein Geliertest auf einem kühlen Teller zeigt, wann die Marmelade fertig ist. In sterile Gläser abfüllen – fertig.

Wichtiger Hinweis: Allfällige in diesem Artikel angeführte mögliche Heilwirkungen von Pflanzen und Zubereitungen sind nicht als ärztliche Handlungsempfehlungen zu verstehen und ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

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