Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)

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Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)

Das Zwölffingerdarmgeschwür hat sich – ähnlich wie das eng verwandte Magengeschwür – in den letzten Jahren zur Volkskrankheit entwickelt. Falsche Ernährung und ein immer strenger getaktetes Leben stellen hierbei entscheidende Faktoren dar. Aber vor allem ein spezielles Bakterium spielt eine wichtige Rolle in der Krankheits-Entstehung.

Zwölffingerdarmgeschwür – Artikelübersicht:

Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) – Was ist das?

  • Als Zwölffingerdarmgeschwür oder Ulcus duodeni bezeichnet man in der Medizin eine Schleimhautschädigung am Anfang des Dünndarms.
  • Die häufigste Ursache der Erkrankung liegt in einer bakteriellen Infektion mit dem Erreger Helicobacter pylori.
  • Die Erkrankung zeichnet sich durch Übelkeit, Druck- und Völlegefühl sowie den typischen Nüchternschmerz einige Stunde nach Nahrungsaufnahme aus.
  • Die Therapie des Zwölffingerdarmgeschwürs besteht vor allem in antibiotischer Therapie (bei bakterieller Infektion), Einnahme von Magenschutz-Tabletten sowie dem Vermeiden möglicher Risikofaktoren wie Kaffee, Nikotin und Alkohol.

Allgemeines

Als Zwölffingerdarmgeschwür oder Ulcus duodeni bezeichnen Ärzte eine Schleimhautschädigung des Zwölffingerdarms. Dieser liegt direkt hinter dem Magen und stellt den ersten Teil des drei bis fünf Meter langen Dünndarms dar. Der Zwölffingerdarm selbst ist mit seinen circa dreißig Zentimetern jedoch relativ kurz.

In ihm finden unter anderem wichtige Prozesse der Nährstoffaufnahme aus der Nahrung statt. Seine enge Nähe zum Magen macht ihn allerdings auch anfällig für Entzündungen und Schleimhautverletzungen.

Ungefähr jeder zehnte erkrankt im Laufe seines Lebens einmal am Zwölffingerdarmgeschwür. Der Höhepunkt der Erkrankung liegt dabei im jungen bis mittleren Erwachsenenalter. Männer sind zudem deutlich häufiger betroffen und leiden circa doppelt so häufig an einem Zwölffingerdarmgeschwür wie Frauen.

Ursachen

Zu Beginn des Zwölffingerdarmgeschwürs steht vor allem ein Ungleichgewicht zwischen dem durch die Darm-Schleimhaut produzierten basischen Schleim und sauren Faktoren der zersetzenden Magensäure. Diese gelangt mit dem angedauten Speisebrei aus dem Magen auch im gesunden Zustand leicht in den angrenzenden Zwölffingerdarm.

Im Normalfall schützt hier allerdings die Schleimhaut das Dünndarmgewebe vor Verletzungen. Eine Zunahme der Magensäure aber kann zur Zersetzung des Schleims führen und in der Folge auch die Schleimhaut des Zwölffingerdarms selbst verletzen. Die Risikofaktoren hierfür sind vielfältiger Natur.

Zum einen spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Eine fettreiche, säurehaltige Ernährung, sowie der Genuss von Alkohol und Zigaretten verändern die Zusammensetzung der Magensäure und erhöhen ihren Säuregehalt beträchtlich. Auch Medikamente wie Acetylsalizylsäure (bekannt unter dem Namen Aspirin) begünstigen die Entstehung eines Zwölffingerdarmgeschwürs durch diesen Mechanismus deutlich.

Bereits seit den fünfziger Jahren ist zudem ein Zusammenhang zwischen Stress und der Entstehung von Zwölffingerdarmgeschwüren bekannt. Vermutet wird, dass Ärger und Stress die Magensäureproduktion zu erhöhen. Zudem führen sie zu einer vermehrten Verwundbarkeit durch Entzündungen und verlangsamen die Heilung von bereits beschädigtem Gewebe.

Die wichtigste Ursache für das Zwölffingerdarmgeschwür fanden Wissenschaftler allerdings erst in den achtziger Jahren. Das Bakterium Helicobacter pylori siedelt sich häufig im Magen an und produziert dort schleimhautschädigende und das Immunsystem schwächende Eiweiße. Bei zehn bis zwanzig Prozent der infizierten Patienten verursacht es in der Folge Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre.

Symptome

Die Symptome des Zwölffingerdarmgeschwürs ähneln denen des Magengeschwürs deutlich. Zu Beginn zeigen sich vor allem regelmäßige Übelkeit, Druck- und Völlegefühl sowie Erbrechen. Auch unregelmäßiger Stuhlgang zählt zu den häufigen Beschwerden am Anfang der Erkrankung.

Im Verlauf berichten Betroffene zudem von ungewolltem Gewichtsverlust. Ursache hierfür ist, dass der Dünndarm durch die Schleimhautschädigung nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufnehmen kann. Sie werden daher vermehrt unverbraucht wieder ausgeschieden.

Typisch für das Zwölffingerdarmgeschwür ist der sogenannte Nüchtern-Schmerz. Er zeichnet sich durch diffuse Bauschmerzen um die Nabelgegend ab circa drei Stunden nach der Nahrungsaufnahme aus. Direkt nach dem Essen berichten Betroffene dagegen eher von einer leichten Besserung der Beschwerden.

Im Rahmen des Zwölffingerdarmgeschwürs kann es auch zu Blutungen aus der geschädigten Schleimhaut kommen. Diese zeigen sich durch schwarzen Stuhlgang und sollten sofort abgeklärt werden. Starke Blutungen der Geschwüre können mitunter sogar lebensbedrohlich sein. Außerdem erhöht eine andauernde Entzündung der Schleimhaut das Risiko für Gewebsentartungen. Zu diesen gehört auch bösartiger Darmkrebs. Das Zwölffingerdarmgeschwür sollte deshalb zeitnah behandelt werden.

Diagnose

Erste Hinweise auf die Erkrankung erhalten Ärzte schon bei der Erfragung der Patientengeschichte. Gerade der klassische Nüchternschmerz, der von vielen Patienten beschrieben wird, ist hierbei wegweisend. Die abschließende Diagnose kann jedoch nur durch eine Dünndarmspiegelung erfolgen.

Hierbei handelt es sich um einen kleinen Eingriff, währenddessen der Patient dank einer kurzen Narkose schläft. Um Speiseröhre, Magen und Dünndarm von innen anzuschauen, fährt der Untersucher mit einem kleinen Schlauch über den Mund in den Verdauungstrakt des Patienten. An der Spitze dieses Schlauches befindet sich eine Kamera, mithilfe derer er den Verdauungstrakt von allen Seiten betrachten kann.

Zudem können durch den Schlauch auch Instrumente wie kleine Pinzetten in den Zwölffingerdarm eingeführt werden. Denn sieht der Arzt während der Untersuchung eine auffällige Veränderung der Schleimhaut, kann dadurch gleich eine Gewebeprobe entnommen werden. Im Anschluss kann man diese unter dem Mikroskop untersuchen, sowie eine mögliche Infektion mit Helicobacter diagnostizieren.

Therapie

Die Behandlungsmethoden gegen das Zwölffingerdarmgeschwür unterscheiden sich je nach Ursache der Erkrankung. In bis zu 70% der Fälle liegt ihr eine Infektion mit Helicobacter pylori zugrunde. Dann konzentriert sich die Behandlung vor allem auf eine Bekämpfung des Keims. Die medikamentöse Therapie beruht hierbei auf einer Zwei- oder Dreifach-Kombination unterschiedlicher Antibiotika (Amoxicillin, Clarithromycin und Metronidazol).

Diese müssen Patienten, je nach Stärke der Infektion und Beschwerden, zwischen sieben und zehn Tage lang einnehmen. Dazu müssen Betroffene während der Behandlung auch hochdosierte Protonenpumpenhemmer einnehmen. Bekannt sind diese Medikamente als sogenannter Magenschutz, da sie die Produktion der Magensäure hemmen.

Können bei dem Betroffenen keine Bakterien nachgewiesen werden, so sollten alle möglichen Verursacher eine Zeit lang vermieden werden. Besonders häufig verantwortlich sind die nichtsteroidalen Antirheumatika, zu denen Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac, aber auch Acetylsalizylsäure. Letzere ist unter den Markennamen Aspirin und ASS weit verbreitet. Auch Rauchen, Alkohol und Stress sollten Patienten bei Diagnose eines Zwölffingerdarmgeschwürs wenn möglich vermeiden. Neben der Vermeidung von Risikofaktoren sollten Patienten auch in diesem Fall mindestens vierzehn Tage Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol einnehmen.

Nach zwei bis vier Wochen erhalten Patienten bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren zudem eine erneute Magen-Darm-Spiegelung. Hiermit kann der Heilungsverlauf beobachtet und eine Verschlimmerung des Geschwürs ausgeschlossen werden. Vor allem bei Geschwüren mit vorangegangenen Blutungen ist diese Verlaufskontrolle wichtig.

Ähnliches gilt bei Patienten, bei denen keine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter nachgewiesen werden konnte. Nach zwei bis vier Woche führt der behandelnde Arzt auch hier eine erneute Magen-Darm-Spiegelung durch. Zudem ist auch eine erneute Helicobacter-Diagnostik entscheidend, um eine mögliche versteckte Infektion zu entdecken.

Vorsorge

Der Schwerpunkt in der Vorsorge eines Zwölffingerdarmgeschwürs, aber auch der Nachsorge nach einer durchgestandenen Erkrankung, liegt im Vermeiden der auslösenden Faktoren. Vor allem Kaffee, Alkohol und Nikotin stehen hierbei im Vordergrund. Auch sehr scharfe Speisen, die die Magensäureproduktion deutlich verstärken, erhöhen das Risiko eines Zwölffingerdarmgeschwürs.

Nichtsteroidale Antirheumatika, die als Blutverdünner wie auch als Schmerzmittel eingenommen werden, sollten nur nach Absprache mit einem Arzt regelmäßig eingenommen werden. Besteht ein erhöhtes Risiko für Geschwürerkrankungen (z.Bsp. durch familiäre Belastung) sollte auch dies mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Ein weiterer Schwerpunkt in der Vermeidung von Magendarmgeschwüren liegt in der Vermeidung von Stress. Dies ist oft nur schwer möglich. In jedem Fall hilfreich sind hier aber Meditations- und Muskelentspannungsübungen. In vielen wissenschaftlichen Studien konnten Wissenschaftler eine Stressreduktion und Verminderung mit stressassoziierten Erkrankungen durch Entspannungsübungen feststellen.

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Quellen:

¹ Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
² MSD Manual

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