Was ist ein Placebo, was ist der Placebo-Effekt?

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Hier unser aktuelles Erklärvideo zur Frage “Was ist ein Placebo, was ist der Placebo-Effekt?”. Des Rätsels Lösung ist einfach und doch verblüffend. Sehen Sie selbst!

In diesem Video zeigen wir warum Scheinmedikamente ohne Wirkstoff trotzdem wirken können.


Wenn wirkstofflose Pillen oder beliebige Behandlungsmaßnahmen (Scheinbehandlungen) einen therapeutischen Effekt zeigen, spricht man von einem Placebo-Effekt. Ein Placebo im engeren Sinn, ist ein Medikament ohne Wirkstoff, also ohne pharmakologische Wirkung. Die Wirkung – im besten Fall eine positive Veränderungen des Gesundheitszustandes – beruht nicht auf dem Therapeutikum, sondern auf der Erwartungshaltung des Patienten und den Umständen, in denen sie verabreicht werden.

Placebo-Effekte sind seit Jahrzehnten als klinisch-relevante Phänomene bekannt. Placebos gehören daher heute in der klinischen Pharma-Forschung zum Alltag. Bevor etwa ein neues Arzneimittel zugelassen wird, muss es Wirksamkeitsprüfungen bestehen. Dabei bekommt die Versuchsperson ein echtes Mittel und ein Placebo (lat. „ich werde gefallen“).

Die Studie wird doppelblind durchgeführt, das heißt: weder Arzt noch Patient wissen, ob der Patient eine echte oder eine Scheinpille einnimmt, ein sogenanntes Verum oder ein Placebo. So kann zwischen subjektiv-psychischer Wirkung und objektiv-pharmakologischer Wirkung unterschieden werden.

Im weiteren Sinn werden unter Placebos auch Scheinmaßnahmen (z.B. Scheinoperationen usw.) verstanden, die ebenfalls eine positive Veränderungen des Gesundheitszustandes bewirken, obwohl sie gar nicht durchgeführt wurden.

Placebo und Placebo-Effekt

Was ist ein Placebo?

  • Als Placebo (auch Scheinmedikament, Scheinpräparat) werden Medikamente ohne Wirkstoff bezeichnet. Es handelt sich also um ein Scheinmedikament mit echter Wirkung.
  • Die hervorgerufene Wirkung dieser Scheinmedikamente wird „Placebo-Effekt“ genannt.
  • Die mögliche Wirkung von Placebos ist wissenschaftlich bestätigt.
  • Wie der Placeboeffekt biochemisch genau funktioniert, ist noch gegenstand der Forschung. Fix ist, dass es nicht ein Mechanismus ist, sondern verschiedene Faktoren, die den Placebo-Effekt auslösen oder verstärken können.

Ob und wie gut ein Placebo wirkt, hängt also von mehreren Faktoren ab. So spielen etwa auch die Farbe und der Preis der Pillen eine große Rolle, ebenso wie die Empathie des Arztes oder die Atmosphäre, in der die Behandlung stattfindet.

Zweifellos einer der bekanntesten Placebos ist der sogenannte Weißkittel-Effekt: der tritt auf, wenn einem Patienten mit eigentlich völlig normalem Blutdruck durch einen Arzt die Blutdruckmanschette zur Messung angelegt wird. Das Szenario treibt bei vielen tatsächlich den Blutdruck in die höhe und liefert damit “falsche” Werte bei der Messung. Ärzte sind daher angewiesen in solchen Fällen Patienten in einer ruhigen Umgebung entspannen zu lassen und erst danach die Messung zu wiederholen um eine Verfälschung der Ergebnisse zu vermeiden.

Was der Placeboeffekt alles kann: Relevanz von Placebophänomenen

Bislang haben Ärzte Patienten gelegentlich Scheinpräparate verabreicht, in dem Wissen, dass diese durch die reine Erwartungshaltung des Patienten manchmal ebenso gut wirken wie echte Medikamente mit Wirkstoff.

Nachdem in zahlreichen klinischen Studien aufgezeigt wurde, dass bis zu 70% der Symptomverbesserung bei Medikamentengabe auf „unspezifische“ Placeboeffekte zurückzuführen sind, ist die aktive Nutzung dieses, auch als Placebophänomen benannten Effekts, in den Fokus der Medizin gerückt. Sie möchte nun die hohe therapeutische Bedeutung dieser Effekte zielgerichtet nutzen.

Aber auch Patienten selber können den Placeboeffekt für sich nutzen, dies hat eine Studie aus dem Jahr 2010 aufgezeigt. Darin lieferte der Wissenschafter Ted Katchuk, Proffessor an der rennomierten Harvard Medical School in Boston die entscheidenden Grundlagen.

Anders als bei sonstigen derartigen Versuchen, wurden die Patienten bei der Medikation beim sogenannten Reizdarmsyndrom darauf hingewiesen, dass es sich bei den verabreichten Mitteln um Scheinmedikamente handelte. Den Propanden wurde erklärt, dass das Mittel allein durch die Art und das Ritual der Einnahme seine Wirkung erzielen würde.

Das verblüffende Ergebnis: tatsächliuch schnitt jene Gruppe, der das Placebo verabreicht wurde signifikant besser ab, als die Kontrollgruppe ohne Behandlung. Die überraschende Erkenntnis war, dass es für den Erfolg von Scheinpräparaten nicht unbdingt nötig ist, dass man sie für echt hält, solange man davon überzeugt ist, dass sie helfen können. Fazit: die Erwartung wirkt und die Einnahme im Bewusstsein seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, kann die Wirksamkeit ebenfalls steigern.

Wie und wo können Placebos in der Medizin eingesetzt werden?

Antiidiotikum

Natürlich ist die Scheinmedizin, also die Behandlung mit Medikamenten ohne Wirkstoff nicht unproblematisch. Einserseits erinnert sie stark an Kurpfuscherei, andererseits wirft sie auch ein ethisches Problem auf: Ist die Anwendung von Placebos zur Behandlung von Krankheiten gerechtfertigt, auch wenn sie nicht auf einer informierten Einwilligung des Patienten beruht, der schließlich von einer “echte” Medikation ausgeht?

Die beständig steigenden Forschungsergebnisse der Placeboforschung eröffnen derweil immer weitere Anwendungsgebiete. Eine Einschränkung auf bestimmte Krankheiten gibt es bei der Anwendung grundsätzlich nicht, allerdings ist darauf hinzuweisen, dass auch diese Art der Behandlung unter streng formalen Richtlinien der Schulmedizin zu erfolgen hat.

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass Placeboeffekte bisher am häufigsten im Bereich Schmerz und Analgetika neurobiologisch untersucht worden sind. Nach einer Placebo-Behandlung gegen Schmerzen etwa schütteten Probanden Endorphine, also körpereigene Opioide, aus. Auch ihre Wirkmechanismen in den Bereichen Depressionen und Bewegungsstörungen (Parkinson-Krankheit) wurden erfolgreich erforscht. So stieg bei der vermeintlichen Gabe eines Parkinson-Medikaments etwa der Dopamin-Gehalt im Gehirn. Und Placebos konnten messbar das Immunsystem herunterfahren.

Placebo-Effekte lassen sich durch mannigfaltige Einflüsse modellieren. „Das beginnt schon dabei, wie ein Medikament verschrieben wird“, sagt der Marburger Klinische Psychologe Winfried Rief, Sprecher einer interdisziplinären, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsgruppe, die dem Placebo-Effekt systematisch auf den Grund gehen soll. „Wird es vom behandelnden Arzt als besonders potent angepriesen, erhöht sich tatsächlich seine Wirksamkeit.”

Übrigens: Auch Nebenwirkungen lassen sich suggerieren. Tatsächlich werden immer wieder nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit, Verstopfungen, Erbrechen und Hautausschläge nach der Einnahme von Placebos genannt.

Mittlwerweile wird auch von der Schulmedizin bestätigt, was eigentlich Ausgangspunkt der modernen Geschichte der Medizin ist: Jeder Mensch hat ein enormes körperliches Selbstheilungspotential in sich, das – in diesem Fall – durch Placebos lediglich ausgelöst wird.

Nocebo-Effekt

Beim Noceboeffekt handelt es sich quasi um das Gegenstück zum Placeboeffekt. Er bezeichnet eine für die Gesundheit negative Reaktion auf ein medizinisches Präparat ohne spezielle Wirkung. Während der positive Placeboeffekt Einstellungen und Erwartungen auslösen und damit Selbstheilungskräfte freisetzen kann, macht der Noceboeffekt genau das Gegenteil. Der Nocebo-Effekt gilt also als böser Bruder des Placeboeffekts, daher sollte von Ärzten und Pflegepersonal dringend die Kraft unbedachter Wörter bedacht werden.

“Das Leben eines Kranken kann nicht nur durch die Handlungen eines Arztes verkürzt werden, sondern auch durch seine Worte und sein Verhalten“, hieß es schon 1847 in der Gründungsschrift der American Medical Association.

Tatsächlich kann schon die Ärzte-Patientenkommunikation entscheidend für den Krankheitsverlauf sein. Worte können also nicht nur heilen, sondern auch Schaden anrichten – etwa durch missverstandene und unverstandene Diagnosen oder wegen schlecht kommunizierten Hinweisen auf mögliche Nebenwirkungen eines Medikaments oder einer Behandlung. Auch wenn es unwissenschaftlich klingt, derlei Auswirkungen sind belegbar.

Der amerikanische Arzt und Autor Clifton Meador hat viele Jahre lang genau solche Fälle untersucht und zahlreiche Bücher darüber geschrieben (“Fascinomas -fascinating medical mysteries”, “Symptoms of Unknown Origin: A Medical Odyssey”). Denn wie der Placeboeffekt lässt sich auch der Noceboeffekt nachweisen.

Bei einer 2009 in der Schweiz durchgeführten Untersuchung männlicher Patienten mit erhöhtem Blutdruck, die das Medikament Metroprolol einnahmen, wurden drei Gruppen gebildet. Einer Gruppe wurde gesagt, dass das Medikament Erektionsstörungen als Nebenwirkung hervorrufen kann, während der zweiten Gruppe davon nichts gesagt wurde. Und der dritten Gruppe wurde sogar der Name des Medikaments verschwiegen. Das Ergebnis war eindeutig: während in der ersten Gruppe 32 Prozent der Männer angaben unter Errektionsstörungen zu leiden, waren es in der zweiten nur 13 Prozent und in der dritten gar nur 8 Prozent.

Noch plastischer die Beobachtungen an Patienten, bei denen Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde: sie glauben oft so fest daran, dass sie nur noch wenige Monate zu leben haben, dass sie tatsächlich bald darauf sterben. Doch bi der Obduktion zeigen sich den Ärzten dann oft erstaunliche Tatsachen: Tumore die noch relativ klein sind, noch keine anderen Organe befallen und auch keine Metastasen gebildet haben. Clifton Meador dazu: “Manche Menschen sterben nicht an Krebs, sondern an der Angst davor.”

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Quellen:

¹ PTA Forum: Placeboeffekt gezielt nutzen
² Arzt-Patienten-Kommunikation: die Macht des Wortes (aerzteblatt.de)
³ Placeboforschung der Philipps-Universität Marburg

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