Medizinlexikon: Streptokokken

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Streptokokken

lat. Streptokokkus

Streptokokken sind kugelförmige, kettenartig zusammenhängende, grampositive (die sogenannte Gram-Färbung ist eine Methode zur Einfärbung der Zellwand von Bakterien, so dass diese unter dem Mikroskop differenziert erscheinen. Gram-positive Bakterien, die violett/blau erscheinen, und Gram-negative Bakterien, die rot gefärbt werden) und aerobe (auf das Vorhandensein von Sauerstoff angewiesene) Bakterien.

Es sind Eitererreger, die in der Mundhöhle vorkommen und bei tieferem Eindringen in den Körper zu Infektionen wie Angina tonsillaris (Mandelentzündung), insbesondere auch Scharlach, Scharlachangina, Pneumonie, Endokarditis und Pyodermien führen. Sie lassen sich durch Penizillin und verwandte Antibiotika gut hemmen.

Beschreibung

Streptokokken sind für vielerlei Krankheiten verantwortlich, zum Beispiel Karies, Halsentzündungen, Scharlach oder rheumatisches Fieber. Im Normalfall werden diese Krankheitserreger durch die körpereigene Abwehr in Schach gehalten. Wenn die jedoch geschwächt ist, schlagen die Streptokokken zu.

Manche Streptokokkenarten kommen in vielen Formen mit verschiedenen Antigentypen vor. So sind von Streptococcus pneumoniae 84 verschiedene Stämme bekannt, die sich in der Struktur ihrer Polysaccharidhülle unterscheiden. Jeder dieser Stämme stellt einen unterschiedlichen Serotyp dar.

Um in den menschlichen Körper eindringen zu können, schlagen Bakterien vom Typ Streptokokkus A das Immunsystem mit seinen eigenen Waffen: Sie aktivieren einfach das körpereigene Protein Plasminogen und lösen damit die Barrieren auf, die ihnen den Zutritt zum Blutkreislauf verwehren sollen.
Streptokokken und Schwangerschaft

Streptokokken finden sich auf der Haut, im Darm und – bei fünf bis 20 Prozent der Frauen – auch in der Scheide. Bei intaktem Immunsystem reicht die Abwehrkraft des Körpers aus, um die Erreger erfolgreich zu bekämpfen. Diese Bakterien gelten zwar nicht als „typische“ Erreger einer Geschlechtskrankheit, sie können aber beim Sexualkontakt weitergegeben werden.

Folgende Stämme sind für den Vaginalbereich relevant:

1. ) Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pygenes)

Folgende Infektionen werden von diesem Erreger verursacht:

* Rachen- und Mandelentzündungen,
* Scharlach,
* Erysipel (Rotlauf)
* Phlegmone

2.) Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalacticae)

Folgende Infektionen werden von diesem Erreger verursacht:

* Wundinfektionen
* Sepsis
* Hirnhautentzündungen
* Harnwegsinfektionen
* Neugeborenensepsis

Besonders gefürchtet ist die Neugeborenensepsis. Man unterscheidet dabei eine rasche, unmittelbar nach der Geburt auftretende Form (early onset) und eine etwas später auftretende Form (late onset). Die early-onset-Form wird vor allem im Fall des vorzeitigen Blasensprungs bei nachgewiesener Scheidenbesiedelung durch Streptokokken begünstigt. Für Neugeborene sind Streptokokken der Gruppe B eine tödliche Gefahr. Die Bakterien, die bei etwa zehn bis dreißig Prozent aller Frauen im Genitalbereich vorkommen, können bei Babys schwere, teils tödliche Infektionen auslösen. Das Neugeborene zeigt eine lebensbedrohliche Allgemeininfektion, die durch Schock, Hirnhautentzündung und Atemnotsyndrom gekennzeichnet ist. Nur eine früh einsetzende, konsequente Therapie kann die Sterblichkeit senken. Zwar werden zurzeit einige Impfstoffe gegen B-Streptokokken in klinischen Studien erprobt. Allerdings sind diese nur gegen jeweils einen Stamm der Bakterienart wirksam.

Bei Nachweis von Streptokokken der Gruppe B wird eine vorbeugende Antibiotikagabe während der Geburt empfohlen. Ein Kind einer Mutter mit Strepptokokken wird in der Regel nicht verlegt, sondern nur gut überwacht. Dazu gehören Abstriche (Rachen, Ohren und Leiste) sowie Temperaturkontrollen. Bei einer unbehandelten Infektion sollten Sie in der Klinik bleiben, da die Symptome einer Infektion rasant schnell auftreten und für das Kind nicht ungefährlich sind.

Linktipps

– Mandelentzündung bei Kindern
– Blutbild, Blutbefund, Blutwerte
– Gesunde Scheidenflora

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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