Sonnenallergie | Medizinlexikon

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Sonnenallergie | Medizinlexikon

Die umgangssprachliche Bezeichnung Sonnenallergie beschreibt eine Gruppe von Hautveränderungen, die unter der Einwirkung von UV- Strahlen auf die Haut entstehen. Zumeist ist aber das Sonnenekzem gemeint, einer typischen Hautrötung mit juckenden und mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Obwohl die Bezeichnung Sonnenallergie (auch: Lichtallergie) anderes vermuten lassen würde, sind nur einige wenige aus dem Formenkreis der lichtbedingten Hauterkrankungen (Dermatosen) allergisch bedingt. Die Mehrzahl der sogenannten Lichtdermatosen beruhen tatsächlich auf einer Intoleranzreaktion des Körpers.

Sonnenallergie | Medizinlexikon – Artikelübersicht:

Menschen, die unter einer Kontaktallerigie leiden, weisen häufig auch eine Sonnenallergie auf. Insgesamt sind besonders hellhäutige Personen und Menschen mit empfindlicher Haut von dieser Hautreaktion betroffen.

Dabei gibt es die Begriffe „Sonnenallergie“ und „Lichtallergie“ in der Medizin eigentlich gar nicht, vielmehr handelt es sich um die umgangssprachliche Bezeichnung einer ganzen Gruppe von Hautveränderungen, die unter der Einwirkung von UV- Strahlen auf die Haut entstehen. Um eine echte Allergie handelt es sich nur bei den wenigsten.

Zumeist ist der medizinisch korrekte Begriff Sonnenekzem gemeint, wenn von Sonnenallergie die Rede ist.

Typisch sind folgende Symptome:

  • Rötung der Haut
  • Bläschenbildung
  • Juckreiz oder brennende Schmerzen

Es werden drei Arten von Sonnenallergie unterschieden:

Polymorphe Lichtdermatose (PMD)

Die häufigste Form der Sonnenallergien betrifft vor allem sonnenexponierte Hautpartien, zum Beispiel Ausschnitt, Schultern, Arme, Beine, handrücken oder Nacken. Quaddeln, juckende Flecken oder Bläschen sind charakteristische Symptome dieser Form. Die Symptome können innerhalb von wenigen Minuten bis Stunden, aber auch Tage nach der Exposition gegenüber UV-Strahlung (Sonnenlicht, Solarium) eintreten.

Photoallergische Reaktionen

Die Haut kann nicht nur durch lange Sonnenbäder geschädigt werden, auch bei kurzer Sonnenbestrahlung, wenn die Haut vor oder während des Sonnenbades duch bestimmte Substanzen sensibilisiert wurde (Photosensibilisierung) kann es zu Hautirritationen kommen. Manche Stoffe bilden durch Reaktion mit dem Sonnenlicht Abbauprodukte, die zu Allergien oder Hautveränderungen führen können. Substanzen, die zu photoallergische Reaktionen führen können sind:

  • Inhaltsstoffe bestimmter Pflanzen: Wiesengräser, Petersilie, Bergamotte, Orangen usw.
  • Inhaltsstoffe von Parfums, Deodorants und anderen Kosmetika
  • manche Antibiotika, soeie Medikamente, die Tetracycline oder Phenothiazine enthalten

Mallorca Akne (Acne aestivalis)

Bei der Mallorca-Akne handelt es sich um eine Sonderform der Sonnenallergie und zählt zur Gruppe der exogen (durch äußere Faktoren) bedingten Akne. Sie tritt häufig während des Urlaubs im Süden auf. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine echte Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit ausgelöst durch durch Reaktionen zwischen dem UV-Licht der Sonne und Inhaltsstoffen (zumeist Emulgatoren) der Sonnenschutzmittel oder anderer Körperpflegemittel auf.

Anders als bei der gewöhnlichen Akne (Acne vulgaris) treten keine Pusteln auf. Der Ausschlag tritt hauptsächlich an sonnenexponierten Stellen wie Brust, Oberarme, Schultern, Nacken, Rücken seltener im Gesicht (auf den Wangen) auf. Da für diese Hautreaktion vorm allem Emulgatoren verantwortlich sind, sollten Sie fetthaltige Mittel meiden. Achten Sie bei der Wahl des Sonnenschutzes auf Angaben wie „emulgatorfrei“, „fettfrei“ oder „Gel“.

Erklärvideo: Sonnenallergie schnell erklärt

Prof. Dr. med. Günther Hofbauer, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Allergologie und klinische Immunologie an der Klinik Hirslanden in Zürich, erklärt im Interview die Ursachen, Symptome und Therapie bei Sonnenallergie.

Diagnose

Lichtallergiker unterscheiden sich von hellhäutigen, sonnenempfindlichen Menschen dadurch, dass bei ihnen nicht nur die Haut reagiert, sondern das Immunsystem durch eine Überempfindlichkeit gegenüber den UV-Strahlen des Sonnenlichts (UV-A-Strahlen) – allein oder in Kombination mit einer anderen Substanz – allergische Beschwerden auslösen. Die Diagnose wird in ärztlicher Behandlung aufgrund des klinischen Bildes und der Patientengeschichte und eventuell zusätzlich anhand eines Provokationstest mit UV-Licht gestellt.

Das Mittel der Wahl ist in diesem Fall eine sogenannte Photoprovokation, die hilft, den Krankheitsverdacht zu erhärten und die Diagnose zu präzisieren. Dabei werden ausgesuchte Hautareale mit Licht aus dem UVA-, dem UVB-Bereich bestrahlt, zumeist wiederholt über drei Tage hinweg. Dadurch kann der untersuchende Arzt feststellen, ob und mit welcher zeitlichen Verzögerung die Strahlung Hauterscheinungen hervorruft.

Wenn der Verdacht auf eine photoallergische Kontaktdermatitis oder eine systemische Photoallergie besteht, kann der Arzt einen sogenannten Photopatchtest durchführen. Dabei wird der Epikutantest mit den potentiellen Photoallergenen doppelt auf den Rücken aufgeklebt. Nach 24 Stunden wird die eine Hälfte mit einer UV-Quelle bestrahlt, die andere Hälfte verbleibt unbelichtet. Die Testreaktionen werden nach 24, 48 und 72 Stunden beurteilt. Ist nur auf der bestrahlten Seite eine Hautreaktion zu erkennen, handelt es sich um eine Photoallergie gegenüber dem Stoff, den das positiv getestete Pflaster enthält. Allerdings ist es oft schwierig, aus den gut 400 bekannten Photosensibilisatoren jene herauszufinden, die im Einzelfall tatsächlich hinter der Erkrankung stecken könnten.

Therapie

Die Symptome werden ähnlich wie bei einem Sonnenbrand behandelt.

  • Der Juckreiz lässt sich mit kühlenden Antihistaminika- oder rezeptfreien Kortison-Gels lindern.
  • Zur Behandlung der akuten Lichtdermatose werden in ärztlicher Behandlung die entzündungshemmenden, immunsuppressiven und antiallergischen Glucocorticoide eingesetzt.
  • In den ersten 24 Stunden den Bluterguss mit Kälte behandeln, anschließend mit warmen Bädern Linderung verschaffen.
  • Topfenwickel: eine 1 cm dicke Topfenschicht (Quark) auf die verletzte Stelle legen und ca. zwei Stunden einwirken lassen.
  • Schrotpackung: Weizenschrot und Wasser zu einem dicken Brei verkochen, abkühlen lassen und so warm wie möglich auf die Verletzte Stelle legen. Ebenfalls zwei Stunden wirken lassen.
  • Salben, die Heparin oder Blutegelextrakte enthalten, können das schnelle Verschwinden von Blutergüssen begünstigen.

Prophylaxe

Unkomplizierte lichtbedingte Hautveränderungen lassen sich einfach vermeiden. Beachten Sie folgende Tipps und Hinweise:

  • Meiden Sie direkte Sonneneinstrahlung
  • Mittagssonne meiden (12 bis 15 Uhr)
  • Berücksichtigen Sie, dass im leichten Schatten die UV-Strahlen stark genug sind, um photoallergische Reaktionen zu verursachen
  • Bei Polymorphe Lichtdermatose die Einnahme von Beta-Carotin, bereits vor Reiseantritt
  • Verzichten Sie beim Sonnenbad unbedingt auf Parfums und Rasierwasser
  • Benutzen Sie fettarme und emulgatorarme Pflegeprodukte
  • Benutzen Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor
  • Wählen Sie ein Sonnenschutzmittel, dass statt eines chemischen einen physikalischen Lichtschutz (mineralische Filter, Mikropigmente wie Titandioxid oder Zinkoxid) enthält!
  • Wenn Sie Medikamente nehmen müssen, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Wechselwirkungen

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Sonne ohne Reue – Hauttypenberatung
– Sonne & Medikamente
– Hautpflege im Sommer
– Dermatitis solaris – was tun bei einem Sonnenbrand?
– Nesselsucht (Urtikaria) | Krankheitslexikon

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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