Nesselsucht (Urtikaria) | Krankheitslexikon

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Nesselsucht (Urtikaria) | Krankheitslexikon

Nesselsucht, ist das beste Beispiel einer Reaktion auf eine Allergie vom Soforttyp. Urtikaria (Nesselsucht) bildet schnell juckende Schwellungen, innerhalb von wenigen Minuten nach dem Kontakt mit einem Allergen oder anderen Auslöser bilden sich juckende Quaddeln, so wie bei der Berührung von Brennnesseln (lat. Urtica; daher auch der Name).

Nesselsucht (Urtikaria) – Artikelübersicht:

Die Schwellungen der Urtikaria entstehen in der Oberhaut. Die Quaddeln können klein sein, oder auch den ganzen Körper bedecken. Zu Beginn der Reaktion zeigen sich begrenzte, geschwollene und leicht erhabene Rötungen, die schnell größer werden und jucken.

Symptome

Die Haut rebelliert förmlich: In den meisten Fällen wird eine Rötung der Haut sichtbar, innerhalb von Minuten folgen dann die bereits erwähnten Quaddeln an der Hautoberfläche. Diese jucken stark und sind als klar konturierte Erhebungen zunächst weißlich bis blassrot gefärbt. Die Quaddeln können einzeln auftreten und die Größe von Linsen haben. Meistens stehen sie aber beetartig zusammen. Sie können sich auch über den ganzen Körper ausbreiten und zu großflächigen Gebilden zusammenfließen. Sie bilden dann tiefere Hautschwellungen, sogenannte Angioödeme, die häufig im Gesicht, an Hand- oder Fußrücken und den Genitalien auftreten.

Die Dauer der Schwellungen (Angioödeme, auch bekannt unter den älteren Bezeichnungen Quincke-Ödem) ist unterschiedlich. Die Quaddeln können nach wenigen Minuten zurückgehen, oder auch wochenlang bleiben. Bleiben Quaddeln länger als 6 Wochen, spricht man von chronischer Nesselsucht bzw. Chronisch Spontaner Nesselsucht (CSU).

Bei der Akuten spontanen Urtikaria sind Allergien nicht selten Auslöser. Typisch für eine akute allergische Reaktion sind Urtikaria etwa nach Insektenstichen (Biene, Wespe) aber auch nach Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln. Die chronische Urtikaria ist hingegen in den allermeisten Fällen keine Allergie.

Hinsichtlich der Auslöser wird die spontane, das heißt ohne erkennbaren Grund auftretende, von einer induzierbaren (auslösbaren) Form unterschieden.

Urtikaria Ausschlag mit Bläschen an den Händen

Bestimmte Allergene, andere Reizstoffe oder mechanische Einwirkungen führen zu einer Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe (v.a. Histamin). Es entstehen die typischen Nesselsucht-Symptome mit Bläschenbildung an den Händen und stark juckenden Quaddeln.

Wenn die Schleimhaut der Atemwege (Rachen, Kehlkopf etc.) betroffen ist und stark anschwillt, kann eine akute Nesselsucht schnell lebensbedrohlich werden. Denn dann gelangt die Atemluft nur noch schwer oder gar nicht mehr hindurch. Die Betroffenen bekommen Atemnot und können sogar ersticken!

Ursachen

Die Entstehung von Nesselsucht ist sehr komplex und die Zahl der möglichen Auslöser hoch. In der Mehrzahl der Fälle lässt sich ein konkreter Nesselsucht-Auslöser gar nicht finden. Auslöser können müssen aber nicht Allergene sein, mechanischer Druck, Reibung usw. (physikalische Nesselsucht) können etwa ebenso Auslöser sein. Und wie bei vielen anderen Hauterkrankungen, kann Stress die Urtikaria auslösen oder verstärken.

Nur selten ist eine „echte“ allergische Reaktion Ursache für eine Nesselsucht, allerdings spielen pseudoallergische Reaktionen auf Medikamente und Nahrungsmittel eine wichtige Rolle.

Äußerlich lassen sich urtikarielle Quaddeln leicht durch mechanische Einwirkung auslösen und nachweisen. Fährt man z. B. mit einer Büroklammer oder einem anderen, dünnen aber stumpfen Gegenstand fest über die Haut, entsteht wenige Minuten danach eine Urtika entlang der Reibefläche. Der Hautausschlag verschwindet nach wenigen Minuten wieder.

Diesen Effekt nennt man Urticaria factita. Im Alltag kann können Quaddeln durch mechanischen Druck auftreten. Trägt man z. B. zu lange einen zu schweren Rucksack, so können sich entlang der Druckstellen der Gurte Quaddel bilden. Aber auch Kälte, Wärme oder das Licht einer bestimmten Wellenlänge können dieselben Effekte haben. Kurioserweise können in manchen Fällen auch extreme körperliche Anstrengung oder emotionale Erregung zu kleinen, linsengroßen Quaddeln führen. Diese Form nennt sich Wärmereflex-Urticaria.

All diese Reaktionen beruhen auf allergischen Mechanismen, die bis heute nicht vollständig erklärbar sind. Nahrungsmittel führen häufig zu schwereren Beschwerden. In vielen Fällen sind andere, sogenannte immunologische Ursachen für eine Nesselsucht bekannt. So können verschiedene Lebensmittel, wie Nüsse, Gewürze, Fisch oder Schalentiere (Muscheln, Krabben etc.) zu allergischen Reaktionen sofort nach dem Verzehr führen. Die allergischen Reaktionen bestehen häufig in einer Quaddel- oder Ödembildung.

Es kann aber auch zu Luftnot und in besonders schweren Fällen zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Die gleichen Effekte können auch Medikamente, vor allem Penicillin und Aspirin, sowie die in Lebensmitteln enthaltenen Konservierungs- und Farbstoffe, verursachen. Dabei können auch Asthma- und heuschnupfenartige Anfälle auftreten.

Eine Sonderform der Nesselsucht stellt die sogenannte Kälteurtikaria (fälschlich oft als Kälteallergie bezeichnet) dar. Bei ihr löst ein Kältereiz (Kontakt mit kalten Gegenständen oder auch kaltem Wasser oder Wind) die Freisetzung von Histamin (eine körpereigene Mediatorsubstanz) aus, und zwar an der Stelle, wo die Kälte auf die Haut einwirkt. Innerhalb weniger Minuten kommt es zur Rötung, Schwellung und heftigem Juckreiz. Welcher Kältereiz die Symptome hervorruft, das ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Die folgende Liste möglicher Nesselsucht-Auslöser erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder muss selbst mithelfen herauszufinden, gegen welchen Stoff er allergisch ist.

Erklärvideo: Nesselsucht schnell erklärt

Prof. Dr. Marcus Maurer von der Berliner Charité Universitätsmedizin spricht über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Nesselsucht. Der Juckreiz treibt Patienten schier zur Verzweiflung, doch Hilfe ist möglich.

Mögliche Auslöser für die Nesselsucht

  • Nahrungsmittel wie:
    Fisch, Eier , Getreide, Kuhmilch, Krustentiere, Muschel, Nüsse, Beeren. Lebensmittelzusatzstoffe, wie z. B. Chinin in Tonic- Water, Menthol in Zahnpaste, etc.
  • Rückstände von Spritzmittel auf Obst und Gemüse oder in Fleisch gespritzte Medikamente;
  • Medikamente zum Einnehmen, besonders Salicylate wie Aspirin, oder Penicillin;
    Salben und Zäpfchen;
  • Metalle im Körper, z. B. bei Operationen verwendete Metalle oder Amalgam in Zahnplomben;
  • Insektenstiche;
  • Pflanzen;
  • Tierhaare;
  • Sonnenstrahlen und Röntgenstrahlen;
  • Druck auf die Haut;
  • große Kälte oder extreme Temperaturschwankungen;
  • Virusinfektionen;
  • akute eitrige Infekte;

Übrigens: wegen der mitunter erschreckenden Hautveränderung, glauben viele, dass Nesselsucht ansteckend wäre, dem ist aber nicht so.

Behandlung

Zuerst versuchen den Auslöser zu ermitteln! Das bedeutet konkret, Allergien und Unverträglichkeiten im Allergieambulatorium und im Labor abzuklären. Dann kann dieser Stoff gemieden werden. Viele akute Urtikaria klingen ohne medikamentöse Behandlung ab.

Der Prick-Test kann helfen, den Auslöser zu finden. Das kann manchmal sehr langwierig sein. Zur Ermittlung des Auslösers wird der Prick-Test durchgeführt. Dabei werden verschiedene Stoffe auf die Haut aufgetragen, von denen bekannt ist, dass sie zu allergischen Reaktionen führen können. Die Stoffe sind meistens in einer Lösung enthalten. Die Haut unter dem Tropfen der Lösung wird angeritzt, damit das Allergen in die Haut gelangen kann. Bei einer allergischen Reaktion bildet sich an der betreffenden Stelle innerhalb von wenigen Minuten eine rote Schwellung.

Besteht der Verdacht, dass man auf z. B. Käse allergisch reagiert, kann dieser direkt auf die Haut aufgelegt werden. Oft vergeht sehr viel Zeit, bis der auslösende Stoff zweifelsfrei gefunden ist. Oft ist ein Betroffener gegen mehrere Stoffe allergisch. Die chronische Nesselsucht ist nur in seltenen Fällen auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Meistens erweisen sich viele Nahrungsmittelfarb- und Konservierungsstoffe als Auslöser. Deshalb ist es im Alltag oft recht schwierig, die auslösenden Stoffe zu meiden. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Auslöser als Bestandteil von Nahrungsmitteln nicht auf den Verpackungen aufgeführt ist. Antihistaminika unterdrücken die Histaminausschüttung.

Fast alle Quaddeln und Ödeme, die im Rahmen einer allergischen Reaktion entstehen, sind auf die Ausschüttung von Histamin zurückzuführen. Medikamente, die die Freisetzung von Histamin unterdrücken, wirken gegen Nesselsucht. Diese Medikamente werden Antihistaminika genannt. Die Histaminausschüttung der Mastzellen ist eine normale Reaktion des Immunsystems auf einen Eindringling. Mastzellen kommen in den meisten Geweben des Körpers vor, besonders im Bindegewebe der Gefäße und in der Schleimhaut.

Bei Allergien führt die „unnötige“ Ausschüttung des Histamins zu den bekannten Symptomen. Histamin bewirkt, dass sich die Gefäße weiten und stimuliert in der Haut befindliche Nerven. So kommt es zur typischen Rötung und Juckreiz. Da bei dieser Reaktion auch Blutplasma ausgepreßt wird, bilden sich die Schwellungen von ödeme oder Quaddeln.

Diese werden dann je nach Ausprägung auch mit Cortisonpräparaten (oral oder äußerlich) behandelt. Moderne Salben enthalten dabei Kortikoide (moderner Überbegriff für Cortison, also Hormone, die in der Nebennierenrinde gebildet werden). Diese werden kurzfristig aufgrund ihrer entzündungshemmenden, antiallergischen und immunsuppressiven (die Abwehrfunktion unterdrückenden) Wirkung unter anderem erfolgreich bei schweren Allergien und eben Urtikaria-Schüben eingesetzt.

Bei einer Langzeittherapie mit können schwere Nebenwirkungen auftreten, deshalb dürfen Kortikoide (auch: Corticosteroide) grundsätzlich nur auf Verordnung eines Arztes und unter ständiger ärztlicher Kontrolle verwendet werden. Keinesfalls darf die vorgeschriebene Dosis eigenmächtig erhöht werden.

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Linktipps

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– Allergisches Kontaktekzem
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