Insektengiftallergie: anaphylaktischer Schock als tödliche Gefahr

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Insektengiftallergie: anaphylaktischer Schock

So wie jedes Jahr haben in den Sommermonaten auch Bienen und Wespen wieder Hochsaison und das ist für Insektengiftallergiker sehr gefährlich. Bereits ein einziger Stich kann innerhalb kürzester Zeit bei sensibilisierten Menschen zu schweren Folgen führen: Schwellungen, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit bis hin zum lebensbedrohlichen allergischen Schock mit möglichem tödlichen Ausgang. Solche Todesfälle, können meist mit der richtigen Notfall-Versorgung verhindert werden. Experten empfehlen Allergikern deshalb, immer Erste-Hilfe-Medikamente – darunter auch einen Adrenalin-Autoinjektor – griffbereit zu haben.

Allergologen schätzen, dass in Österreich bei bis zu zehn Prozent der Bevölkerung eine Sensibilisierung auf Insektengift nachgewiesen werden kann. Diese erlangt man, wenn der Körper nach früheren Bienen- oder Wespenstichen einen Abwehrmechanismus in Gang setzt. Kommt nun ein neuer Insektenstich dazu, reagiert der Körper mit heftigen Abwehrreaktionen, die bis zum Kreislaufzusammenbruch führen können. Hat man schon einmal auf einen Insektenstich übermäßig reagiert, sollte unbedingt ein Allergietest durchgeführt werden.

„Jeder Patient, der schon einmal heftig – also z. B. mit übermäßigen Schwellungen, Atemnot oder Nesselausschlag am ganzen Körper – auf einen Insektenstich reagiert hat, sollte unbedingt beim Facharzt oder im Allergieambulatorium einen Test durchführen lassen. Nur so kann mit Sicherheit festgestellt werden, ob und wenn ja in welchem Grad eine Allergie besteht. Die meisten schweren Zwischenfälle nach Insektenstichen passieren bei Menschen, die über ihre Sensibilisierung gar nicht Bescheid wussten“, so Primarius Univ. Doz. Dr. Klein, Leiter der dermatologischen Abteilung des Krankenhauses der Elisabethinen in Linz. Wurde eine Insektenallergie festgestellt, sollte sich der Patient genau über die Vorsorge- und Therapiemaßnahmen informieren lassen.

Anaphylaktischer Schock

Eine Anaphylaxie ist eine ganz schwere allergische Reaktion. Es gibt verschiedene Substanzen, die einen sogenannten anaphylaktischen Schock auslösen können. Dazu zählen Nahrungsmittel ebenso, wie Medikamente (z.B. Antibiotika, Narkotika, Rheuma- und Kontrastmittel), Latex oder eben Insektengifte. Bei einem anaphylaktischen Schock lassen sich verschiedene charakteristische Symptome beobachten. Dazu zählen massive Hautausschläge, Atemnot bis hin zum totalen Kreislaufkollaps.

Ursache für diese heftige Reaktion ist eine übertriebene Reaktion des körpereigenen Immunsystems, das als Abwehrmassnahme des vermeintlich gefährlichen Stoffes (Allergen) eine massive Ausschüttung von Histamin veranlasst. Dadurch kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße, einem Abfall des Blutdrucks und einer Unterversorgung der lebenswichtigen Organe Herz, Hirn und Lunge mit Blut. Die Organversorgung bricht zusammen, ein Kreislaufstillstand mit Bewusstlosigkeit ist die Folge.

Die Anaphylaxie ist nicht nur eine schwerwiegende, allgemeine Überempfindlichkeitsreaktion, sie stellt auch eine akut lebensbedrohliche Situation für den Betroffenen dar und muss sofort ärztlich behandelt werden! Zögerliches Handeln kann den Tod des Patieneten bedeuten, deshalb sind bereits bei ersten Anzeichen sofort Rettungskräfte zu alarmieren und diese auch bereits über den Verdacht eines anaphylaktischen Schocks zu informieren. Damit ist gewährleistet, dass die Rettung bzw. der Notarzt bereits am Weg zum Patienten mit dem Notfallmanagement beginnen kann und dadurch die Akuttherapie ohne weitere Verzögerung beginnen kann.

Symptome & Erste Hilfe

Gegen die Gifte der Insekten können sich nach wiederholten Stichen Allergien vom Sofort-Typ entwickeln. Ein einziger Stich löst dann kollapsartige Beschwerden, wie Blutdruckabfall, Fieber, Schwindel, Atemnot, Brustenge, Kopfschmerzen und Ausschlag aus. Brennen und Jucken auf und unter der Zunge, im Rachen, in Handtellern und unter den Fußsohlen sind eindeutige Hinweise auf einen anaphylaktischen Schock.

Die Symptome der allergischen Reaktion reichen von lokalen Hauterscheinungen bis zum Herz-Kreislauf-Stillstand. Die im folgenden beschriebenen Einzelsymptome können auftreten und durchlaufen werden. Frühe Symptome sind Hautreaktionen, Juckreiz, Quaddelbildung oder die Ausbildung eines Lidödems. Daneben kommt es zu Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Brechreiz, akuter Atemnot, Konzentrationsstörungen und Sehstörungen. Im weiteren Verlauf treten die typischen Symptome eines Schocks auf, d.h. der Puls wird flach und schnell und die Bewusstlosigkeit kann eintreten. Es ist jedoch ebenso möglich das eine allergische Reaktion binnen Minuten das Vollbild mit Herz-Kreislauf-Stillstand erreicht. Zögern Sie deshalb bei einem drastischen Verlauf keine Sekunde und alarmieren Sie sofort die Rettung bzw. den Notarzt und teilen Sie auch gleich Ihre Vermutung (anaphylaktischer Schock) telefonisch mit – der Arzt kann sich so bereits vorbereiten und vor Ort schneller Hilfe leisten.

Medikament der Wahl beim allergischen Schock (im Vollbild) ist Adrenalin – hierdurch werden die Blutgefäße wieder tonisiert. Soweit vorhanden wird stark verdünntes Adrenalin gespritzt, das die Gefäße verengt und die Atmung erleichtert. Falls notwendig kann mit einer Sauerstoff-Maske eine erhöhte Menge Sauerstoff zugeführt werden. Alternativ zur Infusion kann unverdünntes Adrenalin über die Sauerstoff-Maske mit einem sogenannten Vernebler im Sauerstoff vermischt als sog. bronchiale Applikation verabreicht werden. Daneben wird Kortison (zum Entzündungsstopp) als Infusion gegeben, zusätzlich sorgen Infusionen mit physiologischer Kochsalzlösung für eine Erhöhung des Blutdrucks (schwere anayphylaktoide Reaktionen machen gelegentlich die Gabe von 2-3l Flüssigkeit in 20-30min notwendig). Die Gabe von Sauerstoff gehört ebenfalls zu den Erstmaßnahmen, dazu werden Antihistaminika verabreicht um die Symptome der allergischen Reaktion weiter zu mindern.

Spritze für Notfallsituationen sollte immer griffbereit sein

Patienten, die bekanntermaßen allergisch auf Bienenstiche reagieren, besitzen häufig ein Notfallset, mit dem der allergische Schock direkt behandelt werden kann. Es gibt einerseits ein Adrenalin-Pumpspray, das inhaliert wird, zum anderen ist ein automatischer Adrenalin-Injektor zur intramuskulären Applikation auf dem Markt. Beide Systeme sollten vom Arzt oder Apotheker erläutert werden, damit im Notfall die richtige Handhabung gewährleistet ist. Das Spray ist auch für kleine Kinder geeignet, während der Injektor nur bei Erwachsenen und Kindern mit mehr als 45 kg Körpergewicht angewendet werden darf.

Bereits seit einigen Jahren ist in Österreich ein Adrenalin-Injektor (etwa Epi-Pen©) auf dem Markt, den der Allergiker bei Bedarf vom Arzt verschrieben bekommt und den der Betroffene jederzeit griffbereit bei sich tragen muss. Dieser so genannte „Autoinjektor“ enthält den Wirkstoff Adrenalin, der bei allergischen Reaktionen kreislaufstabilisierend wirkt. Die Notfallspritze wird vom Patienten bei ersten Anzeichen einer starken allergischen Reaktion selbst oder von Begleitpersonen außen am Oberschenkel angesetzt, durch den Mechanismus des Injektors wird dann das Adrenalin in der richtigen Menge automatisch injiziert. Die Handhabung ist sehr einfach und kann nach entsprechendem Training selbst von Kindern alleine ohne Probleme durchgeführt werden. Durch den Wirkstoff Adrenalin wird eine Überreaktion des Immunsystems verhindert. Noch bevor der Notarzt zur Stelle ist, kann damit eine wirksame Erste-Hilfe-Maßnahme gesetzt werden, die lebensrettend sein kann.

Insektengiftallergie kann geheilt werden

So gefährlich eine Insektengiftallergie auch ist, sie ist gleichzeitig jene Allergieform, die zu beinahe 100 Prozent geheilt werden kann. Mittels Allergieimpfung werden seit vielen Jahren erstklassige Ergebnisse erzielt. Studien zeigen, dass bei rund 98 Prozent der Patienten, die über einen Zeitraum von rund drei Jahren mit der spezifischen Immuntherapie gegen Insektengiftallergie behandelt wurden, keine oder nur mehr sehr geringe Reaktionen auf das Bienen- und Wespenallergen zeigen. Die Wirkung hält viele Jahre an und kann immer wieder aufgefrischt werden. Die Allergieimpfung wird nach eingehender Diagnose vom Facharzt oder im Allergieambulatorium durchgeführt. Die Therapiekosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Tipps für Insektengift-Allergiker

  • Bewegen Sie keine alten Äste oder Baumstücke, denn Wespen haben dort oft ihr Nest.
  • Verzichten Sie auf Parfums, Haarsprays, stark parfümierte Cremes und Seifen, Rasierwasser und andere parfümierte Kosmetika.
  • Tragen Sie keine weiten, fliegenden Kleider und keine schwarze oder farbig gemusterte Kleidung. Besser sind weiße, grüne oder hellbraune Stoffe.
  • Vorsicht im Biergarten, beim Grillen oder Picknick. Genießen Sie im Freien besser keine süßen Speisen, Bier, Obstsäfte und Limonaden. Getränke immer gut verschließen!
  • Gehen Sie im Freien nie barfuß. Vorsicht auch am Sandstrand, denn Wespen nisten im Boden.
  • Halten Sie Abfalleimer und Mülltonnen stets gut geschlossen.
  • Meiden Sie Orte, an denen Tiere gefüttert werden, z. B. Zoo.
  • Halten Sie beim Autofahren die Fenster geschlossen.
  • Helm und Handschuhe sind für Motorradfahrer Pflicht.

Richtiges Verhalten im Notfall:

  • Tragen Sie in den Sommermonaten die vom Arzt verordneten Notfallmedikamente immer bei sich.
  • Informieren Sie Ihre Familie, Kollegen und Freunde über Ihre Allergie und was im Notfall zu tun ist.
  • Gehen Sie als Insekten-Allergiker nach einem Stich nie alleine zum Arzt, Sie könnten bewusstlos werden.
  • Fragen Sie Ihren Arzt nach der Allergieimpfung als langfristig wirksame Therapieform.

Linktipps

– Insektenstiche: Wespen, Bienen und Hornissen
– Allergischer Notfall – was tun?
– Impfung gegen Insektengiftallergie
– Allergien im Kindes- und Jugendalter
– Quallenstich: Erste Hilfe bei Kontakt mit Quallen
– Vorsicht bei Insektenstichen

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