Quallenstich: Erste Hilfe bei Kontakt mit Quallen

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Qualle - Erste Hilfe nach Quallenstich

Das Gift der Medusen wird von Badetouristen am Meer oftmals als Schrecken der Strände bezeichnet. Kein Wunder, denn sogenannte Quallenstiche sind äußerst schmerzhaft und können den Badespaß ordentlich verderben. Wer Kontakt mit Quallen hatte, sollte unbedingt ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen. Auch wenn die Haut höllisch brennt, lässt sich mit ein paar einfachen Verhaltensregeln und Erste-Hilfe-Maßnahmen der schlimmste Schmerz rasch lindern.


Immer wieder sorgen Quallenplagen am Meer für Stress im Urlaub. Auch wenn die meisten Quallen im Mittelmeer ungefährlich sind, verderben sie den Gästen doch den lang ersehnten Badespaß. Dabei muss es nicht einmal eine ausgewiesene Qualleninvasion sein, schon der Kontakt mit einer einzigen Qualle reicht aus um an der betroffenen Hautstelle einen stechenden Schmerz zu spüren. Die Symptome ähneln dabei jenen einer Verbrennung und verursachen nicht nur großen Schmerz sondern auch einen enormen Schrecken.

Quallenstichen vorbeugen

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Wer beim Baden im Meer von einer Qualle verletzt wurde, sollte vor allem Ruhe bewahren und schnell an Land schwimmen ohne in Panik zu geraten. Wer wild im Wasser um sich schlägt aktiviert nur noch mehr von den Nesseln, die die Qualle auf der Haut abgesetzt hat.

Die folgende Salbe ist in Deutschland nur schwer zu bekommen, wirkt aber aktiv gegen Quallenstiche:

Nesseltiere im Überblick: Quallen, Polypen und Seeanemonen

Nesseltiere (dazu zählen: Quallen, Seeläuse, Portugiesische Galeere, Seeanemonen und Korallen) sind einfach gebaute, vielzellige Tiere, die die Küsten, den Grund und das offene Wasser der Weltmeere und – seltener – einige Süßgewässer bewohnen. Sie sind durch den Besitz von Nesselkapseln gekennzeichnet, welche sie einerseits zum Beuteerwerb, andererseits auch als hoch wirksame Verteidigungswaffe gegen echte und vermeintliche Fressfeinde einsetzen.

Viele Quallen sind Hochseebewohner und haben in Küstennähe eigentlich nichts verloren. Doch Quallen sind den Meeresströmungen ausgeliefert und landen deshalb immer wieder auch in großer Zahl in Strandnähe. Am Mittelmeer kommen derartige Quallenplagen üblicherweise vor allem im August vor. Spezielle Witterungsverhältnisse, milde Winter mit höheren Wassertemperaturen und die Überdüngung ganzer Meeresareale führen aber immer häufiger zu Quallenalarm. Es wird vermutet, dass einerseits das durch die Überdüngung gestiegene Futterangebot in Kombination mit der weltweiten Überfischung dafür verantwortlich sind. Die Zahl der Nahrungskonkurrenten und der Fressfeinde der Quallenlarven nehmen immer stärker ab und begünstigen eine massive „Quallenblüte“.

Vergiftungen durch Nesseltiere

Der Kontakt des Menschen mit den Nesselorganen der Qualle führt fast immer zu sofort auftretenden Hautrötungen verbunden mit einem anhaltenden brennenden Schmerz. Wer von einer Qualle erwischt wurde, hat durch die Berührung mit dem Tier dessen Nesselzellen (Cnidozyten) aktiviert. Die Nesselkapseln stehen unter extremem Überdruck und jeglicher Kontakt führt quasi zur Explosion und damit zur Abgabe kleiner Giftpfeile. Wie mikroskopisch kleine Harpunen durchbohren diese sodann die Haut des Menschen und injizieren ihr Gift. Das Nesselgift der Quallen ruft zudem allergische Reaktionen hervor, die erst recht schmerzen.

Quallen sind teilweise durchsichtig und daher im Wasser nur schwer auszumachen. Für Verletzungen reicht aber selbst der Kontakt mit Teilen von (sogar toten) Quallen, also z.B. mit Tieren, die durch die Einwirkung von Schiffsschrauben getötet wurden, deren Tentakel aber noch unsichtbar im Wasser treiben. Auch an den Strand gespülte bereits tote Nesseltiere und deren Überreste können Hautläsionen hervorrufen.

Je nach Art der Qualle besteht für Schwimmende unter Umständen durch einen anaphylaktischen Schock tatsächlich Lebensgefahr. Akute Gefahr besteht jedenfalls, wenn sich im Wasser ganze Heerscharen der giftigen Medusen befinden. In diesem Fall sollte man das Wasser unbedingt gänzlich meiden.

Erste Hilfe: Quallenstiche richtig verarzten

1. Nach einem Quallenkontakt sofort ans Ufer schwimmen und die betroffene Hautstelle untersuchen.

2. Etwaiger noch anhaftender Medusenschleim enthält weitere, noch nicht aktivierte Nesselzellen. Um zu verhindern, dass diese platzen, die Hautstelle nur mit Meerwasser oder Essig vorsichtig säubern. Niemals Süßwasser oder gar Alkohol für die Säuberung verwenden, denn dies könnte die restlichen Cnidozyten erst recht aktivieren und zur Entladung der Nesselkapseln führen.

3. Bei den im Mittelmeer häufig vorkommenden Feuerquallen hilft auch Rasierschaum gut um Quallenreste zu entfernen: vorsichtig aufstreichen, eintrocknen lassen, dann mit einem Messerrücken abstreifen. Alternativ die betroffenen Hautstelle mit trockenem Sand bedecken und vorsichtig mit einem Spatel (Messerrücken, o.ä.) abstreichen.

4. Danach die Haut mit Eis kühlen und viel Wasser trinken.

5. Nach der ersten Kühlung abwechselnd Essigkompressen und Eiswickel einsetzen. Dies wirkt rasch schmerzlindernd.

6. Lässt der Schmerz auch über eine längere Zeitspanne (über eine Stunde) nicht entscheidend nach, helfen antiallergische Medikamente in Tablettenform oder als Salbe. Streichen Sie die betroffenen Hautstellen mit Antihistaminika, einer Kortison- oder Brandsalbe ein.

7. Bei Auftreten von Schwindel, Übelkeit oder Atemnot ist sofort ein Arzt aufzusuchen, denn es könnte ein Kreislaufzusammenbruch oder ein allergischer Schock bevorstehen. Gleiches gilt, falls die Augen in Kontakt mit einer Qualle gekommen sind – ab zum Arzt!

Neueste Studien haben zudem gezeigt, dass die im Nesselgift enthaltenen Toxine auch durch Hitze bekämpft werden können. Geeignet ist die Methode für Verletzungen an Armen und Beinen: den betroffenen Körperteil eine halbe Stunde bis eine Stunde in 42° bis maximal 45°C warmes Wasser tauchen. Das Wasser darf keinesfalls heißer sein, da sonst Verbrühungsgefahr besteht. Hitze dürfte die toxischen Proteine in ihrer Molekularstruktur so verändern, dass sie ihre Aktivität behindert.

Die gefährlichsten Quallenarten weltweit

Während es im Mittelmeer nur selten zu schweren Vergiftungen durch Nesseltiere kommt, stellt sich die Situation in anderen Weltmeeren ganz anders dar. Vor allem die Meere in Ost- und Westaustralien sind voll von – mitunter tödlichem – Jellyfish, wie Quallen dort auch bezeichnet werden. Ein Überblick besonders gefährlicher Vertreter:

  • Leuchtqualle (Mittelmeer, tropischer und subtropischer Atlantik)
  • Feuerqualle (Nordsee, Ostsee, kühlerer Atlantik und Pazifik)
  • Portugiesische Galeere (tropische und subtropische Meere)
  • Kompassqualle (Pazifik, tropischer und subtropischer Atlantik)
  • Würfelqualle bzw. „Seewespe“ (Meere um Australien)

Quallen Risikogebiete

Im Mittelmeer sorgen vor allem Leuchtquallen (pelagia noctiluca) für Ärger. Haarquellen und Kompassquallen kommen ebenfalls recht häufig vor, ihre Stiche sind allerdings nicht so schmerzhaft. Mit Besorgnis wird die Zunahme bestimmter sehr giftiger Quallenarten registriert: seit wenigen Jahren fühlen sich im wärmer gewordenen Mittelmeer auch tropische Nesseltiere wie die Portugiesische Galeere (phisalia physalis) wohl. Ihr Gift ist wohl das einzige Nesselgift des Mittelmeers, das tödlich sein kann. Noch ist die Anzahl der gefährlichen Tiere im Mittelmeer allerdings recht gering und ein Kontakt in Küstennähe damit sehr unwahrscheinlich.

Vorbeugung

Auch wenn die meisten Kontakte mit giftigen Meeresbewohnern für Erwachsene glimpflich ausgehen, können Quallenstiche für Kinder und Allergiker und empfindliche Menschen gefährlich sein. Vorsicht und ein wenig Umsicht ist also in jedem Fall angeraten:

1. Erkundigen Sie sich im Hotel oder fragen Sie am Strand die lokale Bevölkerung, ob es bestimmte Stellen mit einem hohen Quallenaufkommen gibt. Diese Stellen sollten Sie unbedingt meiden. Bedenken Sie aber, dass dies keinen absoluten Schutz gibt, da sich die Lage der Nesseltiere durch bestimmte Strömungen schlagartig verändern kann.

2. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, sollte auf spezielle dünne Neoprenanzüge zurückgreifen. Diese bieten in Kombination mit einer Schwimm- oder Tauchbrille einen hervorragenden Schutz gegen Quallenstiche.

ACHTUNG: T-Shirts oder lange Shorts sind kontraproduktiv, denn in ihnen können sich Quallen viel leichter verhängen, was wiederum unschöne, großflächige Verletzungen zur Folge haben kann.

3. Wenn Sie eine Qualle sehen, schwimmen Sie nicht weiter. Drehen Sie um und schwimmen Sie ans Ufer zurück.

4. Es gibt mittlerweile auch Sonnenschutzmittel, die zusätzlich auch Schutz vor vor Quallenverbrennungen bieten. sollen. Dieses Kombinationspräparat muss vor dem Baden sorgfältig – auch auf die Haut, die vom Badetrikot bedeckt ist – aufgetragen werden. Das Mittel führt dazu, dass im Fall eines Kontakts weniger Nesselzellen der auf der Haut explodieren, und so Verletzungen weniger dramatisch ausfallen. Informieren Sie sich dazu bei ihrem Arzt oder Apotheker.

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¹ Foto: Chidorian, urspünglich auf Flickr – Creative Commons Lizenz cc-by-sa-2.0
² Foto 2: Quallen Risikogebiete – www.tropeninstitut.at

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

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