Initiative Insektengift Allergie startet Info-Kampagne

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Insektengift-Allergie, Bienen haben Hochsaison

Anlässlich des Starts der Bienen- und Wespensaison 2011 weisen Experten darauf hin, dass die gefährliche Insektengift-Allergie sehr gut diagnostizier- und behandelbar ist. Auf einer eigenen Website liefert die Initiative Insektengift Allergie nun umfassende Hintergrundinformationen zum Thema.

Der kurze Winter und das relativ warme Frühjahr wirkten sich heuer günstig auf die Entwicklung der Bienen- und  Wespenpopulation aus. Experten prognostizieren deshalb ein gutes Jahr für diese Hautflügler. Mit der Blütezeit der Pflanzen und der anhaltenden Warmwetterperiode haben Bienen nun Hochsaison. „Der kurze Winter und das relativ warme Frühjahr mit wenigen wirklich kalten Tagen waren für die Bienen günstig“, erklärt der Zoologe Univ.-Prof. Dr. Karl Crailsheim von der Universität Graz. „Für Honigbienen sind nur lange Winter ohne kurze Wärmeperioden gefährlich. Alle anderen Gefahren, wie z. B. Nahrungsarmut lässt ein guter Imker nicht entstehen. Großflächige Bienenverluste wurden daher bisher nicht gemeldet.“

Auch die Wespen gedeihen gut: „Die günstigen klimatischen Bedingungen der letzten Monate hat es den Wespenköniginnen ermöglicht, früh mit ihrer Koloniegründung zu starten. Ihnen steht nach der Winterruhe ausreichend Nahrung zur Verfügung. Wenn keine längeren Kälteeinbrüche mehr kommen, wird es diesen Sommer eine Wespen-Arbeiterinnen-Generation mehr geben.“ Doch, „eine ausgeprägte Wespenplage wie vor zwei Jahren wird voraussichtlich nicht vorkommen.“

Allergiker sollten sich also spätestens jetzt wappnen, denn für sie kann bereits ein einziger Stich zur Lebensgefahr werden. Von ersten dramatischen Todesfällen war bereits kürzlich in den Medien zu lesen. Ob eine Allergie vorliegt, kann der Facharzt herausfinden: Moderne Tests mit biotechnologisch produzierten Eiweißstoffen machen eine noch genauere Diagnose möglich. Dadurch kann die von Fachärzten empfohlene spezifische Immuntherapie, die als einzige Behandlung langfristig vor den gefährlichen allergischen Reaktionen schützt, noch zielgerichteter eingesetzt werden.

Lebensgefährlicher Stich

Der Stich einer Biene, Wespe, Hornisse und auch Hummel ist zwar schmerzhaft, aber für die meisten Menschen völlig harmlos. Für jene, die auf das Gift allergisch reagieren, kann ein einziger Stich allerdings massive Folgen haben. „Bei Insektengift-Allergikern stuft das Immunsystem das Insektengift als gefährlich ein und reagiert übertrieben. Beschwerden wie starker Juckreiz und Rötung am ganzen Körper, Nesselausschlag, Schwellungen im Gesicht und im Rachen- und Kehlkopfbereich, Schwindelgefühl und Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Schluck- und Sprechbeschwerden, Husten, Atemnot können innerhalb weniger Minuten auftreten“, verdeutlicht Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Hemmer vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien.

Im Extremfall kommt es zu einem anaphylaktischen Schock, der Maximalvariante einer Reaktion des Körpers auf einen Allergie-Auslöser. „Diese sogenannte Anaphylaxie führt zu lebensbedrohlichen Atemstörungen sowie einem völligen Zusammenbruch des Kreislaufs. Ohne sofortige Notfallversorgung kann dieser Vorfall sogar tödlich ausgehen“, warnt der Allergieexperte vor den Gefahren. „Mindestens 5 Menschen sterben in Österreich jeden Sommer an einem Bienen- oder Wespenstich, möglicherweise bleiben aber etliche Fälle unerkannt.“ Besonders wichtig im Fall eines Stichs sei daher die rechtzeitige Gabe von Adrenalin, Kortison und Antihistaminika, die der Arzt verschreibt und Insektengiftallergiker im Sommer immer mit sich tragen sollten. Diese könnten sich bis zum Eintreffen des Notarztes als lebensrettend erweisen.

Exaktere Allergiediagnostik durch biotechnologisch hergestellte Allergene

Rund vier Wochen nach dem Stichereignis sollte die Diagnose beim Facharzt durchgeführt werden, um den Allergie-Auslöser zu identifizieren. Neben dem ausführlichen Arztgespräch, bei dem die Umstände und das Ausmaß der allergischen Reaktion besprochen werden, gehören ein Haut- sowie ein Bluttest zu den Diagnosestandards. Hemmer: „Um rasch eine Therapie gegen das richtige Gift einleiten zu können, ist es wichtig zu wissen, wogegen sich die allergische Reaktion genau richtet.“ Oft können die Patienten allerdings nicht mit Sicherheit angeben, welches Insekt sie gestochen hat, und herkömmliche Tests zeigen häufig eine Sensibilisierung sowohl auf Bienen- als auch auf Wespengift an.

Eine neue, sehr vielversprechende Methode macht es möglich, den Allergie-Auslöser exakt zu definieren. „Mithilfe biotechnologischer Methoden werden nur die IgE-bindenden und damit krankheitsverursachenden Moleküle aus der Allergenquelle verwendet. Falsche oder unklare Ergebnisse, wie sie bei der herkömmlichen Diagnostik auftraten, können ausgeschlossen werden. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Therapie“, erläutert der Allergiespezialist die Vorteile des innovativen Diagnoseverfahrens. „Rekombinant, also biotechnologisch, hergestellte Proteine können verlässlich zwischen einer Sensibilisierung gegen Bienen- oder Wespengift unterscheiden, wodurch die Zahl der Behandlungen mit beiden Giften deutlich reduziert werden kann.“ Durch die neue Diagnosemethode kann auch der Wert des spezifischen Mastzellmarkers Tryptase sehr gut nachgewiesen werden. Ein erhöhter Tryptasespiegel lässt auf eine erhöhte Anzahl von Mastzellen im Blutserum schließen und weist damit auf ein erhöhtes Risiko schwerer Reaktionen bei Insektenstichen und Insektengift-Injektionen im Rahmen einer spezifischen Immuntherapie (SIT) hin.

Nachhaltiger Schutz vor lebensbedrohlichen Reaktionen

So gefährlich eine Insektengift-Allergie auch ist, so gut kann sie behandelt werden. „Die spezifische Immuntherapie stellt bei Insektengift-Allergikern eine lebensrettende Behandlungsform mit einer über 90 %-igen Erfolgsrate dar. Das bedeutet, dass 9 von 10 behandelten Patienten bei einem weiteren Stich geschützt sind. Ein derartiger Therapieerfolg ist sensationell und in der Medizin höchst selten. Das Wissen um den nachhaltigen Schutz vor neuerlichen lebensbedrohlichen Reaktionen gibt den Allergikern ein Gefühl der Sicherheit, was zu einer nachweisbaren Verbesserung ihrer Lebensqualität führt“, so Hemmer.

Die Allergie-Impfung, wie diese Behandlung auch genannt wird, gewöhnt den Körper langfristig an das Insektengift und läuft in zwei Phasen ab: die Aufdosierungs- und die Erhaltungsphase. Hemmer: „Die Erhaltungsdosis wird mittels Schnellschema innerhalb weniger Tage erzielt. Da in kurzer Zeit hohe Mengen an Insektengift injiziert werden, ist aber ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich.“ Als Alternative zum Schnellschema steht die ambulante Methode zur Verfügung, mit der am besten vor der Flugsaison, also in der kalten und insektenfreien Jahreszeit, begonnen werden sollte. Dabei erfolgt die Dosis-Steigerung langsamer, etwa vier Monate lang, mit einer Injektion pro Woche. „Sobald die Erhaltungsdosis erreicht ist, wird diese Allergenmenge drei bis fünf Jahre lang alle vier bis maximal acht Wochen in den Oberarm gespritzt. So lange braucht das Immunsystem, um den Schutz langfristig zu sichern.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die spezifische Immuntherapie auch Kindern ab dem 5. Lebensjahr.

Über die Initiative Insektengift-Allergie

Um für die Gefährlichkeit einer Insektengiftallergie zu sensibilisieren und über die gute Behandelbarkeit zu informieren, rief das auf Diagnostik und Therapie allergischer Erkrankungen spezialisierte Pharmaunternehmen ALK-Abelló gemeinsam mit einem medizinischen Beirat – bestehend aus hochrangigen österreichischen, deutschen und Schweizer Allergie-Experten – die „Initiative Insektengift-Allergie“ ins Leben. Unter dem Motto „Sicher durch den Sommer“ erhalten Betroffene aus Österreich auf der Webseite www.initiative-insektengift.at umfassende Informationen über Warnzeichen, Vorbeugung, Behandlung und richtiges Verhalten im Notfall sowie Tipps und Hilfestellung.

Linktipps

– Impfung gegen Insektengiftallergie
– Allergien im Kindes- und Jugendalter
– Apitherapie – die Heilkraft der Bienen
– Was hilft gegen Gelsen?

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