Kapok – alte Naturfaser neu entdeckt

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Kapokbaum mit Pflanzenfaser

Schon mal von Kapok gehört? Nein? Dann wird’s aber höchste Zeit, weil der Kapokbaum – auch bekannt als Wollbaum – bzw. die aus ihm gewonnenen Fasern, feiern zu Recht ein Comeback. In der Textilindustrie nutzt man die Faser schon sehr lange. Mittlerweile kommt sie aber noch viel breiter zum Einsatz. Auf der Suche nach „neuen“ nachhaltigen Materialien ist nun ein regelrechter Hype um den anmutigen Baum entstanden. Zu Recht?

Kapok – Artikelübersicht:

Als Kapok oder auch Pflanzendaunen bezeichnet man die Fasern des Kapokbaumes. Die glatten, nahezu transparenten Fasern sind ca. 2 cm lang und verfügen über einen für Pflanzen verhältnismäßig großen Hohlraum. Damit eignen sie sich gut als Füll- und Dämmmaterial für Pölster, Decken und Matratzen, werden aber Dank neuer Technologien auch anderweitig in der Textilindustrie genutzt.

Kapok – was ist das?

Kapok wird aus dem Kapokbaum, lateinische Bezeichung „ceiba pendandra“, umgangsspachlich auch Wollbaum genannt, gewonnen. Der Kapokbaum selbst ist ein robustes Gewächs, das sich auf natürlichen Weg perfekt vor Angriffen durch Tiere oder Schädlinge schützt. Vor allem in seiner Jugendzeit ist er nämlich dicht bedeckt mit spitzen, kegelförmigen Stacheln.

Diese harten Dornen am Baumstamm halten natürliche Feinde ab und der Baum kann weitgehend ohne Insektenschutzmittel und Pestizide gedeihen bis die Früchte reif für die Verarbeitung sind.

Good to know: Ein solches naturschonendes Verfahren – also einfach warten, bis die Frucht reif ist – nennt man auch Naturernte.

In den getrockneten Früchten des Kapokbaums befinden sich dann die Schoten, die neben den Samen des Baumes auch eine flauschige, seidigweiche Faser enthalten, die die Samen schützt. Und genau diese Zellulosefaser hat einige tolle Eigenschaften, die mittlerweile vielfältig genutzt werden.

Wofür eignet sich die Kapokfaser?

Die Zellulosefaser dient als Rohmaterial, das auf viele Arten verwendet werden kann. Sie ist sehr weich, fühlt sich seidig an und kann zu Garn, Stoff und Füllungen verarbeitet werden.

Zudem überzeugt sie auch noch mit anderen Eigenschaften. So kann sie Schimmel und angeblich auch Milben vorbeugen und ist zudem ein guter Wärmespeicher – eigentlich recht gut vergleichbar mit Daunen, aber eben pflanzlich.

Die Kapokfaser wird als Pflanzendaunen in Matratzen, Kissen und Bettdecken als Füllung für Naturbettwaren eingesetzt. Man kennt und nutzt die Faser seit bereits über 100 Jahren. Beliebt auch für Polstermöbel findet sie ebenfalls Verwendung als Dämmstoff – zum Beispiel in Spielzeug und Stofftieren.

Vorteile & Nachteile von Kapok

Kapok ist ein ökologisch und ökonomisch ausgesprochen sinn- und wertvoller Rohstoff. Naturbelassen und zu 100% abbaubar ist Kapok eine tolle Alternative zu Baumwolle und Synthetik.

Baumwolle und andere Naturfasern sind nachhaltig – wenn überhaupt – nur sehr teuer produzierbar – und Naturernten sind kaum möglich. Acryl, Polyester, Nylon und Spandex, also erdölbasierter Kunstfasern, kommen auch immer mehr in Verruf. Kapok ist also in jeder Hinsicht eine Bereicherung für die nachhaltige Textilindustrie.

Kapokbaum in Vietnam

Kapokbaum in Vietnam

Kapok als Alternative zu Baumwolle?

Der einzige „Nachteil“ von Kapok ist, dass es keine 100-prozentige Kapoktextilien gibt, da die Faser dafür schlichtweg nicht geeignet ist. Die Kapok Faser kann allerdings verwebt werden und das Mischen mit anderen Materialien wie zum Beispiel Baumwolle ist eine mögliche Variante den Rohstoff zu nutzen.

So kann eine enorme Menge an Wasser gespart werden. Ein Beispiel: Für die Herstellung von vier T-Shirts benötigt man rund ein Kilogramm Baumwolle. Vermengt man die Baumwolle mit 30 Prozent Kapok spart man satte 3.000 Liter Wasser. Um sich das bildhaft vorzustellen: das sind 15 volle Badewannen!

Die Faser selbst kann übrigens erst seit 2006 gesponnen werden. Seitdem verbessert sich die Verarbeitungstechnologie laufend, was ein Hauptgrund für die Renaissance von Kapok ist. Heute werden immer mehr Kapokfasern in Mischgeweben verwendet.

Der preisgekrönte Kapok-Stoff eines Textilproduzenten wurde zudem 2015 aus fast 850 Stoffen als der innovativste und ökologischste ausgewählt. Das ist nicht nur für die Umwelt erfreulich – auch der Mensch freut sich, da sich der Tragekomfort der Stoffe verbessert, weil sie durch die Beimischung weicher werden und angenehmer zu tragen sind.

Warum Kapok keine Alternative für Allergiker ist

Eine „Wunderwaffe“ für Allergiker ist Kapok allerdings nicht. Die in Internetforen häufig vertretene Meinung, dass eine Matratze oder eine Bettdecke aus Kapok allergiegeplagten Menschen milbenfreie Nachtruhe und gesunden Schlaf ermöglicht, ist nämlich nicht richtig.

Es stimmt schlichtweg nicht, dass Kapok einen natürlichen Bitterstoff, der die Ansiedlung von Milben verhindere, enthält. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis – weder für die angeblich anti-allergische noch für die ebenfalls behauptete anti-bakterielle Wirkung.

Kritiker sagen zudem, dass Kapok auch bei der Verarbeitung nicht gänzlich unproblematisch sei, denn die Hohlfaser ist relativ kurz und bricht leicht. Bei der Produktion von Kapokvliesen wird daher das Tragen von Atemschutz-Masken empfohlen, um gesundheitlichen Schäden durch Feinstaubbelastung vorzubeugen.

Dennoch: Kapok ist eine gute Alternative zu Baumwolle und wir wollen den Rohstoff keinesfalls schlecht reden. Und die allerbeste Nachricht haben wir uns bis zum Schluß aufgehoben: Auch Nagetiere wie Meerschweinchen, Hamster und Mäuse lieben Kapokschoten als ungefährliches und gesundes Knabberspielzeug:-).

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Quellen:

¹ Kapok Info

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Fotohinweis: Bild von April Rodmyre auf Pixabay.com + Illustration public domain + WikiCommons by RuB (Ruddy BENEZET) under Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

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