Hämaturie (Blut im Harn) | Krankheitslexikon

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Harnprobe

Unter einer Hämaturie – von griech.: häm (Blut) und ouron (Harn) – wird das Vorkommen von roten Blutkörperchen oder Blut im Urin verstanden.

Hämaturie heißt, dass im Urin des Patienten Blut enthalten ist. Prinzipiell muss zwischen dem mit dem bloßen Auge im Urin feststellbaren Blut, der Makrohämaturie, und dem nur unter dem Mikroskop oder mit speziellen Tests feststellbaren Blut im Urin, der Mikrohämaturie, unterschieden werden. Beide Formen der Hämaturie können auftreten, wenn eine Blutungsquelle zum Beispiel eine entzündete Schleimhaut, ein die Schleimhaut reizender Harnstein im oberen oder unteren Harntrakt oder ein Tumor vorliegen. Die Hämaturie ist ein wichtiges urologisches Symptom.

Handelt es sich dabei um das einzige Symptom, wird von einer symptomlosen oder asymptomatischen, ansonsten von einer symptomatischen Hämaturie gesprochen. Ist das Blut schon mit freiem Auge als Rotfärbung des Urins sichtbar, wird von einer Makrohämaturie – als Gegensatz zur Mikrohämaturie – gesprochen. Letztere kann nur durch eine mikroskopische Beurteilung oder eine Untersuchung mittels Harnstreifen festgestellt werden. Mit der Ausnahme einer Hämaturie bei einem typischen akuten Harnwegsinfekt der jungen Frau sollten alle Formen der Hämaturie abgeklärt werden.

Ursachen

Bei der Hämaturie handelt es sich um das bedeutendste Leitsymptom im urologischen Fachgebiet. Es ist bei nahezu allen urologischen Krankheitsbildern von vordergründiger Bedeutung.

Folgende Ursachen für Blutungen im Harntrakt kommen in Betracht:

  • Entzündung: Entzündungen gehen mit einer Veränderung der Schleimhautdurchblutung einher. Durch die Gefäßweitstellung verlassen rote Blutkörperchen das Gefäßlumen, treten in den Urin über und sind dort mikroskopisch und laborchemisch nachweisbar.
  • Harnstein: Steine im Harntrakt führen zu einer mechanischen Beanspruchung der Schleimhaut. Verletzungen und entzündliche Reaktionen sind die Ursachen für den Nachweis von roten Blutkörperchen im Urin.
  • Verletzungen: Verletzungen von Organen des Harntrakts sind immer mit der Eröffnung von Blutgefäßen vergesellschaftet.
  • Tumor: Geschwulsterkrankungen (Tumoren), insbesondere bösartige, haben eine eigene Gefäßversorgung. Der Aufbau dieser Gefäße ist sehr einfach und so kommt es relativ schnell zu Gefäßwanddefekten mit Blutungen. Das Einwachsen bösartiger Tumoren in die Schleimhaut des Harntrakts kann ebenfalls zu Blutungen führen.

Plötzlich auftretende (akute) und länger andauernde (chronische) Entzündungen, Steinerkrankungen, gut- und bösartige Gewächse (Tumoren) und Verletzungen bedingen eine mehr oder weniger ausgeprägte Hämaturie.

Bei etwa 10% aller Hämaturien findet man keine Ursache. Das hat auch damit zu tun, dass es nicht immer Sinn macht, weitere Untersuchungen durchzuführen. So lassen sich manche leichte Nierenerkrankungen, die die Ursache einer glomerulären Hämaturie sein könnten, nur nach einer Entnahme von Nierengewebe eindeutig nachweisen. Wenn aber ansonsten keine Beschwerden (z.B. erhöhter Blutdruck, Lidschwellungen) auftreten, das Eiweiß im Harn nicht wesentlich erhöht ist und auch die Nierenwerte (Kreatinin, Kreatininclearance) im Blut normal sind, dann wird man sich nur schwer zur Entnahme einer Probe aus der Niere entschließen können. .

Die wichtigsten Krankheitsursachen einer Hämaturie

  • Verletzungen
    Nieren-, Harnleiter-, Blasenverletzungen, Harnröhrenabriss
  • Entzündungen
    Nierenbeckenentzündung, Harnröhren-, Prostata-, Nebenhoden-, Blasenentzündung
  • Steinerkrankungen
    Nierensteine, Harnleiterstein, Geschwulste, Nierenbecken-, Harnleitertumor, Nierentumor, Harnblasentumor, Prostatatumor

Diagnose

Die Abklärung der Hämaturie erfolgt systematisch und stufenweise durch Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), klinische Untersuchung des Patienten, Labordiagnostik (Untersuchung von Blut und Urin), Einsatz bildgebender Untersuchungsmethoden (Ultraschall, Röntgen, Blasen- und Harnleiterspiegelung).

Therapie

Da die Hämaturie keine Krankheit, sondern ein Krankheitszeichen ist, bedarf nicht die Hämaturie, sondern die Ursache der Hämaturie einer ärztlichen Behandlung. Unterschiedliche Behandlungsverfahren können durchgeführt werden – anbei ein kleiner Überblick:

Kausale Therapie je nach Blutungsursache

  • Zystitis haemorrhagica: Trimethoprimpräparate oder Gyrasehemmer
  • Steinleiden
  • Glomerulonephritis
  • Bilharziose
  • Nierentuberkulose
  • Angiitis (arterielle Durchblutungsstörungen)
  • Harnblasentumoren
  • Prostatahypertrophie (häufige Ursache einer Mikrohämaturie bei älteren Männern)

Die Symptomatische Behandlung beschränkt sich auf

  • Reichliche Flüssigkeitszufuhr, notfalls mit Infusionen
  • Hämostatika (systemisch) bei nachgewiesener Blutgerinnungsstörung (z.B. Vitamin K1 bei Cumarin-Überdosierung)
  • Blasenspülung mit isotonen Lösungen: 0,9% NaCl-Lösung, 5% Glukose zur Verhinderung einer Blasentamponade
  • Spasmoanalgetika bei Schmerzen

Linktipps

– Nieren- und Harnsteine
– Blut im Harn – umfangreicher Überblick
– Blasenentzündung / Zystis / Blasenkatarrh
– Blutbild, Blutbefund, Blutwerte

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