Brennnessel | Heilpflanzenlexikon

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Brennnessel, Donnernessel, Heilpflanzen

Die (große) Brennnessel ist aufgrund ihrer Brennwirkung auf der Haut fast jedem wohl schon seit seiner Kindheit bekannt. Früher sagte man, dass in der Brennnessel aufgrund des Brennens auf der Haut ein dämonisches Wesen sitze. Am Johannistag aß man Brennnesselpfannkuchen, um gegen Nixen- und Elfenzauber immun zu sein. Zu Neujahr gab es Brennnesselkuchen.

Bis ins 18. Jahrhundert war die Brennnessel wegen ihrer Bastfasern eine wichtige Faserpflanze, geeignet für feste Stoffe, Netze oder Stricke. Aufgrund ihrer mangelnden industriellen Verarbeitbarkeit geriet sie allerdings in Vergessenheit. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde sie wiederentdeckt und wird heute wieder zur Herstellung von Textilien verwendet.

Als Heilpflanze ist die Brennnessel vor allem aufgrund ihrer stark entwässernden Wirkung auf unseren Körper erwähnenswert.

Da sie meistens in Gruppen und auf bearbeiteten Böden wächst, ist sie häufig ein Kulturfolger. Sie wird ca. 60 cm – 150 cm hoch. Die große Brennnessel ist eine zweihäusige Pflanze, d. h. eine Pflanze besitzt entweder weibliche oder männliche Blüten. Die Brennnessel ist eine mehrjährige Pflanze und blüht von Juli bis September. Die Blüten sind unscheinbar und grünlich. Ihre Blätter weisen kieselsäurehältige Brennhaare auf, welche das bekannte Brennen auf der Haut verursachen.

Kenndaten

  • Wissenschaftlicher Name: Brennnessel (Urtica dioica)
  • Familie: Brennnesselgewächse = Urticaceae
  • Wuchshöhe: bis zu 150 cm
  • Farbe der Blüten: grünlich
  • Sammelzeit: Frühjahr bis Herbst
  • Vorkommen: weltweit
  • Standorte: Gärten, Ödland
  • verwendete Pflanzenteile: Kraut, Samen, Wurzeln

Synonyme

Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln, Haarnessel, Hanfnessel, Nessel, Saunessel, Senznessel, Sengnessel, Tausendnessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl, Zingel

Wirksame Inhaltsstoffe

Beta-Sistosterin, Flavonoide (Querzetin), Gerbstoffe, Glukokinin, Histamine, Karotinoide, Kumarine (Skopoletin), Mineralstoffe (Kalium, Silizium, Kieselsäure), Nesselgift, Neurotransmitter (Acetylcholin, Serotonin), Eisen, Vitamin B und C

Heilwirkung und Anwendungsgebiete

Die Brennnessel wirkt harntreibend und blutreinigend und findet auf folgenden Gebieten Anwendung:

  • Allergien
  • Arthritis
  • Blasenschwäche
  • Bluthochdruck
  • Durchfall
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Gicht
  • Harnwegserkrankungen
  • Magenschwäche
  • Menstrationsbeschwerden
  • Nierenschwäche
  • Prostataleiden
  • Rheuma
  • Schuppen
  • Verstopfung

Darüber hinaus gilt die Brennnessel als appetitanregend, blutstillend, blutzuckersenkend, entgiftend, milchbildend, schleimlösend und stoffwechselanregend. Sie fördert die Blutbildung und den Haarwuchs, stimuliert die Verdauungsdrüsen und wirkt auch gegen Blattläuse.

Dosierung und Anwendung

Die Brennnessel wird zur Herstellung von Tees und Tinkturen verwendet. Auch zur Herstellung eines Gesichtsdampfbades gegen unreine Haut kann man sie einsetzen.

Tee:

2 TL Blätter mit ¼ Liter heißem Wasser übergießen, 7 Min. ziehen lassen und abseihen. Zur Entwässerung bzw. Entschlackung 4 Wochen lang täglich mehrere Tassen trinken.

Bei Prostataleiden nimmt man 1 TL Wurzel und übergießt diese mit ¼ Liter kaltem Wasser, kurz aufkochen lassen, nach 10 Min. abseihen. Davon täglich 2 Tassen trinken.

Tinktur:

20 g getrocknetes Kraut in ¼ Liter 70 %-igem Alkohol in einer dunklen Flasche 10 Tage lang ziehen lassen, abseihen und kühl und dunkel aufbewahren.

Gegen Blasenschwäche, Frühjahrsmüdigkeit oder Harnwegsentzündungen 3 – 4 x täglich je 25 Tropfen verdünnt einnehmen. Gegen Schuppen und glanzloses, sprödes Haar Tinktur in die Kopfhaut einmassieren.

Gesichtsdampfbad gegen unreine Haut:

5 EL Blätter mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen. Die aufsteigenden Dämpfe für 10 Minuten auf das Gesicht wirken lassen.

Warnhinweise

  • Bei innerlicher Anwendung von älteren Pflanzen kann es zu Magenreizung und Nierenschädigung kommen.
  • Nicht anwenden bei Ödemen bzw. Wasseransammlungen im Körper, die durch Herzschwäche oder eingeschränkte Nierentätigkeit hervorgerufen werden.
  • Bei Einnahme von Brennnesseln auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Wichtiger Hinweis: Allfällige in diesem Artikel angeführte mögliche Heilwirkungen von Pflanzen und Zubereitungen sind nicht als ärztliche Handlungsempfehlungen zu verstehen und ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

Linktipps

– Brennessel: Heilpflanze und nicht Unkraut
– Gesunder Löwenzahn
– Die Kraft der Kräuter nutzen
– Wildpflanzen & Blüten – gesund durch Bitterstoffe

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