Wie gut sind Gleitsicht-Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit?

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Wie gut sind Gleitsicht-Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit?

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Wenn die Arme beim Lesen immer weiter nach hinten wandern, dann deutet das auf den Beginn der Alterssichtigkeit hin, die auch als Presbyopie bezeichnet wird.

Bisher war in diesem Fall die Anschaffung einer Lesebrille das Mittel der Wahl. Seit einiger Zeit gibt es allerdings eine sehr interessante Alternative zur Behandlung von Altersweitsicht, die sogenannten Gleitsicht-Kontaktlinsen.

Gleitsicht-Kontaktlinsen – Artikelübersicht:

Diese auch als Multifokale-Kontaktlinsen bekannten Hilfsmittel sind nicht nur für Menschen mit bereits vorhandener Fehlsichtigkeit interessant, auch all jene, die das leidige Aufbewahrungs- und Verfügungsproblem von Lesebrillen kennen, schätzen diese neuen Möglichkeiten.

Hat man sich für das neue System entschlossen, bleibt allerdings noch die Frage: Tages-, Wochen- oder Monats-Kontaktlinsen? Auch hierzu haben wir die wichtigsten Infos & Tipps zusammengefasst.

Wie funktionieren multifokale Kontaktlinsen?

Multifokale Kontaktlinsen ermöglichen eine scharfe Sicht sowohl auf Nahe als auch weite Entfernungen.

Der Name gibt bei multifokalen Kontaktlinsen bereits einen Hinweis auf deren Besonderheit, denn diese Kontaktlinsen verfügen über einen Multi-Fokus, der mehrere Sehstärken vereint. Die verschiedenen Sehstärken sind dabei ringförmig auf der Linse angeordnet, sodass Objekte auf jede Entfernung scharf gesehen werden.

Für wen sind Gleitsicht-Kontaktlinsen geeignet?

Die erhältlichen Gleitsicht-Kontaktlinsen eignen sich bei Alterssichtigkeit (Presbyopie) vor allem bei einer bereits vorhandenen Kurz- oder Weitsichtigkeit. Sie ersparen es Brillen, wie auch Kontaktlinsenträgern zusätzliche Lesebrillen für die Nahsicht.

Doch auch Menschen, die bislang keine Brille getragen haben, können von multifokalen Kontaktlinsen profitieren. Denn diese ermöglichen eine klare Sicht auf weit entfernte, mittlere und kurze Distanz.

Allerdings kann für bestimmte Tätigkeiten wie Handarbeiten, Modellbau oder zum Lesen eine zusätzliche Lesebrille erforderlich sein, denn die gleitenden Übergänge der Sehstärken sind in den Zwischenbereichen natürlich ein Kompromiss.

Trotzdem zeigt sich auch der Tester unserer Redaktion, der seit vielen Jahren stark kurzsichtig (+ 6.5 Dioptrien auf beiden Augen mit Kontaktlinsen) ist, ziemlich begeistert. Nach einem doch recht langwierigen aber umso gewissenhafteren Anpassungsprozess beim Optiker des Vertrauens, wurde ein Modell gewählt, dass den Träger selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen bei der Nahsicht nicht im Stich gelassen hat.

Seine Ängste und Bedenken über etwaige Beschwerdfen wie Schwindel oder Kopfschmerzen aufgrund der Gleitsichtzonen, haben sich als völlig haltlos herausgestellt.

Unterschied zwischen bifokalen und multifokalen Kontaktlinsen

Multifokale Kontaktlinsen können mehr als zwei Dioptrie-Bereiche besitzen, wobei der Übergang häufig stufenlos erfolgt, damit auf jede Entfernung eine klare Sicht gewährleistet ist. Dagegen sind genau zwei unterschiedlich starke Korrekturzonen mit bifokalen Kontaktlinsen möglich.

Wie mit einer Bifokalbrille erfolgt der Übergang auch bei bifokalen Kontaktlinsen immer abrupt, weshalb das scharfe Sehen auf mittlere Entfernung schwer bis gar nicht möglich ist.

Probleme mit dem Lidschluss bei multifokalen Linsen?

Aufgrund der Dicke von multifokalen Linsen kann es mitunter vorkommen, dass Betroffene ein Problem damit haben, ihre Augenlider zu schließen. In diesem Fall hilft lediglich eine Anpassung der Linsen oder der Umstieg auf eine Gleitsichtbrille.

Tages-, Wochen- oder Monats-Kontaktlinsen?

Multifokale Kontaktlinsen, die auch als Multifokallinsen bezeichnet werden, sind ebenso wie bifokale Kontaktlinsen in Form von Tages-, Wochen- oder Monats-Kontaktlinsen erhältlich. Diese werden sowohl für kurzsichtige als auch für weitsichtige Personen angeboten und können für Menschen mit einer Hornhautverkrümmung zudem auch individuell angefertigt werden.

Kontaktlinsen können Sie sowohl bei einem Optiker als auch bei einem Augenarzt erhalten, und diese können bei Bedarf sogar speziell auf Ihre Bedürfnisse hin angefertigt werden.

Grundsätzlich sollen sich die Systeme nach dem Tragekomfort unterscheiden. Tageslinsen sind dünner als Wochenlinsen und diese sind dünner als Monatslinsen. Doch bei unserem tester hat sich der vermeintliche Vorteil in einen Nachteil verwandelt: die Tageslinsen tendierten dazu hinter den Augapfel zu verrutschen und waren nur unter großen Mühen wieder aus dem Auge zu bekommen. Oder, sie waren schwer zu fassen, wenn man einmal damit eingeschlafen ist.

Hingegen konnte auch bei Monatslinsen kein spürbarer Unterschied hinsichtlich Tragekomfort fesgestellt werden, zudem sind diese üblicherweise auch etwas günstiger. Letzteres wird allerdings durch die Kosten für Reinigungs- und Aufbewahrungslöungen wieder kompensiert.

Die Empfehlung lautet daher: im Zweifelsfall für die Monatslinsen, denn diese sparen Verpackung und sind durchaus “etwas robuster”, wie es unsere Testperson bezeichnete.

Wie lange dauert es, bis sich Auge und Gehirn an die multifokalen Kontaktlinsen gewöhnt haben?

Gewohnheitssache: es ist ganz normal, dass sich die Augen und das Gehirn zunächst eine Weile brauchen, um sich an die Kontaktlinsen zu gewöhnen. Während der Eingewöhnungsphase kann es unter anderem zu einem Fremdkörpergefühl oder Schwindelgefühlen kommen.

Damit die Augen nicht überlastet werden, sollten die Kontaktlinsen am Anfang nur für wenige Stunden getragen werden, um die Tragezeit auf Dauer immer weiter zu steigern.

Auf diese Weise verschafft man den Augen immer mal wieder eine kleine Pause und kann seine multifokalen Kontaktlinsen schon bald mehrere Stunden am Tag und auf Dauer sogar mehrere Tage am Stück tragen, zumindest sofern Sie sich für Tag- und Nachtlinsen entscheiden.

Letztgenannte sollen hinsichtlich Komfort das Maß aller Dinge darstellen, unser Tester blieb aber skeptisch und bevorzugte es, die Linsen vor dem Schlafengehen aus den Augen zu nehmen.

So bemerkt man Alterssichtigkeit

Alterssichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) äußert sich zumeist, indem das Sehen auf kurze oder weite Entfernung als anstrengend empfunden wird. Dadurch halten Menschen, die unter Alterssichtigkeit leiden, Bücher und andere Dokumente mit der Zeit unbewusst immer weiter weg oder näher vor das Gesicht, um diese zu lesen.

Nicht selten verlieren deswegen viele Menschen nach und nach die Lust am Lesen oder anderen Tätigkeiten wie Basteln oder Handarbeiten, da die Sicht mit der Zeit immer unschärfer wird.

Dies entsteht durch einen Verlust an Flexibilität der Augenlinse, was zur Folge hat, dass diese sich nicht mehr wölbt, sobald der Ziliarmuskel angespannt wird.

Stattdessen behält die Augenlinse ihre flache Form, wodurch Objekte nicht mehr scharf gesehen werden, was ein ganz natürlicher Vorgang und völlig normal bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr ist.

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Quellen:

¹ Mehrstärkenlinsen, bifokale Kontaktlinsen, multifokale Kontaktlinsen im Überblick
² Kontaktlinsenratgeber des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)

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