Nachtfahrbrillen – nützlich oder gefährlich?

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Nachtfahrbrillen

Immer wieder wird für Brillen geworben, die das Sehvermögen bei ungünstigen Sichtverhältnissen, zum Beispiel bei Nacht, mit Hilfe von Filtergläsern deutlich verbessern sollen. Brillen mit gelbgefärbten Gläsern, wie sie auch unter Skifahrern beliebt sind, werden bisweilen als sehverbessernd bei schlechten Lichtverhältnissen angeboten.

Trügerisch an dieser Brille ist, dass die gelben Gläser subjektiv den Kontrast in der Wahrnehmung durch die Reduktion des blauen Lichtanteils zu verschärfen scheinen, indem die Umwelt heller erscheint. Diese Aufhellung findet sich jedoch nur in der subjektiven Wahrnehmung und verbessert die Erkennbarkeit von Objekten bei schlechten Beleuchtungsbedingungen nicht. Damit besteht eine Diskrepanz zwischen dem subjektiven Eindruck und den wirklich vorhandenen Sehverhältnissen. Das kann dazu führen, dass Kraftfahrer, die unter ungünstigen Beleuchtungsumständen eine Brille mit solchen Filtern verwenden zu einer Fahrweise verleitet werden, die nicht an die objektiven Verkehrsbedingungen angepasst ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls bei Dämmerung oder bei Nacht nimmt somit zu.

Die Untersuchung: Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, wurden die beiden qualitativ hochwertigen, unterschiedlich stark getönten Gelbfilterbrillen gegen eine Klarglasbrille getestet. Die Untersuchung wurde in einem abgedunkelten Raum vorgenommen. Dem Arzt wurden die Brillen in einem verschlossenen Behälter gereicht, so dass nicht mehr festgestellt werden konnte in welcher Reihenfolge die Gläser geprüft wurden. Mit jeder Brille absolvierte der Proband einen Sehtest mit und ohne Blendung am Mesoptometer, einem Spezialgerät zur Messung des Kontrastsehens bei Dämmerung oder Dunkelheit. Es wurden sowohl normalsichtige als auch Personen mit eingeschränktem Sehvermögen untersucht.

Die wichtigste Anforderung in den Normen für die Nachtfahrtauglichkeit ist die Gesamttransmission des Filters. Hier verlangt die DIN-Norm einen Lichttransmissionsgrad von mindestens 75 Prozent. Eine bekannte und beworbene Markenbrille brachte es jedoch lediglich auf 61,1 Prozent. Des Weiteren ist auf dem Etikett der besagten Brille zu lesen, dass die gefährlichen ultravioletten Strahlen von den Gläsern herausgefiltert würden. Im Transmissionsspektrum der Nachtfahrbrille ist allerdings deutlich zu erkennen, dass die Gläser im kurzwelligen UV-Bereich eine erhöhte Durchlässigkeit aufweisen. Erlaubt sind 6,1 Prozent. Diese Nachtfahrbrille übersteigt diesen Wert jedoch um das Dreifache. Die Auszeichnung mit dem CE-Prüfzeichen ist daher nicht gerechtfertigt.

Das Institut für Augenoptik rät daher davon ab, die Brille bei schlechter Beleuchtung, insbesondere in der Dämmerung und bei Nacht, zu verwenden. Grundsätzlich sei vorher ein Beratungsgespräch mit dem Augenoptiker zu suchen, mahnt Dr. Helmut Wilhelm, Oberarzt in der Tübinger Augenklinik, „er kann prüfen, ob eine (neue) Brille nötig ist, oder ob eine Störung vorliegt, die das Nachtsehen beeinträchtigt.“

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