Was sind Neophyten?

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Neophyten: nicht heimische Pflanzen

Der Begriff „Neophyten“ taucht in den letzten Jahren immer häufiger in den Medien auf. Meist mit gefährlichem, ja drohendem Unterton. Doch was sind Neophyten überhaupt? Muss man sich wirklich sorgen, und was kann die Ausbreitung dieser gebietsfremden Pflanzen bedeuten? Sind Neophyten, diese durch menschlichen Einfluss, direkt oder indirekt eingeführten, nicht heimischen Pflanzen, tatsächlich eine Bedrohung für die hiesige Flora und Fauna?

Neophyten heißt aus dem Griechischen übersetzt „neue Pflanzen“. Doch der Begriff hat einen negativen Beigeschmack. Dies rührt daher, dass ein gewisser Prozentsatz dieser ‚neuen Pflanzen’ verwildert und heimische Arten verdrängt. Zur Abgrenzung von den „unproblematischen Neophyten “ nennt man diese Form „invasive Neophyten“.

Was sind Neophyten?

Neophyten sind gebietsfremde, also nicht heimische Pflanzen. Es gibt sie, seit der Mensch die Welt betreten hat. Bereits die nomadischen Völker haben zu einer Verbreitung nicht heimischer Pflanzen beigetragen, die Eroberer seit der Antike sowieso und nach der Entdeckung Amerikas begann der Siegeszug der Neophyten dann endgültig im ganz großen Stil.

Zunächst waren gebietsfremde Pflanzen aber keine Bedrohung sondern eine große Bereicherung – nicht zuletzt für die Landwirtschaft und in weiterer Folge den Speiseplan. Wer denkt denn heute noch daran, dass auch Erdäpfel und Mais eigentlich Neophyten sind? Ursprünglich in Nordamerika beheimatet haben diese Getreide, die mittlerweile zu den Grundnahrungsmitteln zählen, rasch ihren europaweiten Siegeszug angetreten.

Neben den mittlerweile kultivierten Pflanzen gibt es aber auch noch eine gefährliche Untergruppe der Neophyten, die „invasive Pflanzen“. Diese meist sehr robusten Pflanzenarten fühlen sich in unsrem Klima wohl. Sie sind widerstandsfähig, breiten sich rasch aus und haben das Potential manch heimische Pflanze zu verdrängen. Invasive Pflanzen stellen somit eine Gefahr für die einheimische Pflanzenwelt dar.

Muss man invasive Arten bekämpfen?

Heute zählt man in Europa rund 7 000 Neophyten. Experten meinen, dass von rund 1000 eingeschleppten Arten 100 verwildern. 1% davon, also letztlich ein Promille der eingeschleppten Pflanzen kann dann tatsächlich zu einer Gefahr für die heimische Flora werden.

Ihre besondere Ausdauer und Anpassungsfähigkeit macht die invasiven Neophyten so gefährlich. Sie sind widerstandsfähig gegen Hitze und Kälte und sie überstehen meist auch extreme Trocken- noch Nassphasen.

Einige dieser Arten scheinen langfristig auch die Fähigkeit zu entwickeln, sich zu Monokulturen zu entwickeln. Das birgt die Gefahr in sich, dass nicht nur einheimische Pflanzen ihren angestammten Lebensraum an diese Neophyten verlieren, sondern dass auch die Tierwelt aus ihrem Lebensraum gedrängt wird.

Auch hinsichtlich Hochwasser- und Gewässerschutz können Neophyten gefährlich werden. Tiefe oder sehr weit verzweigte Verwurzelungen mancher invasiven Arten können die Stabilität von Uferböschungen und unmittelbar angrenzenden Bauwerken erheblich beinträchtigen, und auch Fischbestände gefährden.

Insofern sind invasive Neophyten gefährlich und gehören bekämpft. Und das geschieht auch. Eine Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik hat die Kosten für die Bekämpfung der invasiven Neophyten bereits 2012 auf rund mindestens EUR 12 Mrd. geschätzt.

Exkurs: Andererseits sind invasive Neophyten aus wissenschaftlicher Sicht extrem interessant. Gerade ihr aggressives Verhalten, das rasche Ausbreiten und ihre Widerstandsfähigkeit gegen diverse Bekämpfungsmaßnahmen machen sie für die Forschung extrem wertvoll.

Gefährliche Neophyten

Im Sommer 2016 wurde erstmals im Amtsblatt der Europäischen Union eine Liste invasiver gebietsfremder Arten veröffentlicht. Diese gemäß der Verordnung Nr. 1143/2014 erstellte Liste enthält 37 invasive Tier- und Pflanzenarten, von denen 13 auch in Österreich vorkommen.

Man unterscheidet zwischen invasiven Neophyten, die eine Gefahr für naturnahe Lebensräume darstellen und invasiven Neophyten, die bedeutende wirtschaftliche Schäden verursachen, wobei es zum Teil zu Überschneidungen kommt.

Daneben gibt es auch eine giftige sowie eine stark allergieauslösende neophytische Pflanze. Wer immer in der Neophytenbekämpfung aktiv ist, sollte zumindest diese beiden Pflanzen kennen: Es handelt sich um Riesen-Bärenklau und Ragweed.

Der Riesenbärenklau ist phototoxisch und löst bei Hautkontakt massive Reaktionen, ähnlich einer Verbrennung aus. Die Stärke der Hautschädigung ist dabei von der Intensität der Sonneneinstrahlung abhängig. Die Blasen bildenden Entzündungen jucken sehr stark, sind schmerzhaft und entsprechen Verbrennungen dritten Grades. Entsprechend lang braucht der Heilungsprozess und oft bleiben Narben zurück.

Ragweed, auch als beifuß(blättriges) Traubenkraut bekannt, ist aus einem anderen Grund berüchtigt: Ragweed Pollen gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern und empfindliche Personen reagieren bereits ab 6-10 Pollen pro m³ Luft (zum Vergleich: bei Gräserpollen führen erst 50 Pollen pro m³ zu allergischen Reaktionen)

Bei allen anderen Neophyten sind bis dato keine nennenswerten Gefährdungen bekannt. Das Augenmerk liegt vielmehr in erster Linie bei der Verhinderung einer weiteren Ausbreitung um die heimische Fauna und Flora zu schützen.

Natur in Wandel

Neben den Neophyten gibt es auch noch die Archäophyten, doch über diese wird so gut wie gar nicht gesprochen. Es handelt sich um ‚alteingebürgerte Arten‘, die der Mensch bereits im Zuge seiner Sesshaftwerdung zum Ende der Jungsteinzeit ‚verschleppt‘ hat.

Durch Rodungs- und Siedlungstätigkeiten, Ackerbau und Viehzucht wurde die Verbreitung der Archäophyten beschleunigt. Die Natur war also immer schon im Wandel und das nicht erst seit der Mensch den Planeten erobert hat. Warum also die Aufregung?

Tatsache ist: Änderungen in der Vegetationszusammensetzung hat es immer schon gegeben, bisher aber in längeren Zeiträumen. Die stetig zunehmende Mobilität sowie die weltweiten Handelsströme beschleunigen diese Prozesse nun allerdings exponentiell.

Je kürzer die Zeiträume in denen Organismen um die ganze Welt transportiert werden, desto rascher schreiten Veränderungen voran. Ob sich der Mensch diesem von ihm selbst verursachten Wandel rasch genug anpassen kann, ist allerdings eine Frage auf die es noch keine klare Antwort gibt.
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Quellen:

¹ Österreichische Gartengesellschaft. Umgang mit Neophyten
² Invasive Neophyten: Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen
³ Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus: EU Verordnung invasive gebietsfremde Arten

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