Private Krankenversicherungen in Österreich im Überblick

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (12 Bewertungen, Durchschnitt: 4,25 Sterne von 5)

Private Krankenversicherungen in Österreich

In Österreich deckt die gesetzliche Krankenkasse die Grundversorgung der Gesundheitsleistungen ab. Die Leistungen und Prämien sind bei allen gesetzlichen Kassen gleich, wodurch es bei den Kassen zu keinem Wettbewerb kommt. Jedoch können gesetzlich Versicherte durch den Abschluss einer Zusatzversicherung ihre Leistungen erweitern.

Private Krankenversicherungen in Österreich – Artikelübersicht:

Die Unterschiede zur gesetzlichen Krankenkasse in Österreich

Die Unterschiede bzw. die zusätzlichen Leistungen einer privaten Krankenversicherung gegenüber der gesetzlichen Pflichtversicherung sind nicht ganz unbedeutend und signifikant in einigen Bereichen. Hier sind nur ein paar Beispiele aufgelistet:

Gesetzliche PflichtversicherungPrivate Zusatzversicherung
Beiträgeabhängig von Höhe des EinkommensPrämie abhängig von Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand – keine Alterszuschläge (je jünger, desto günstiger)
AufnahmeKann jeden Antragsteller ablehnenRisikoprüfung anhand Gesundheitsprüfung
Leistungen im KrankenhausÜbernahme von Spitalkosten in der allg. Gebührenklasse von öffentlichen Krankenhäusern in Österreich bzw. in Vertragsstaaten
Selbstkostenanteil 8,00 € /Tag
Europadeckungsgarantie in der Sonderklasse eines allgemein öffentl. Krankenhauses in Europa, Privatkliniken und Sanatorien laut Vertragsverzeichnis
Weltdeckung: bei operativen Fällen, in denen der medizinische Standard in Österreich nicht ausreicht, werden Kosten weltweit übernommenohne Selbstkostenanteil
ArztBehandlung erfolgt einfach, zweckmäßig und darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten

E-Card-Gebühr von ca. EUR 10,85 bei Vertragsärzten, weit höherer Selbstbehalt bei Wahlärzten (Ärzte ohne Kassenvertrag).

100 % Kostendeckung von Arzt- und Facharzthonoraren bei einer Kostenbeteiligung der gesetzlichen Krankenversicherung,

wenn die gesetzliche Versicherung keine Leistung übernimmt, bezahlt die private Krankenversicherung 80 % des Rechnungsbetrages

Wozu braucht man eine private Krankenversicherung?

In Österreich braucht man überhaupt keine private Krankenversicherung, da eben eine gesetzliche Versicherungspflicht mit klar definierten Leistungen für alle Österreicherinnen und Österreicher besteht. Diese gesetzliche Krankenversicherung garantiert die erforderliche medizinische Behandlung und ist essentieller Bestandteil des österreichischen Gesundheits- und Sozialsystems.

Dem Versicherten werden also die Kosten (voll oder teilweise) für die Behandlung bei Erkrankungen, bei Mutterschaft und oft auch nach Unfällen erstattet. Dazu zählen neben der Krankenbehandlung (ärztliche Hilfe, Heilmittel und Heilbehelfe und Leistungen, wie z.B. Psychotherapie, Physiotherapie usw.) u.a. die medizinische Hauskrankenpflege, Zahnbehandlung, Zahnersatz und kieferorthopädische Behandlungen, sowie medizinische Maßnahmen der Rehabilitation.

Dennoch kann eine private Zusatzversicherung sinnvoll sein, nämlich dann, wenn man Zusatzleistungen, die über das gesetzlich geregelte Angebot hinausgehen, in Anspruch nehmen möchte. Dazu zählen etwa die Kostenübernahme für ein Einbettzimmer im Krankenhaus, ein schneller Behandlungstermin bei einem Wahlarzt oder spezielle Angebote zur Gesundheitsprävention.

Auf einen Blick: Zu den wichtigsten Leistungen der privaten Krankenversicherung zählen das Krankentagegeld (für Selbständige), Leistungen für Zahnbehandlungen und Zahnersatz, sowie umfangreiche ambulante und stationäre Leistungen, wie die sogenannte Chefarztbehandlung. Auch komplementärmedizinische Behandlungen, wie etwa die Akupunktur, werden zumeist nur über die private Krankenversicherung bezahlt.

Eine private Krankenversicherung soll dem Versicherten also mehr Komfort bieten, ob der finanzielle Aufwand dafür in einem Land wie Österreich mit seinem überdurchschnittlichen Gesundheitssystem tatsächlich gerechtfertigt ist, muss jeder individuell entscheiden.

Arten der privaten Krankenversicherung in Österreich

Zusätzlich zur gesetzlichen Pflichtversicherung kann jeder Österreicher im Zuge der gesundheitlichen Vorsorge diverse Zusatzkrankenversicherungen abschließen. Dabei entscheiden sich die Menschen in Österreich häufig für die sogenannte Sonderklassenversicherung. In ihr sind ausschließlich Leistungen für die stationäre Behandlung enthalten.

Daneben stehen weitere Zusatzversicherungen und ambulante Tarife zur Auswahl:

• Private Pflegeversicherungen
• Auslandsreise – Krankenversicherungen
• Begleitkostenversicherungen
• Tagegeldversicherungen
• Heilpraktiker- und Homöopathen-Versicherungen

Was passiert im Pflegefall?

Angesichts der Tatsache, dass wir immer älter werden, beschäftige sich viele Menschen mit den Leistungen der Pflegeversicherung und was sie zu erwarten haben, wenn ein Pflegefall eintritt. Dabei ist die Beurteilung des Pflegebedarfs von großer Bedeutung.

Mit ihr findet eine Einteilung in 7 Pflegestufen statt, welche festlegt, welcher Pflegeumfang einem kranken Menschen zusteht. Die gezahlten Leistungen aus der Pflegekasse reichen in den seltensten Fällen aus, um den kompletten Bedarf abzudecken, sodass es wichtig ist, sich rechtzeitig über eine zusätzliche Pflegeversicherung Gedanken zu machen. Nur so können die nicht unbedeutenden finanziellen Lücken gefüllt werden.

Woran ist noch zu denken bei der finanziellen Absicherung im Krankheitsfall?

Da die gesetzliche Unfallversicherung lediglich im Falle eines Arbeitsunfalls Zahlungen leistet, die meisten Menschen jedoch zu 90 Prozent aufgrund eines privaten Unfalls eine Berufsunfähigkeit erleiden, ist eine private Unfallversicherung besonders wichtig.

Gerade für Berufseinsteiger lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie starten hier mit günstigen Tarifen, haben meist keine Probleme mit den Gesundheitsfragen und erhalten zusätzlich die Möglichkeit Kapital aufzubauen. Tritt die Berufsunfähigkeit ein, wird je nach Tarif eine vertraglich festgelegte Rente für eine bestimmte Anzahl an Jahren ausbezahlt.

Bei einem längeren Auslandsaufenthalt ist eine Auslandskrankenversicherung ein unbedingtes Muss. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass im Vertrag festgehalten wird, wie lange die Versicherung dauern soll und welche Heilbehandlungen gewünscht werden.

Ausgeschlossen werden sollten Leistungen, welche die gesetzliche Krankenkasse bereits beinhaltet, oder die durch andere Dienstleister (z.B. Kreditkartenunternehmen) bereits abgedeckt sind.

Als Beispiel gilt Kostenübernahme der Ärzteflugambulanz – diese ist zumindest innerhalb Europas oft durch Kreditkartenverträge mit großen Anbietern wie VISA (CARD COMPLETE), MASTERCARD, DINERS usw. bereits abgedeckt. Zur Vermeidung von Doppelversicherungen lohnt daher ein genauer Blick auf die Konditionen einer zusätzlichen Auslandskrankenversicherung.

Weitere Zusatzversicherungen

Wer eine längere oder kostenintensive Reise plant, sollte auch das Geld für eine Reiseversicherung mit Krankenversicherung investieren. Diese bietet viele Vorteile für einen geringen Betrag und deckt unter anderem Leistungen ab, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht oder nur teilweise übernommen werden.

Das Gleiche gilt für junge Menschen, die einen längeren Aufenthalt im Ausland planen, zum Beispiel als Student oder Au-Pair. Auch hier gibt es spezielle Angebote, die genau auf deren Bedürfnisse abgestimmt sind.

Fazit

Besonders für junge Menschen, seien es nun Single oder junge Familien lohnt es sich, Zusatzversicherungen abzuschließen. Ihnen werden in der Regel günstige Tarife angeboten, da in den meisten Fällen noch keine großartigen Vorerkrankungen vorliegen oder sie weniger gefährdeten Risikogruppen zugeordnet werden können.

Eine Beratung bei einem Versicherungsmakler des Vertrauens und ein gründliches Vergleichen der Tarife und Leistungen ist vor dem endgültigen Abschluss der beste Weg.

———–

Quelle:

¹ Private Krankenversicherung Vergleich Österreich
² Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (oesterreich.gv.at)

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Teure Krankheiten: welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse, welche nicht?
– Steuererklärung: Den Fiskus an den Krankheitskosten beteiligen
– Die Gesundenuntersuchung
– Private Unfallversicherung – ja oder nein?
– Das Primärarztmodell – Bedeutung und Information

Das könnte Sie auch interessieren...