Worauf Sie bei Zahnzusatzversicherungen achten müssen

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Worauf Sie bei Zahnzusatzversicherungen achten müssen

Fotocredit: pixabay.com @ Emergency-Denture-Repair (CCO Creative Commons)

Für viele Menschen ist der Gang zum Zahnarzt mit gemischten Gefühlen verbunden, denn nicht selten sind die Behandlungen unangenehm.

Doch auch hohe Kosten sorgen für Unbehagen. Das muss aber nicht sein. Vor finanziellen Belastungen aufgrund der eingeschränkten Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse kann eine private Zahnzusatzversicherung schützen.

Zahnzusatzversicherung – Artikelübersicht:

Schließt eine Zahnzusatzversicherung die Versorgungslücke der gesetzlichen Krankenkasse?

Fest steht: die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen ihre Versicherten in Österreich nicht allumfassend. Manche Ausgaben werden ganz, andere nur teilweise übernommen und wieder andere muss man gänzlich selbst tragen.

Um Zähne und Zahnfleisch zu schützen, ist eine gründliche tägliche Mundhygiene enorm wichtig. Denn die Mundgesundheit und somit gesunde Zähne stehen im direkten Zusammenhang mit dem Allgemeinbefinden.

Kommt es zu Entzündungen im Mundraum, kann dies nicht nur zu Problemen mit den Zähnen führen. Schlimmstenfalls entwickeln sich daraus auch Folgeerkrankungen, da das Immunsystem angeschlagen ist. Sein muss das nicht. So übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung medizinisch notwendige Maßnahmen wie Prophylaxe-Behandlungen und Zahnfüllungen (im Backenzahnbereich mit Amalgam).

Wenn aber Zahnersatz notwendig wird, müssen Patienten mitunter tief in die Tasche greifen. Eine Zahnzusatzversicherung ist für diese Fälle eine sinnvolle Ergänzung, denn sie zahlt auch eine hochwertige Versorgung.

Damit Sie eine gute Entscheidungsgrundlage haben, anbei die Details zum aktuellen Leistungsumfang von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungsträgern.

Was leistet die gesetzliche Krankenversicherung?

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung bei Zahnbehandlungen sind zum Teil sehr eingeschränkt.

Zu den Kassenleistungen gehören Zahnbehandlungen zum Erhalt der Zahngesundheit beim Vertragszahnarzt, herausnehmbarer Zahnersatz, herausnehmbare Zahnspangen sowie die „Gratiszahnspange für Kinder und Jugendliche“. Für Zahnersatz sowie Zahnspange (Ausnahme: Zahnspange für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre) müssen Patienten Zuzahlungen leisten.

Grundsätzlich übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in vielen Bereichen auch nur Basisleistungen. Vor allem bei Zahnersatz, aber auch bei kieferorthopädischen Behandlungen kann dies sehr teuer werden. Denn wirklich guter Zahnersatz oder Behandlungen zur Korrektur von Zahnfehlstellungen können durchaus mehrere Tausend Euro kosten.

Was leisten private Zahnzusatzversicherungen?

Zahnzusatzversicherungen erstatten Kosten in folgenden Bereichen:

• Zahnersatz,
• Prophylaxe,
• Zahnbehandlung und
• Kieferorthopädie

Leistungen im Bereich Zahnersatz

Der Bereich Zahnersatz ist bei einer Zahnzusatzversicherung der wohl wichtigste Punkt.

Gerade Zahnersatz kann sehr teuer werden, Rechnungen im fünfstelligen Bereich sind keine Seltenheit. Beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung sollte auf den Punkt Zahnersatz besonders geachtet werden.
Zum Zahnersatz gehören in der Regel:

• Kronen/Teilkronen/Onlays,
• Brücken,
• Prothesen/herausnehmbarer Zahnersatz,
• Stiftzähne,
• Keramikverblendungen/Veneers,
• Einlagefüllungen/Inlays,
• Reparaturen am vorhandenen Zahnersatz sowie
• Implantate und implantologische Behandlungen

Leistungen im Bereich Prophylaxe

Für den Erhalt gesunder Zähne ist neben einer gründlichen Mundhygiene auch die richtige Vorsorge von großer Bedeutung. Daher ist die Prophylaxe ein weiterer wichtiger Punkt in der Zahnzusatzversicherung.
Zu den typischen Prophylaxebehandlungen zählen:

• Durchführung einer professionellen Zahnreinigung (PZR),
• Maßnahmen im Zusammenhang mit der Früherkennung sowie Verhütung von Erkrankungen an Zähnen, im Mund sowie im Kiefer,
• Versiegelung von Fissuren,
• Fluoridierung,
• Erstellung eines Status zur Mundhygiene sowie
• bakterielle Speicheltests

Leistungen im Bereich Zahnbehandlungen

Zahnbehandlungen umfassen sämtliche Maßnahmen, die dem Zahnerhalt und nicht nur der Prophylaxe dienen. Dazu gehören:

• Füllungen aus Kunststoff,
• Wurzelkanalbehandlungen sowie Wurzelspitzenresektion und
• Parodontosebehandlung

Leistungen im Bereich Kieferorthopädie

Zahnspangen & Brackets

Eine kieferorthopädische Behandlung kostet oft mehrere Tausend Euro – eine Zahnzusatzversicherung ergänzt mögliche Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Fotocredit: pixabay.com @ ElvisCZ (CCO Creative Commons)

Kieferorthopädische Behandlungen sind vor allem für Kinder wichtig. Im Laufe seines Lebens trägt inzwischen fast jedes zweite Kind für die Korrektur der Zähne eine Zahnspange. Für Eltern kann das teuer werden, denn eine Zahnspangenbehandlung kann bis zu 6.000 Euro kosten. Im Rahmen der Zahnzusatzversicherung werden meist folgende Kosten übernommen:

• Zahnspange ohne Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung bei KIG1 und KIG2,
• Zahnspange mit Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung bei KIG3 bis KIG5,
• unsichtbare Zahnspange (Invisilign),
• lose/feste Zahnspange,
• Mini-Brackets/Speed-Brackets,
• Therapie mit Alignern und
• Bionator

Beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung auf umfassende Leistungen achten

In den meisten Fällen ist es sinnvoll, eine Zahnzusatzversicherung mit Leistungen in allen Bereichen abzuschließen. Immerhin sind sowohl Zahnersatz als auch Prophylaxe und Zahnbehandlungen wichtig.

Deshalb sollte bei der Wahl eines Anbieters darauf geachtet werden, dass alle Bereiche abgedeckt sind. Nur so ist gewährleistet, dass möglichst viele Leistungen übernommen werden.

Zwischen den zahlreichen Anbietern gibt es teils große Unterschiede

Zahnzusatzversicherungen bieten je nach Versicherer und gewähltem Tarif sehr unterschiedliche Leistungen. Gute Tarife erstatten etwa 80 bis 90 Prozent der Behandlungskosten, sodass etwa 10 bis 20 Prozent von Patienten noch selbst gezahlt werden müssen.

Eine wichtige Orientierung für die Wahl des passenden Anbieters sind Tests und Vergleiche von Anbietern für Zahnzusatzversicherungen, die beispielsweise Stiftung Warentest durchführt.

Wartezeit und Zahnstaffeln bei Zahnzusatzversicherungen

Beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung sollten Interessenten bedenken, dass gerade zu Versicherungsbeginn Leistungen oft nicht übernommen werden. Nicht selten kommt bei Versicherten dann Frust auf. Um diesen zu vermeiden, sollten einige wichtige Fakten genau bedacht werden.

So zahlen Zahnzusatzversicherungen ausschließlich für Behandlungen, die nach Vertragsbeginn erforderlich werden. Wenn sich ein Versicherter bereits in einer Behandlung befindet oder der Zahnarzt schon vor Versicherungsabschluss Behandlungsbedarf erkannt oder empfohlen hat, werden die entsprechenden Behandlungen nicht von der Versicherung erstattet.

Weiterhin erstatten Versicherer meist erst nach einer Wartezeit, die in der Regel bei etwa acht Monaten liegt. Hier bestehen zwischen den einzelnen Anbietern teils große Unterschiede, der Vergleich lohnt also.

Aber auch Begrenzungen der Leistungen in den ersten Jahren auf bestimmte Höchstsummen sind denkbar. Dabei handelt es sich um sogenannte Zahnstaffeln, die wie folgt gestaltet sein können:

• 1. Versicherungsjahr: maximal 500 Euro Erstattung
• 2. Versicherungsjahr: maximal 1.000 Euro Erstattung
• 3. Versicherungsjahr: maximal 2.000 Euro Erstattung
• 4. Versicherungsjahr: maximal 3.000 Euro Erstattung
• 5. Versicherungsjahr: maximal 4.000 Euro Erstattung

Nach Ablauf dieser Versicherungszeit werden Kosten meistens unbegrenzt übernommen.

Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Zahnzusatzversicherungen werden inzwischen mit und ohne Gesundheitsfragen angeboten. Versicherer behalten sich bei einem Vertrag mit Gesundheitsfragen das Recht vor, den Zustand der Mundgesundheit des Versicherten genauer unter die Lupe nehmen zu dürfen, bevor es überhaupt zum Vertragsabschluss kommt.

Dafür muss ein Fragebogen mit Fragen zum Zustand der Zähne ausgefüllt werden. Und zwar wahrheitsgemäß. Denn falsche Angaben oder das Auslassen von Vorerkrankungen können dazu führen, dass der Versicherungsschutz verloren geht.

Handelt es sich um eine Zahnzusatzversicherung ohne Gesundheitsfragen, dann geht dies meist mit einem höheren Beitrag einher, da der Versicherer meist schon im Vorfeld mit höheren Behandlungskosten rechnet.

In welchen Fällen lohnt es sich, eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen?

Sinnvoll ist eine Zahnzusatzversicherung immer dann, wenn in der Zukunft Zahnbehandlungen anstehen (z. B. aufgrund älterer Füllungen oder bei bereits erfolgter Wurzelbehandlung).

Wer gern hochwertige Materialien oder eine teurere Behandlung möchte, für den ist eine Zahnzusatzversicherung Gold wert. Sie reduziert den Eigenanteil für zahnärztliche Behandlungen auf ein Minimum, ohne mit Einschränkungen bei den Leistungen leben zu müssen.

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Quellen:

¹ Zahnzusatzversicherungen – Vorteile und Tarife im Vergleich
² Welche Zahnleistungen zahlt die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)?
³ Welche Formen von Zahnerstz gibt es?

Fotohinweis: Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock) + Wolfgang Eckert auf Pixabay.com

Linktipps

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