Musiktherapie: Möglichkeiten und Wirkungen

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Musiktherapie

Medizin nach Noten: Musiktherapie ist im medizinischen und psychotherapeutischen Alltag zwar immer noch zu wenig bekannt, hat aber sowohl im präventiven, als auch im klinischen und rehabilitativen Bereich Bedeutung. Und dies wird durch Studien des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung laufend belegt. Die Einsatzbereiche liegen bei Schmerzerkrankungen und psychischen Erkrankungen ebenso, wie in der Krebstherapie.

Musiktherapie dient der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Man unterscheidet zwei Richtungen der Musiktherapie: In der aktiven Musiktherapie wird der Patient zum Musizieren motiviert und dadurch therapiert. In der rezeptiven Musiktherapie hingegen wird therapeutische Wirkung durch das Hören von Musik erzielt. Die hochspezialisierte und technisierte Medizin bedient sich quasi als Ergänzung Ergänzung zunehmend künstlerischer Therapieansätze, um den Menschen in seinem Leiden als leibhaftiges, sinnlich wahrnehmendes Subjekt zu erkennen. Aktive und rezeptive Musiktherapie und musiktherapeutische Ausbildung haben sich so in verschiedensten Bereichen etabliert.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg (Deutschland) belegt in klinischen Studien laufend das Breite Einsatzspektrum der Musiktherapie. Forschungsschwerpunkte bilden etwa die Bereiche „Chronischer Tinnitus“, „Musikalische Emotionserkennung“, Migräne bzw. „Spannungskopfschmerzen bei Jugendlichen“ und die „Entwicklung einer Bewertungsmethodik zur Wirkung von Computer- und Konsolenspielen“.

Weitere Arbeitsfelder sind die Entwicklung und Überprüfung von musiktherapeutischen Behandlungsformen für die Praxisfelder „Psychiatrie“ und „Psychosomatik“.¹

Musik & Heilung

Durch ihre Fähigkeit starke emotionale Reaktionen hervorzurufen, war Musik in der Menschheitsgeschichte in vielen Völkern schon früh mit Heilung und Wohlbefinden verbunden. Seit den 1990er Jahren stieg auch in der Wissenschaft das Interesse an rezeptiver Musiktherapie. Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft definiert Musiktherapie als gezielten Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit.

Musiktherapie: Heilung, nicht Humbug

Der Begriff „Musiktherapie“ ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen, die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind, in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie. Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen.

Tatsächlich ist die Geschichte der Musiktherapie von der magisch-mythischen Form der Musikheilung bis heute sehr stürmisch gewesen. Heute kann die Wirkung von Musik durch neue wissenschaftliche Verfahren und Untersuchungen als Therapie bei einer Vielzahl von medizinischen Einsatzbereichen differenziert nachgewiesen werden. Sie gilt mittlerweile als eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselwirkung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen – insbesondere der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik – steht.²

Diagnostik & Therapie

Voraussetzung für die Anwendung von Musiktherapie ist eine syndromatologische und eine therapieprozessbezogene musiktherapeutische Diagnostik. Daraus leiten sich Indikationsstellung und Zielformulierung ab.

Bei der reziptiven Musiktherapie nimmt der Patient die Musik, entweder vom Therapeuten gespielt oder abgespielt von Medien, passiv wahr, d.h. ohne Einfluss auf die musikalische Gestalt. Dabei wird die Tatsache genutzt, dass Musikhören die Introspektion und die Selbstwahrnehmung erhöhen kann.

In der aktiven Musiktherapie wiederum steht das aktive Musizieren im Vordergrund. Musikalische Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig, denn es werden Instrumente verwendet, die jeder spielen kann – z.B. Glockenspiele oder Trommeln. Die Patienten improvisieren und drücken mit Instrumenten ihre Stimmungen und Gefühle aus. So haben sie die Möglichkeit, Unausgesprochenes durch Stimme, Klang und Rhythmus mitzuteilen und zu erleben. Dadurch kann der Therapeut oft mehr über den Patienten erfahren, als im Gespräch.

Arbeitsfelder

Die Einsatzgebiete der Musiktherapeuten sind vielfältig, in folgenden Bereichen wird Musiktherapie eingesetzt:

  • Psychiatrie
  • Neurologie
  • Neonatologie
  • Onkologie
  • Geriatrie
  • Heilpädagogik

Darüber hinaus wird Musiktherapie in der Schmerztherapie, bei Patienten mit Essstörungen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen und Depressionen, sowie bei Wachkoma-Patienten eingesetzt.

Unterschieden wird der Einsatz in:

  • im klinischen Bereich (z.B. in psychotherapeutischen Spezialkliniken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, in stationären und semistationären Kliniken, in somatischen Fachkliniken)
  • im rehabilitativen Bereich (z.B. in Fördereinrichtungen für psychisch, geistig und/oder körperlich behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, in ambulanten psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen)
  • im präventiven Bereich (z.B. in der prophylaktischen und metaphylaktischen Arbeit bei
    Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Lebensabschnitten)

Evidenz-basierte Musiktherapie: Hoffnung für Schmerz-Patienten

„Die Musiktherapie hat sich in der Behandlung chronischer Schmerzen inzwischen einen festen Platz gesichert, ihre Wirksamkeit bezüglich Symptom-Verbesserung und psychischen Ergebnissen ist zunehmend Evidenz-basiert“, so Schmerzforscher und ÖSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky (Naturwissenschaftliche Fakultät, Universität Salzburg).

  • 71 Prozent der Patienten mit chronischen Nicht-Krebs-Schmerzen, die unterstützend musiktherapeutisch behandelt wurden, zeigten eine klinisch signifikante Verbesserung, in einer Folgestudie waren es 68 Prozent.
  • Bei Patienten mit Tumorschmerzen zeigen die Studienergebnisse eine klinische Verbesserung des kombinierten Zielkriteriums Beschwerdereduzierung und Therapiezufriedenheit bei 60 Prozent der musiktherapeutisch behandelten Patienten.
  • Bei Kindern mit Migräne war die Reduktion der Attacken-Häufigkeit und die Therapiezufriedenheit der Musiktherapiegruppe nach der Intervention dem Medikament und dem Placebo klinisch signifikant überlegen.
  • Bei Jugendlichen mit primären Kopfschmerzen reduzierte sich die subjektive, sensorische Schmerzstärke während der Behandlungsphase um bis zu 60 Prozent.
  • Musiktherapie hilft Krebspatienten, mit der Krankheit umgehen zu können. Zu musizieren kann helfen, diese Seite der Krebserkrankung zu „behandeln“. Denn viele Patienten ziehen sich nach einer Krebsdiagnose zurück, sind ängstlich und gehemmt ohne Zugang zu sich selbst oder ihren eigenen Körper. Gemeinsames Musizieren aber macht sie offener, enthemmter und freier.

Quellen:

¹ www.fbmth.fh-heidelberg.de – Fakultät für Musiktherapie
² www.musiktherapie.de – Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft

[red]

Linktipps

– Einführung in die Musikpsychologie
– Musik die wirkt: Musikmedizin (Acoustic Medicine) – Fa. Sanosan
– Lichttherapie gegen Schlafstörungen und Depressionen
– Borderline-Persönlichkeitsstörung
– Psychotherapie
– Sozialphobie
– Schulangst – Schulphobie
– Flugangst (Aviophobie)