Parkinson | Krankheitslexikon

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Morbus Parkinson | Krankheitslexikon

Fotocredit: Ann Baldwin | Fotolia

Die Bezeichnung Parkinson geht auf den englischen Arzt James Parkinson zurück. Er beschrieb 1817 detailliert die Symptome dieser Nervenkrankheit, die in der Umgangssprache oft auch als “Schüttellähmung” bezeichnet wird. Heute weiß man, dass die Parkinson-Krankheit keine Lähmung im eigentlichen Sinn ist.

Sie wird vielmehr dadurch ausgelöst, dass im Hirnstamm die Überträgerstoffe (Neurotransmitter) Dopamin, Serotonin und Noradrenalin verringert sind. Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Funktion des Nervensystems. Die Ursache der Parkinson-Krankheit ist heute noch weitgehend unklar. Möglicherweise ist sie in einem bisher nicht bekannten vererbten Defekt zu suchen.

Einleitung

Typisch in fortgestrittenem Stadium sind auffälliges Zittern, ein gebeugter Gang, Muskelsteifheit, kleine Schritte und eine eingeschränkte Mimik.

Sofern die Krankheit nicht in Kombination mit Demenz auftritt, leiden die Betroffenen ausschließlich unter der Einschränkung ihrer Bewegungsfähigkeit, nicht aber unter Störungen ihrer geistigen Fähigkeiten. Ohne eine signifikante Zusatzerkrankungen haben Parkinson Patienten durch frühere Diagnose und moderne Therapieformen auch eine praktisch unveränderte Lebenserwartung.

Die Krankheit tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. Patienten, bei denen die Krankheit bereits zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auftritt, sind heute allerdings keine Seltenheit mehr.

Durchschnittlich erkranken Patienten zwischen 55 und 60 Jahren an Parkinson. Vermutlich gehen dem Ausbruch aber jahrzehntelange Veränderungen im Körper voraus. Männer haben jedenfalls ein höheres Risiko an Parkinson zu erkranken als Frauen, es liegt bei Männern bei 2,0% und bei Frauen bei 1,3%.

In Österreich leiden etwa 20.000 Menschen an Parkinson, weltweit sind es etwa vier Millionen oder etwa 1 bis 1,5 Prozent der über 60jährigen. Damit zählt die Parkinson-Krankheit – neben Schlaganfall und der Alzheimer-Demenz – zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems im höheren Lebensalter.

Durch die steigende überalterung der Gesellschaft kommt dem idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) bzw. Morbus Parkinson eine zunehmende gesundheitspolitische Bedeutung zu.

Symptome

Durch den Mangel am Neurotransmitter Dopamin kommt es zu einer Reihe von motorischen Störungen.

Zittern (Tremor):

Das erste Zeichen einer Parkinson-Erkrankung ist meist das Zittern. Es kann in einer Hand, einem Arm oder Fuß beginnen, aber auch der Mund oder der Kopf können betroffen sein. Sehr typisch ist der sogenannte Ruhetremor. Dabei zittern zum Beispiel die Hände nur, wenn sie ruhig gehalten werden. Bewegt der Patient die Hände, setzt das Zittern aus. Das Zittern ist oft stark von der Gemütsverfassung des Patienten abhängig.

Unwillkürliche Muskelspannungen (Rigor):

Dabei kann der Patient Bewegungen nur noch mühsam gegen den Widerstand seiner verspannten oder verkrampften Muskeln ausführen. Oft wird die aktive Beweglichkeit der Glieder gehemmt oder blockiert. Dies ist mit Schmerzen verbunden. Weites hat der Patient das Gefühl, wie in einem Gipsverband fixiert zu sein.

Verzögerte Bewegungen (Akinese):

Dabei können Bewegungen nur noch verzögert begonnen und langsam und kraftlos ausgeführt werden. So hat der Patient zum Beispiel Mühe, sich aus dem Liegen spontan aufzusetzen, beim Essen das Fleisch zu schneiden oder eine volle Kaffeekanne zu heben. Beim Gehen ähneln die Bewegungen des Kranken einem Gesunden, der sich in einem dunklen Raum zu orientieren versucht.

Bei der Beeinträchtigung der Sprech- und Atemmuskulatur hat der Patient Probleme, Worte richtig zu artikulieren und ist gezwungen, leise und stimmlos zu sprechen. Ist die Gesichtsmuskulatur von der Krankheit betroffen, kann der Patient seinen Gesichtsausdruck nicht mehr seiner jeweiligen Stimmung anpassen.

Das Gesicht wirkt dabei oft wie eine Maske. Ebenso wie die Bewegungen kann sich auch das Denken verlangsamen. Dabei bleibt der Patient jedoch völlig normal urteils- und kritikfähig. Auch die Gedächtnisleistung nimmt nicht mehr ab, als bei gesunden alten Menschen.

Vegetative Störungen:

Bei Parkinson-Patienten kommt es leicht zu Störungen in der Wärmeregulierung. Vor allem an heißen Sommertagen ist der Körper nicht mehr in der Lage, überschüssige Wärme über die Haut abzustrahlen. Dadurch kommt es zu einer nicht ungefährlichen Überhöhung der Körpertemperatur.

Besonders unangenehm sind auch unregelmäßige Schweißausbrüche, die vor allem in der Nacht auftreten. Der Schlaf kann auch durch andere Symptome, wie brennende Füße, Kribbeln oder lästiges Jucken beeinträchtigt werden. Oft kommt es auch zu Störungen bei der Harnentleerung und zu übermäßigen Speichelfluß.

Seelische Störungen:

Durch das Ungleichgewicht der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin sind die Patienten oft psychischen Verstimmungen ausgeliefert. Am häufigsten kommt es zu depressiven Verstimmungen, die in unregelmäßigen Abständen auftreten. Sie sind oft verbunden mit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. In Extremfällen treten auch vorübergehende Verwirrtheitszustände und Sinnestäuschungen auf.

Therapie

Morbus Parkinson ist nicht heilbar, die Erkrankung bedarf einer lebenslangen medikamentösen Therapie. Entscheidend für die richtige und rechtzeitige Behandlung ist eine rasche Diagnose, die durch Früherkennungsmaßnahmen gefördert werden muss.

Medikamentöse Behandlung:

Die heute zur Verfügung stehenden Medikamente zielen vor allem darauf ab, das gestörte Gleichgewicht der Neurotransmitter wieder herzustellen. Je nach Ausprägung der Krankheitssymptome werden mehrere Medikamente dabei unterschiedlich miteinander kombiniert. Es können allerdings nur die Symptome von Parkinson gelindert werden, die Ursache der Krankheit kann durch eine medikamentöse Therapie derzeit noch nicht beseitigt werden.

Ein neuer Therapieansatz setzt auf den Wirkstoff Rasagilin, der zu Symptomverzögerung und -entschärfung führen kann. Das Präparat hat außerdem eine krankheitsmodifizierende Wirkung und ist in der Dosierung besonders patientenfreundlich, was wiederum die Compliance positiv beeinflusst. Dieser Wirkstoff ist sowohl als Monotherapie, als auch zur Kombinationstherapie geeignet.

Operative Maßnahmen:

Für Patienten, die an starkem Zittern leiden, gegen das eine medikamentöse Behandlung nicht ausreicht, gibt es die Möglichkeit einer sogenannten stereotaktischen Operation. Dabei wird mit Hilfe einer Sonde im Gehirn ein kleiner Hirnbereich elektrisch ausgeschaltet. Dadurch kommt das Zittern zum Stillstand, ohne dass gesunde Gehirnfunktionen beeinträchtigt werden.

Physikalische Behandlung, Bewegungstherapie:

Sie umfaßt Krankengymnastische Übungsbehandlungen, Beschäftigungstherapie, Sprech- und Atemübungen, Massagen, Medizinische Bäder, Moorpackungen und Inhalationen. Ziel der Bewegungstherapie ist die Erhaltung der Bewegungsfähigkeit bzw. die Zurückgewinnung der verloren gegangenen Bewegungsabläufe.

Wichtig ist, dass diese Übungen den Patienten nicht überanstrengen und ihm Spass bereiten. Daher werden die Übungen oft in Gruppen und mit Musikbegleitung durchgeführt. Die Feinmotorik wird zusätzlich durch spezielle Übungen trainiert: Dazu zählen Zeichen- und Schreibübungen oder Handarbeiten.

Prominente Parkinson Patienten

Prominente Parkinson Patienten: Muhammad Ali und Michael J. Fox

Muhammad Ali und Michael J. Fox betonen im Mai 2002 vor einem Senatsausschuss, wie wichtig die Finanzierung der Forschung zur Parkinson-Krankheit ist. Fotocredit: public domain | posted on the official websites of a member of Congress – office of Senator Debbie Stabenow

Neben Boxlegende Muhammad Ali und Hollywoodstar Michael J. Fox gibt oder gab es zahlreiche weitere Prominente, die an der Parkinson Krankheit leiden oder litten, darunter Papst Johannes Paul II, Sänger Ozzy Osbourne, die Politiker Theodore Roosevelt, Leonid Breschnew, Mao Tse-tung und die Schauspieler Ottfried Fischer und Raimund Harmstorf um nur einige zu nennen.

Michael J. Fox ist wohl das prominenteste Beispiel für einen Patienten, der die Diagnose bereits in jungen Jahren gestellt bekommen hat. Zum Zeitpunkt der Diagnose im Jahr 1991 war er gerade einmal 30 Jahre alt, setzte seine Karriere aber dennoch erfolgreich fort.

Zu den bekanntesten Filmen nach 1991 zählen etwa “Doc Hollywood”, “Ein Concierge zum Verlieben” (For Love or Money), “Greedy” oder aber auch die Serien “Chaos City” (Spin City) von 1996 bis 2001, oder “Good Wife” (The Good Wife, 26 Folgen) in den Jahren 2010 bis 2016.

Die wichtige Rolle der Angehörigen der Patienten

Der Beistand der Angehörigen soll als “Hilfe zur Selbsthilfe” verstanden werden. Für das Selbstwertgefühl des Patienten ist es sehr wichtig, dass er möglichst viele Tätigkeiten selbst ausführt, auch wenn sie mit besonderer Mühe verbunden sind.

Dabei kommt es darauf an, die Möglichkeiten des Kranken beurteilen zu lernen. Falsch ist es, wenn die Angehörigen ein übertriebenes Mitleid gegenüber dem Patienten entwickeln und ihm jede noch so kleine Arbeit abnehmen wollen.

Es ist besonders wichtig auf die Krankheitssymtome – wie etwa langsames Sprechen und Gehen – nicht mit Ungeduld zu reagieren, sondern sich darauf einzustellen. Dies gilt auch für die psychischen Veränderungen, die mit der Krankheit verbunden sind. Die Patienten neigen wegen den mit den Krankheitssymptomen verbundenen alltäglichen Problemen dazu, sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen und sich selbst zu isolieren.

Dagegen sollen die Angehörigen Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört das bewußte Fördern gesellschaftlicher Kontakte, das Einladen von Besuchen oder das Erzählen von Neuigkeiten.

Informationsstellen:

Parkinson – SHG Wien
Parkinson SHG Landesverband Niederösterreich
Parkinson – SHG Graz
Parkinson – SHG Salzburg

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Quellen:

¹ Ratgeber zur Morbus Parkinson Krankheit
² Hilfe und Hintergrundwissen für Parkinson-Erkrankte (Junge Parkinsonkranke)
³ Parkinson Selbsthilfe Österreich

Verfasst: 06/2009 – Update: 04/2021

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

Linktipps

– Neuroimaging – Bilder aus dem Gehirn
– Was ist Anosmie?
– Welt-Parkinson-Tag
– Musik als Medizin

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