Folgen von Alzheimer mildern

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Alzheimer Wirkstoff

Auch wenn Alzheimer nach wie vor unheilbar ist – zumindestens lässt sich die Krankheit in ihrem rasanten Fortschreiten mit einer Arznei aus Österreich bremsen. Einer der Wirkstoffe, die den unwiederbringlichen Verlust von Gedächtnis und Erinnerung verzögern, hat seine Heimat in der Bergwelt des Kaukasus: Ein Wirkstoff aus Schneeglöckchen kann die Symptome schwacher oder mittlerer Alzheimer-Erkrankung einer neuen Studie zufolge deutlich mildern. Das Ergebnis der Versuche in europäischen und kanadischen Kliniken stellt ein Team um Gordon Wilcock von der Universität Bristol (Großbritannien) im „British Medical Journal“ vor.

Etwa 60 Prozent der Demenzen gehen auf das Konto der Alzheimer-Erkrankung; nur 10 Prozent beruhen auf cerebrovaskulären Veränderungen und ebenfalls 10 Prozent sind Mischformen. Nach Schätzungen leben etwa 800 000 Alzheimerpatienten und insgesamt 1,2 bis 1,4 Millionen demenzkranke Menschen in Deutschland. Nur 5 Prozent von ihnen – so wird geschätzt – kommen in den Genuss einer effektiven Therapie.

Alzheimer-Kranke haben zu wenig von dem Nervenbotenstoff Acetylcholin im Gehirn. Genau daran setze der neue Wirkstoff Galantamin an, wie andere Mittel auch schon, erläuterte Prof. Hans Förstl, Direktor der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München, auf Anfrage der dpa. Galantamin optimiere jedoch ein bereits bekanntes Wirkprinzip und dies stimme hoffnungsvoll. Der Wirkstoff fördere einerseits die Ausschüttung von Acetylcholin und bremse andererseits dessen Abbau. „Ob er den anderen Wirkstoffen deutlich überlegen ist, muss sich auch nach dieser Studie erst im klinischen Gebrauch noch beweisen“, sagte Förstl. Die Ursache der Krankheit werde jedoch mit keinem der Mittel beseitigt, die typischen Alzheimer-Ablagerungen im Gehirn blieben.

Die Studien

Diese Mittel packten das Problem nicht an der Wurzel, führten aber zur deutlichen Milderung der Symptome, sagte Förstl. Für die internationale Untersuchung war insgesamt 653 Patienten mit schwachen oder mittleren Formen von Alzheimer für sechs Monate entweder der Wirkstoff Galantamin in zwei verschiedenen Dosierungen oder Placebos gegeben worden. Bei den anschließenden Standartests für Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Orientierung schnitten die Patienten, die das neue Mittel bekommen hatten, signifikant besser ab. Zudem sei Galantamin gut verträglich und zeige kaum Nebenwirkungen, berichte Wilcock.

Dass dies alles keine graue Theorie ist, wurde zudem in fünf weiteren Zulassungsstudien an 3.200 Patienten mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz nachgewiesen. Die placebokontrollierten Studien liefen über drei bis sechs Monate mit Tagesdosen zwischen 8 und 32 mg Galantamin. Zwei Studien wurden offen als Follow-up über zwölf Monate fortgesetzt, berichtete Privatdozentin Dr. Susanne Schwalen von der Janssen-Cilag GmbH in Neuss.

In den Studien besserte das Verum die kognitiven Fähigkeiten über sechs Monate und stabilisierte sie über zwölf Monate. Stiegen die Patienten unter Placebo nach sechs Monaten auf Galantamin um, konnte der in dieser Zeit erlittene Verlust nicht mehr aufgeholt werden. Bezogen auf die Kognition sprachen 60 bis 68 Prozent der Patienten auf die Therapie an, ergänzte Schwalen in der Diskussion. Die Behandlung stabilisierte ferner die Alltagskompetenz der Patienten über ein Jahr und verzögerte das Auftreten von Verhaltensstörungen.

Mitte 2000 wurde Galanthamin europaweit zur Behandlung der Alzheimer’schen Krankheit zugelassen. Anfang November 2000 wurde Reminyl©, welches Galanthamin als den aktiven Wirkstoff enthält, durch Janssen-Cilag als Medikament in Österreich eingeführt.

Linktipps

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