Feinstaubbelastung durch Diesel im Herbst

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Feinstaubbelastung durch Diesel

Österreichs Ballungsräume haben wegen des starken Kfz-Verkehrs nicht nur Stauprobleme, auch die Luftqualität wird von den Fahrzeugabgasen verschlechtert. Besonders die Feinstaubbelastung ist seit Inkrafttreten der neuen EU-Feinstaub-Richtlinie (in Österreich Immissionsschutzgesetz Luft, kurz IG-L) – und permanenten Überschreitungen der Grenzwerte – in aller Munde. Konkret sind es die Dieselmotoren, die als Hauptverursacher von Feinstaub gelten. Gerade in Österreich ist aber der Anteil der Diesel-Pkw an der Autoflotte besonders hoch. Seit die Weltgesundheitsorganisation WHO das Gefahrenpotenzial von Diesel-Ruß neu bewertet hat und nun als „definitiv krebserregend“ einstuft, gibt es dringenden Handlungsbedarf.

Was ist Feinstaub eigentlich?

Als Feinstaub („PM10“) bezeichnet die Wissenschaft jenen Teil des gesamten Schwebstaubs, dessen Partikel einen Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer (0,01 mm) aufweist. Je kleiner ein Partikel, desto tiefer kann es in die Atemwege eindringen und dort unter Umständen zu krankhaften Veränderungen führen. Seit Jahren untersuchen Mediziner die möglichen Auswirkungen der kleinen Partikel auf die Gesundheit des Menschen, die bisherigen Ergebnisse sind leider alles andere als positiv.

Die gesundheitlichen Auswirkungen reichen vonn Allergiesymptomen, Atemwegsbeschwerden, bronchitische Symptome und Asthma bis hin zu Lungenkrebs. Vor allem Kinder und durch eine Lungenerkrankung vorbelastete Personen zählen zur Risikogruppe Nr. 1.

Durch den Beschluss Dieselruß ab sofort als definitiven – und nicht wie bisher angenommen als „wahrscheinlichen“ – Auslöser für Lungenkrebs einzustufen, erhält die von Emotion und Besorgnis getragene Diskussion um die Gesundheitsgefährdung durch Feinstoff-Partikel eine neue Dimension.

Überschrittene Grenzwerte

Gemäß EU-Luftqualitätsrichtlinie ist eine Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte an 35 Tagen im Jahr zulässig. In Österreich ist diese Regel strenger – die Feinstaubbelastung ist dabei nur an 25 Tagen im Jahr erlaubt. Doch laut Umweltbundesamt wurde heuer bereits dieses Kontingent an drei Mess-Stellen ausgeschöpft.

Besonders betroffen von windschwachen Wettersituationen und Inversionen sind Städte in Tal- und Beckenlagen wie Graz, Klagenfurt, aber auch Innsbruck und Wien. Der eingeschränkte Luftaustausch führt zu einer Akkumulation der emittierten Schadstoffe, die über mehrere Tage bis zu Wochen andauern kann. In diesen Perioden treten nachweislich vermehrt Atemwegserkrankungen auf.¹

Belastung der Raumluft in Österreich

Während der Feinstaubgrenzwert im Freien genau reglementiert ist, gibt es für die Belastung in Wohnräumen keine Richtlinie. Zudem ist es für Konsumenten schwer feststellbar, ob eine erhöhte Feinstaubbelastung im Innenraum vorliegt. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Innenräume oft wesentlich stärker durch Feinstaub belastet sind, als die Außenluft. Je nach Lage der Wohnung hängt die Innenraum-Belastung zu ca. 50 Prozent von der Feinstaub-Belastung im Freien ab. In der Nähe von stark befahrenen Straßen sind die Auswirkungen besonders gesundheitsschädlich, da hier Dieselruß in größeren Mengen freigesetzt wird.

Feinstaub: Luft-Schutz-Maßnahmen

Gerade im Herbst, wo wir uns wieder vermehrt im Haus befinden, gilt es daher, geeignete Maßnahmen zu treffen. Gegen die gefährlichen Dieselpartikel von außen helfen zum Beispiel effektive Luftfilter, die auch für den privaten Haushalt angeboten und ständig weiterentwickelt werden. „Bei normaler Feinstaubbelastung der Außenluft ist regelmäßiges, mehrmals tägliches Lüften ausreichend. Langfristig und bei Neubauten ist der fachgerechte Einbau von Lüftungsanlagen mit geeigneten Filtern jedoch zu empfehlen“, rät Ing. Sascha Deifel von CAMFIL Austria, einem Partner der Plattform MeineRaumluft.at.

VCÖ: Weniger giftiger Feinstaub ist möglich

Weitaus drastischere Schritte fordert der Verkehrs Club Österreich (VCÖ) um die Feinstaubbelastung in Österreich in den Griff zu bekommen:

  • Mehr Messstellen für Dieselruß

Dieselrußpartikel sind kleiner als der grobkörnige Feinstaub. Sie sind krebserregend und können in den Blutkreislauf gelangen. Die Zahl der Messstellen ist in Österreich deutlich zu erhöhen.

  • Umweltzonen auch in Österreich einführen

Fahrzeuge, die besonders viele Schadstoffe verursachen, dürfen in Umweltzonen nicht einfahren. Die Luftqualität verbessert sich dadurch.

  • Rußpartikelfilter für Baumaschinen und ältere Dieselfahrzeuge

Partikelfilter verringern die Dieselruß-Emissionen deutlich.

  • Steuerprivileg auf Diesel abschaffen

Dieselabgase verursachen mehr Schadstoffe und mehr klimaschädliches CO2 als Benzinabgase. Die niedrigere Besteuerung von Diesel ist abzuschaffen.

Weiters empfiehlt der VCÖ eine Diskussion über die Einführung von City Maut und gestaffelten Parkgebühren, die als taugliche Mittel angesehen werden um Verkehrs- und Luftqualitätsprobleme spürbar zu verringern.

In Innenräumen sind freilich ganz andere Verursacher das Problem: vor allem Zigarettenrauch, Kerzen, Kaminöfen und Räucherstäbchen sorgen hier für eine erhöhte Feinstaubbelastung.

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Quellen:

¹ http://www.forumgesundheit.at
² http://www.vcoe.at
Plattform „MeineRaumluft.at“
Foto © iStockphoto & Rußpartikel in der Lunge © Lennart Nilsson, Montage: Kave Atefie

Linktipps

– Luftgütemessung – interaktive Luftgüteinformation
– Feinstaub – Gefahr für die Gesundheit
– Feinstaubbelastung in Innenräumen
– Feinstaubbelastung durch Kamine, Kerzen & Räucherstäbchen
– Umweltmedizin

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