Tabuthema Beckenbodensenkung – neue Operationsmethode in Österreich

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Beckenbodensenkung

Im Laufe des Lebens können Bindegewebe, Muskulatur und Bänder des weiblichen Beckenbodens zunehmend schwächer werden. In der Folge sinken die Organe ab und es kommt zur so genannten Beckenbodensenkung. Je nach Ausmaß der Senkung wird die Lebensqualität der betroffenen Frau dadurch beträchtlich eingeschränkt. Eine neue Operationsmethode verspricht nun auch für die Patientinnen in Österreich optimale Ergebnisse bei der Beckenbodenrekonstruktion.

Im Laufe des Lebens können das Bindegewebe und die Muskulatur im weiblichen Beckenboden zunehmend schwächer werden. In der Folge sackt der Beckenboden unter dem Druck der Organe nach unten. Diese Beckenbodensenkung ist bei etwa jeder zehnten Frau so ausgeprägt, dass operiert werden muss. Durch eine Beckenbodensenkung verlagern sich die Organe, ihr normaler Druck verändert sich, wodurch ihre Funktion beeinträchtigt wird. Mögliche Symptome sind eine Harn- oder Stuhlinkontinenz sowie Beschwerden beim Geschlechtsverkehr. Die genaue Häufigkeit von Beckenbodensenkungen ist unbekannt, da viele Betroffene aus Scham ihre Krankheit verschweigen.

Eine medikamentöse Therapie bei Beckenbodensenkung gibt es nicht. Reicht eine gezielte Beckenbodengymnastik nicht aus, muss operiert werden.

Funktion des Beckenbodens – Beschwerden bei einer Senkung

Das Beckenbodenbindegewebe zusammen mit der Beckenboden-Muskulatur und die umgebenden Bänder funktionieren wie eine Hängematte und halten Gebärmutter, Scheide, Blase und andere Organe im Becken stabil. Lässt das Bindegewebe im Beckenboden nach, kommt es zur Beckenbodensenkung, das bedeutet, dass sich Gebärmutter bzw. Scheide senken und so weit nach unten gleiten können, bis sie – im schlimmsten Fall – durch den Scheidenausgang nach außen treten (Gebärmuttervorfall). Auch können sich die im Becken vor der Gebärmutter liegende Blase bzw. der dahinter liegende Enddarm durch die Gewebsschwäche stark in die Scheide vorwölben (Blasen- bzw. Darmvorfall). Die Verlagerung von Blase und Darm kann zu ungewolltem Harnverlust, Verstopfung sowie Entzündungen des abgesackten Gewebes führen.

Ursachen, Symptome, Häufigkeit und konservative Therapie

Eine Beckenbodensenkung kann verschiedene Ursachen haben: schwere Geburten, regelmäßig schwere körperliche Belastung durch Arbeit oder Sport, chronische Belastungen wie Raucherhusten und Übergewicht. Ein weiterer Risikofaktor ist die genetische Bindegewebsschwäche. Die Wahrscheinlichkeit, einen Vorfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter. Typische Symptome sind häufig ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Unterleib. Die Beschwerden werden von den betroffenen Frauen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Meist treten auch Probleme beim Geschlechtsverkehr, in schweren Fällen sogar beim Sitzen, Gehen und Stehen auf. Die genaue Häufigkeit von Beckenbodensenkungen ist nicht bekannt, da viele Frauen aus Scham nicht zum Arzt gehen. In Österreich werden pro Jahr ca. 6.000 Patientinnen wegen Senkungszuständen des Genitales operiert. Eine medikamentöse Therapie gibt es bei Beckenbodensenkungen nicht. Reicht eine gezielte Beckenbodengymnastik oder Pessartherapie nicht, besteht die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffes.

Neue Operationsmethode – reproduzierbare Ergebnisse

Beim Baucheingriff wird der Beckenboden hochgezogen und mit Hilfe einer komplizierten Nähtechnik am hinteren knöchernen Teil des Beckens fixiert. Das Verfahren liefert gute Ergebnisse, ist aber aufwändig und für ältere Patientinnen zu belastend. Am meisten verbreitet ist daher der Eingriff durch die Scheide. Trotz verschiedener Methoden sind die Ergebnisse beim vaginalen Verfahren bislang unbefriedigend. Meist hält das bereits angegriffene Gewebe dem Druck der inneren Organe nicht lange stand, so dass der Beckenboden sich erneut senkt. Für diesen Fall steht jetzt ein neues Verfahren zur Verfügung. Dabei wird ein spezielles Kunststoffnetz über die Scheide zum Beckenboden geführt. Die Ränder des Netzes werden über Einführhilfen durch die Haut der Bauchdecke bis zum Beckenknochen hochgezogen und gestrafft, bis der Beckenboden wieder angehoben ist.

Vier Jahre lang hat eine Gruppe von französischen Gynäkologen alle bekannten Operationstechniken evaluiert und analysiert. Auf Basis der erfolgreichsten Verfahren haben die Forscher eine standardisierte und reproduzierbare Operationsmethode zur Beckenbodenrekonstruktion entwickelt, das so genannte Prolift-Verfahren, das dem Operateur sein Vorgehen beim Eingriff präzise vorgibt.

Prolift-Verfahren

Die neue Operationstechnik basiert auf einem speziell entwickelten Kunststoffnetz (Prolene), das in das Beckenbodengewebe einwächst. Mit dem Netz werden die Organe wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht, der Beckenboden verlässlich stabilisiert und somit wird ein erneutes Absinken verhindert. Für den Eingriff sind – je nach Art und Ausmaß des Vorfalls – 2 bis 6 kleine Schnitte erforderlich, die später so gut wie nicht mehr sichtbar sind. Das Einbringen des Netzes wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert zwischen 1und 2 Stunden. Die Patientin kann das Krankenhaus im Normalfall nach 5 bis 6 Tagen verlassen und muss sich ca. 8 Wochen lang schonen.

Anwendung in Österreich

„Bisher waren die Erfolgsraten aufgrund verschiedener Operationstechniken unterschiedlich hoch. Durch das neue standardisierte Verfahren und das erprobte Netzmaterial kann die Erfolgsquote des chirurgischen Eingriffs deutlich erhöht werden“, begründet Univ.-Prof. Dr. Heinrich Salzer, Vorstand der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des Wiener Wilhelminenspitals, die Anwendung der neuen OP-Methode.

Univ.-Prof. Dr. George Ralph, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Landeskrankenhaus Leoben, sieht einen Hauptvorteil darin, dass Gebärmutter-erhaltend operiert werden kann: „Die klassischen Operationsmethoden zur Behebung eines Beckenbodendefekts waren mit einer Entfernung der Gebärmutter verbunden. Bei ausgeprägten Senkungen bzw. Gebärmuttervorfall können mit dem Netz auch bei Erhalt der Gebärmutter gute anatomische Verhältnisse geschaffen werden.“ Dem stimmt auch Univ.-Doz. Dr. Walter Neunteufel, Abteilungsleiter für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus Dornbirn und Vorsitzender der Österreichischen Arbeitsgruppe für Urogynäkologie und Rekonstruktive Beckenbodenchirurgie (AUB) zu und ergänzt: „Der Einsatz von Netzimplantaten zur Behebung von Scheiden-, Blasen-, Mastdarm-, und Gebärmuttersenkung ist eine viel versprechende neue Operationsmethode.“
Univ.-Prof. Dr. Paul Riss, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Urogynäkologie und Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Landesklinikums Mödling zu dieser Methode: „In Österreich wird dieses Operationsverfahren vor allem auch dann eingesetzt werden, wenn der erste chirurgische Eingriff am Beckenboden nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.“

Das Prolift-Operationsverfahren wird in Österreich seit Juni 2005 angewandt. Erste Patientinnen konnten bereits erfolgreich mit Prolift operiert werden.

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Beckenbodentraining
– Ernährungslexikon
– Blasenschwäche (Harninkontinenz)
– Endometriose – die unerkannte Krankheit