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Alkohol im Alltag – Lust oder Last?

Alkohol im Alltag – Lust oder Last?

Alkohol, Alkoholsucht, Genussmittel

Ausgelassene Familienfeiern und rauschende Feste haben im Winter Hochsaison, und meist werden solch schöne Momente mit einem guten Tropfen abgerundet. Gersten- und Rebensaft sind kulturell in Europa tief verwurzelt, nirgendwo sonst auf der Welt wird mehr Alkohol getrunken. Dass über die gesundheitlichen Risiken gerne hinweggesehen wird, verwundert daher nicht. Doch bis zu welcher Dosis wirkt Alkohol als Lebenselixier und ab wann als schädliches Gift?

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Als Genussmittel haben Bier, Wein und Schnaps in Österreich eine lange Tradition. Getrunken wird gerne und bei jeder Gelegenheit. Familienfeste, Partys, Geschäftsessen oder kleine Erfolge im Alltag geben Anlass, „Prost“ zu sagen. Doch genau diese Verhaltensweise, bei der Alkohol mit der Aussicht auf Spaß und Entspannung quasi als Belohnung konsumiert wird, setzt nicht selten einen verheerenden Teufelskreis in Gang. Manch einer blickt nämlich zu oft zu tief ins Glas, und die positiven Effekte des Alkoholkonsums weichen den Schattenseiten des Missbrauchs und der Sucht.

Trinken ohne Risiko

Ernährungswissenschafter betonen, dass nicht die totale Abstinenz das Ziel von Aufklärungskampagnen sein sollte, sondern, wie in so vielen Bereichen des Lebens, ein Bewusstsein für die richtige Dosis – denn erst die Menge macht Alkohol zum Gift! Tatsächlich gilt aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ein moderater Alkoholkonsum als gesundheitlich akzeptabel, wenn dies auch nicht als explizite Aufforderung zum Trinken verstanden werden sollte. Die Faustregel für die tägliche Dosis lautet:

Frauen sollten nicht mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen, Männer nicht mehr als 20 Gramm. Dies entspricht einem Achtel Wein (0,125 l) oder Seidel Bier (0,33 l) für die Damen und einem Viertel Wein (0,25 l) oder Krügel Bier (0,5 l) für die Herren.

Das gesunde Maß ist schnell überschritten …

Ungeachtet dessen wird immer wieder über die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Rotwein berichtet, was bei Konsumenten beträchtliche Verwirrung stiftet.

Ausgangspunkt für die Annahme, dass moderater Genuss von Rotwein förderlich für die Gesundheit sei, war jene als „Französisches Paradox“ bezeichnete Beobachtung im Jahr 1979, die belegte, dass Franzosen eine höhere Lebenserwartung aufweisen als Bewohner anderer Länder, obwohl sie sich fettreicher und üppiger ernähren. Als einzig plausible Erklärung musste der höhere Rotweinkonsum herhalten, eine Vermutung, die mittlerweile wissenschaftlich bestätigt wurde. Verantwortlich für die herzschützende (kardioprotektive) Wirkung von Wein sind dessen phenolische Inhaltsstoffe, vor allem Resveratrol² und Quercetin, die im Rotwein in hoher Konzentration enthalten sind.

Doch auch wenn die präventive Wirkung gegenüber Herz-Kreislauferkrankungen durch die in Rotwein enthaltenen Phenole belegt ist, bleibt Alkohol ein Zellgift mit Suchtpotenzial. Vor dem Hintergrund der gravierenden sozialmedizinischen Folgen eines chronischen Alkoholkonsums warnen Wissenschafter daher dringend davor, diesen zu verharmlosen oder alkoholische Getränke als „Prophylaxe“ vor einer das Herz und das Gefäßsystem betreffenden (kardiovaskulären) Erkrankung zu empfehlen.

Chronischer Alkoholmissbrauch, und dies ist gewiss, schädigt zahlreiche Organe wie die Leber, Pankreas oder das Gehirn teilweise irreversibel und trägt zur Entstehung von Krebs bei. Gefragt ist darum ein kritischer Blick auf den eigenen Alkoholkonsum, ein Abwägen des persönlichen Gesundheits- und Gemütszustandes und der Suchtgefahr gegen die positiv wirksamen Genusskomponenten alkoholischer Getränke.

Mögliche Gesundheitsschäden durch „normalen“ Alkoholkonsum

Heute weiß man, dass das tägliche Trinken auch nur kleiner Alkoholmengen zu einer Blutdruckerhöhung führen kann. Ein erhöhter Blutdruck ist ein Risikofaktor für den Herzinfarkt und die wichtigste Ursache für den Schlaganfall.

Aufgrund der Wirkung des Alkohols auf die Insulinausschüttung und den Fettstoffwechsel ist die chronische Alkoholzufuhr auch eine Ursache für den Diabetes mellitus Typ II und für frühzeitige Arteriosklerose, Fettsucht, Gicht und Neuralgien.

Weiters schädigt regelmäßiges stärkeres Trinken das Nervensystem. Es beeinflusst auch die Sexualfunktion. Bei Männern kann es zu Potenzstörungen kommen, bei Frauen zu Zyklusstörungen und zu Störungen des Sexualtriebes.¹

Tipps zum „Promille-bewussten“ Umgang mit Alkohol

Der Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) hat zu diesem Thema folgende Tipps zusammengestellt:

  • Mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche fix einplanen.
  • Eine selbst auferlegte moderate Wochenration einhalten.
  • Alkohol nicht zum Durstlöschen trinken. Öfter zu alkoholfreien Getränken greifen, wie Soda-Zitrone oder gespritzten Obstsäften. Zu Wein und Bier immer mindestens doppelt soviel Wasser trinken.
  • Nicht vor dem Essen trinken!
  • Besser langsam trinken und mit kleinen Schlucken.
  • Für Schwangere sowie Stillende, Fahrzeuglenker, bei Medikamenteneinnahme und während des Arbeitstages bleibt Alkohol ein Tabu.

Am besten ist, man nimmt sich vor, ohne Anlass (Gäste, Feier) zu Hause keinen Alkohol mehr zu trinken. Besprechen Sie sich mit Ihren Familienangehörigen und treffen Sie gemeinsam eine Übereinkunft.

Durch bestimmte Laboruntersuchungen lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen, ob der Alkoholkonsum bereits zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung geführt hat. Ist dies der Fall, sollte für einige Wochen auf jeglichen Alkoholkonsum verzichtet werden. Eine neuerliche Laboruntersuchung nach dieser Abstinenzphase wird dann zeigen, ob sich die Werte normalisiert haben. Dies ist bei alkoholbezogenen Gesundheitsproblemen häufig der Fall. Danach sollte jedenfalls danach getrachtet werden, die als Grenze empfohlene Risikodosis pro Woche nicht zu überschreiten.

Suchtexperten raten Risikogruppen und Viel-Trinkern zu gesundheitsfördernden Alternativen zum Alkohol: Sport, kreative Betätigung und intensive Sozialkontakte.

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¹ Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen

² Update: Die in den letzten Jahren in Resveratrol gesetzten großen Hoffnungen vieler Mediziner dürften nicht ganz so berechtigt gewesen sein, wie vermutet. Die Annahme, dass das antioxidativ wirkende Polyphenol – das vor allem in Rotwein, Schokolade und Granatäpfeln verstärkt vorkommt – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder gar Krebs reduzieren würde, konnte von US Wissenschaftern nicht bestätigt werden. Jedenfalls konnte eine im Fachblatt Jama Internal Medicine veröffentlichte neue Studie der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore diese Effekte nicht feststellen. Die Ursachen für die nachgewiesenen positiven Effekte beim Konsum von Rotwein & Co. sind damit allerdings wieder unklar. (Stand: Mai 2014)

Quellen:

Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs
Alkohol nur ein Genussmittel? (Uni Heidelberg)

Linktipps:

– Glühwein, Punsch & Co. – Genuss ohne Reue
– Gefahrenquelle Alkohol
– Zuviel Alkohol bedeutet Gefahr für die Leber
– Gesundheitsgefahren durch Alkohol (Deutsche Krebsgesellschaft e. V.)

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Kave Atefie





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