Schlaganfall: Stroke Units erhöhen Überlebenschancen

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stroke unit

Jährlich erleiden rund 20.000 Menschen in Österreich einen Schlaganfall. Mehr als jeder dritte Betroffene stirbt daran. Die Überlebenden sind oft ein Leben lang pflegebedürftig. Bestmögliche Überlebens- und Heilungschancen bieten so genannte Stroke Units. In Österreich gibt es inzwischen 30 dieser modernen Versorgungszentren für Schlaganfallpatienten.

Der Begriff Stroke Unit beschreibt zunächst Spezialstationen in Krankenhäusern, die auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten spezialisiert sind. Diese Spezial-Einrichtungen, eben sogenannte Stroke Units, verbessern die Überlebenschancen nach einem Schlaganfall erheblich. Diese modernen Versorgungszentren für Schlaganfallpatienten garantieren nämlich eine optimale Erstversorgung von Betroffenen und halten damit den Schaden gering.

Wer nach einem akuten Schlaganfall in ein solches Spezial-Behandlungszentrum eingeliefert wird, besitzt nachweislich bessere Heilungschancen. Das hat nun auch eine groß angelegte Studie in Mailand bestätigt, die in der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ am 27. Jänner 2007 veröffentlicht wurde. In Österreich, wo es derzeit 30 Stroke Units gibt, ist der Ausbau auf 40 geplant. Um Patienten optimal zu versorgen, haben sich bereits die meisten Stroke Units, Rettungsdienste, Akutabteilungen, Rehabilitationseinrichtungen und Kostenträger zu Netzwerken zusammengeschlossen.

Schlaganfall Einheiten – Stroke Units

In Österreich muss, laut Auskunft der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfallforschung, eine Schlaganfalleinheit folgende Voraussetzungen erfüllen:

– Ein Facharzt für Neurologie muss rund um die Uhr anwesend sein.
– Ein Internist muss ständig verfügbar sein.
– Computertomographie, Ultraschalluntersuchung und Labor müssen ebenfalls rund um die Uhr verfügbar sein.
– Bestimmte Untersuchungen wie z.B. Angiographie oder MR-Angiographie müssen jederzeit möglich sein.
– Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten müssen in ausreichendem Maße für die Frührehabilitation zur Verfügung stehen.

Nach Beendigung der Akutbehandlung, entweder auf der Schlaganfalleinheit oder auf der allgemeinen Bettenstation, was insgesamt schon nach wenigen Tagen der Fall sein kann, soll die dort begonnene frühe Rehabilitation in eine reguläre längerdauernde Rehabilitationsbehandlung einmünden.

Seit 2003 werden an einer wachsenden Zahl Österreichischer Stroke Units schlaganfallrelevante Daten in einem überregionalen Register dokumentiert. Das Register wird vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen betreut und wurde gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfallforschung ins Leben gerufen.

Symptome erkennen lernen – jede Minute zählt

Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Schädigung des Gehirns mit daraus resultierenden neurologischen Ausfallserscheinungen gekennzeichnet. Das kann vom einfachen – im Volksmund als „Schlagerl“ bezeichneten – Vorfall, bis hin zum massiven Schlaganfall mit Todesfolge reichen. In der Todesursachen-Statistik liegt die Erkrankung hinter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen an dritter Stelle.

Da gerade bei einem Schlaganfall die ersten Stunden nach dem Ereignis besonders wichtig für einen raschen und positiven Verlauf der Genesung sind, ist es wichtig, dass auch Laien die Symptome erkennen lernen um sofort handeln zu können.

  • Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht
  • Plötzliche Gefühlsstörung einer Körperhälfte, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht
  • Unverständliche Sprache, gestörtes Sprachverständnis
  • Halbseitige Störung des Gesichtsfeldes
  • Halbseitige Störung der Wahrnehmung
  • Ungerichteter Schwindel mit zusätzlichen Krankheitszeichen

Etwa 80 bis 85 Prozent aller Schlaganfälle sind ischämische Hirninfarkte, die durch die Verstopfung arterieller Gefäße im Gehirn verursacht werden. Mittels Thrombolyse, ein Therapieverfahren, das ein Blutgerinnsel auflöst, kann ein verstopftes Blutgefäß wieder durchgängig gemacht und der Ausfall von bedrohtem Gehirngewebe verhindert werden.

Die Wirksamkeit der Thrombolyse ist derzeit allerdings nur gegeben, wenn spätestens drei Stunden nach einem Schlaganfall mit der Behandlung begonnen wird. Auch wenn Studien über das Thrombolytikum Desmoteplase bereits zeigen, dass auch neun Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome damit noch hervorragende Ergebnisse zu erzielen sind, ist eine rasche und zielgerichtete Erstversorgung entscheidend.

Was kann man als Laie tun?

1. Sofort den Notarzt rufen oder einen Notruf veranlassen!
2. Fenster öffnen, beengende Kleidungsstücke lockern!
3. Betroffenen mit dem Oberkörper 30 Grad hochlagern. Bei Übelkeit oder Erbrechen in Seitenlage bringen!
4. Vorhandene Zahnprothesen entfernen!
5. Puls- und Herzschlag kontrollieren!
6. Atemwege freihalten!
7. Für Ruhe des Betroffenen sorgen!

Achtung: Ignorieren sie keinesfalls kurzzeitig auftretende Symptome, wie halbseitige Schwächen, Gefühlsstörungen, Seh- oder Sparchstörungen. Die so genannte transistorisch ischämische Attacke – im Volksmund „Schlagerl“ – ist ganz besonders tückisch, da die Symtome hier von kurzer Dauer sind und sich fast immer innerhalb von 10 Minuten vollständig zurückziehen. Die Gefahr bei Nichtbeachtung besteht darin, dass etwa 50 Prozent der Betroffenen innerhalb der darauffolgenden 48 Stunden einen richtigen Schlaganfall erleiden.

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Schlaganfall erkennen und richtig reagieren
– Erste Hilfe bei Schlaganfall: jede Minute zählt!
– Neurologie was ist das?
– Krankheitslexikon: Aneurysma | Krankheitslexikon
– Geriatrie: Herausforderung Altenpflege
– Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung

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