Polyarthritis-Patienten: Zahnfleisch-Untersuchung sinnvoll

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Parodontitis

Chronische Polyarthritis ist eine Rheumaerkrankung, von der bis zu 2 % der Bevölkerung betroffen sind. Es handelt sich damit um die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Sind Patienten zusätzlich von einer Parodontitis betroffen, kann deren Behandlung auch die Symptome der Polyarthritis mildern, so eine Studie.

Univ.-Prof. DDr. Peter Solar, (c) Univ.-Prof. DDr. Peter Solar

Univ.-Prof. DDr. Solar

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats (Paradontium), die, wenn sie unbehandelt bleibt, im Laufe der Zeit zu einem nicht rückgängig zu machenden Knochenabbau führt. „Parodontitis ist heimtückisch, denn sie tut nicht weh und zeigt sich nur gelegentlich durch Zahnfleischbluten. Dieses wird leider oft ignoriert. So kann die Entzündung unbemerkt voranschreiten, lockert Zähne und schädigt über den Blutkreislauf andere Organe“, so der Wiener Zahnarzt Univ.-Prof. DDr. Peter Solar.

Nun haben im Journal of Periodontology veröffentlichte Studien¹ bestätigt, dass die Blutmarker, an denen sich die Aktivität von Polyarthritis ablesen lässt, deutlich absinken, sobald eine Sanierung einer gleichzeitig vorhandenen Parodontitis erfolgt ist. Gelenksschmerzen gehen zurück, was die Lebensqualität des Patienten deutlich erhöht.

Rechtzeitige Behandlung unabdingbar

Univ.-Doz. Prim. Dr. Peter Peichl, Rheumatologe und Immunologieexperte

Prim. Dr. Peter Peichl

Die Ursachen für Paradontitis wie auch für rheumatisch bedingte Erkrankungen sind ähnliche: Man geht, neben genetisch bedingten Faktoren, auch bei Parodontitis von einer Störung des Immunsystems aus. Beide Erkrankungen, so Univ.-Doz. Prim. Dr. Peter Peichl, Rheumatologe und Immunologieexperte am Evangelischen Krankenhaus-Wien, sollten rechtzeitig behandelt werden. Treten regelmäßig Gelenksschmerzen auf, ist es an der Zeit, den Symptomen auf den Grund zu gehen.

Dr. Walter Übleis, Arbeits- und Allgemeinmediziner

Dr. Walter Übleis

Mit einer Vollblutanalyse, so der Wiener Arbeitsmediziner Dr. Walter Übleis, könne man Erkenntnisse über die Immunitätslage eines Patienten gewinnen und so eine maßgeschneiderte Therapie erarbeiten. Die nun veröffentlichten Studien legen darüber hinaus eine genauere Untersuchung des Zahnfleisches nahe. Bei konsequenter Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten ist es heutzutage in vielen Fällen möglich, das Fortschreiten der Polyarthritis komplett zu stoppen.

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¹ Journal of Periodontology (USA), Vol. 80

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Erkrankungen der Zähne
– Rheumatische Erkrankungen
– Polyarthritis

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