Mikroplatten Reader: Labortechnik im Einsatz für die Sicherheit von Arzneimitteln

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Mikroplatten reader im Laboreinsatz

Fotocredit: Herz As Media | AI

Mikroplatten Reader sind in der pharmazeutischen Qualitätskontrolle kaum mehr wegzudenken – ein verständlicher Überblick über Funktionsweise, Einsatzbereiche und ihre Bedeutung für die Arzneimittelsicherheit.


Von Screening bis Qualitätskontrolle: Mikroplatten Reader sind Schlüsseltechnologie für sichere Arzneimittel und verlässliche Laborergebnisse.

Mikroplatten Reader – Artikelübersicht:

Warum Medikamentensicherheit zunehmend komplexer wird

Die Palette verfügbarer Arzneimittel ist heute so groß wie nie. Gleichzeitig sind die Anforderungen an ihre Sicherheit erheblich gestiegen.

Globale Lieferketten, in denen Wirkstoffe, Hilfsstoffe und Fertigpräparate oft über mehrere Kontinente transportiert werden, erhöhen das Risiko von Verunreinigungen, Qualitätsschwankungen und Fälschungen.

Hinzu kommt eine wachsende Zahl biotechnologisch hergestellter Arzneimittel, deren Analyse ungleich komplizierter ist als jene klassischer chemischer Verbindungen.

Regulierungsbehörden wie die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) oder die US-amerikanische FDA haben ihre Vorgaben für pharmazeutische Hersteller in den vergangenen Jahren entsprechend verschärft.

Bis 2026 ist die Digitalisierung von Labordaten, die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Chargen und die Automatisierung von Prüfverfahren zu einem zentralen Thema der gesamten Branche geworden.

Moderne Laborgeräte spielen dabei eine Schlüsselrolle und Mikroplatten Reader gehören zu den vielseitigsten Werkzeugen, die der pharmazeutischen Analytik zur Verfügung stehen.

Was Medikamentensicherheit konkret bedeutet

Wenn von Medikamentensicherheit die Rede ist, geht es um weit mehr als das bloße Fehlen offensichtlicher Schäden.

Ein Arzneimittel gilt dann als sicher, wenn es:

● wirksam ist, also den beabsichtigten therapeutischen Effekt tatsächlich erzielt,
● verträglich ist, das heißt unerwünschte Nebenwirkungen in einem vertretbaren Rahmen bleiben,
● frei von Verunreinigungen ist, also keine schädlichen Fremdstoffe, Abbauprodukte oder Mikroorganismen enthält,
● stabil ist, sodass Wirkstoffgehalt und Qualität über die gesamte Haltbarkeitsdauer erhalten bleiben.

Diese Anforderungen sind in internationalen Regelwerken verankert, etwa in den Good Manufacturing Practice (GMP)-Richtlinien der EU, den ICH-Leitlinien zur pharmazeutischen Entwicklung sowie nationalen Arzneimittelgesetzen.

Pharmaunternehmen sind gesetzlich verpflichtet, jede Charge eines Medikaments vor der Freigabe umfassend zu testen.

Qualitätskontrolle ist also kein optionaler Zusatz, sondern eine rechtlich bindende Voraussetzung für das Inverkehrbringen von Arzneimitteln.

Moderne Labordiagnostik in der Pharmazie

Präzise analytische Verfahren sind das Fundament jeder pharmazeutischen Qualitätssicherung.

Im Labor werden Wirkstoffe auf ihre Reinheit geprüft, Konzentrationen bestimmt, biologische Aktivitäten getestet und potenzielle Verunreinigungen aufgespürt.

Dabei kommen unterschiedlichste Methoden zum Einsatz, von der Hochleistungsflüssigchromatografie (HPLC) über die Massenspektrometrie bis hin zu photometrischen und fluoreszenzbasierten Verfahren.

Ein wesentlicher Trend der letzten Jahre ist die Miniaturisierung und Parallelisierung von Analysemethoden.

Anstatt Proben einzeln nacheinander zu untersuchen, können moderne Geräte Dutzende oder gar Hunderte von Proben gleichzeitig messen. Das spart nicht nur Zeit, sondern erhöht auch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und reduziert den Materialverbrauch.

Wichtige Laborgeräte sind hier die sogenannten Mikroplatten Reader.

Mikroplatten Reader einfach erklärt

Ein Mikroplatten Reader (auch Mikrotiterplatten-Lesegerät oder Plate Reader genannt) ist ein Laborinstrument, das dazu dient, optische Signale aus kleinen Probenmengen zu messen, die in speziellen Platten angeordnet sind. Diese sogenannten Mikroplatten (oder Mikrotiterplatten) bestehen aus Kunststoff und enthalten eine Vielzahl von kleinen Vertiefungen, sogenannten Wells. Standardisierte Formate umfassen 96, 384 oder sogar 1536 Wells auf einer einzigen Platte.

In jede dieser Vertiefungen wird eine winzige Menge einer Probe gegeben, etwa eine Lösung mit einem Wirkstoff, eine Zellkultur oder ein biologisches Testgemisch. Der Mikroplatten Reader misst dann sequenziell oder simultan das optische Verhalten dieser Proben.

Je nach Gerät und Messprinzip werden dabei verschiedene Signaltypen erfasst:

Absorption (Extinktion): Das Gerät misst, wie viel Licht einer bestimmten Wellenlänge von der Probe absorbiert wird. Dieses Verfahren ist besonders verbreitet bei der Konzentrations­bestimmung von Proteinen, Nukleinsäuren oder gefärbten Verbindungen.
Fluoreszenz: Manche Stoffe oder Farbstoffe senden nach Anregung durch Licht selbst Licht aus. Diese Eigenschaft lässt sich nutzen, um biologische Vorgänge sichtbar zu machen oder bestimmte Moleküle nachzuweisen.
Lumineszenz: Chemische oder biologische Reaktionen können Licht erzeugen, ohne dass eine externe Lichtquelle nötig ist. Lumineszenz-basierte Assays werden unter anderem in der Zellbiologie und beim Nachweis von Zellviabilität eingesetzt.

Das Ergebnis ist ein Datensatz mit Messwerten für jedes einzelne Well, der automatisiert ausgewertet werden kann.

Für Personen ohne naturwissenschaftlichen Hintergrund lässt sich das Prinzip mit einem modernen Fotoapparat vergleichen, der nicht ein einzelnes Bild, sondern Hunderte von Bildern gleichzeitig aufnimmt – nur dass hier statt Licht biologische oder chemische Informationen eingefangen werden.

Warum Mikroplatten Reader für die Arzneimittelsicherheit relevant sind

Der entscheidende Vorteil dieser Technologie liegt in ihrer Kombination aus Durchsatz, Präzision und Empfindlichkeit. Mikroplatten Reader können kleinste Mengen einer Substanz mit hoher Genauigkeit erfassen, also Konzentrationen, die für das menschliche Auge oder einfachere Methoden unsichtbar wären.

Das ist in der Pharmazeutik von großer Bedeutung: Schon geringe Spuren eines Verunreinigungsstoffes können bei manchen Patientengruppen schwerwiegende Reaktionen auslösen.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit sind Nitrosamin-Verunreinigungen in bestimmten Bluthochdruck- und Diabetesmedikamenten, die international zu umfangreichen Rückrufen geführt haben. Sensible optische Messverfahren helfen dabei, solche Problemstoffe frühzeitig zu identifizieren.

Gleichzeitig ermöglicht die Parallelverarbeitung vieler Proben, dass statistische Ausreißer und Chargenunterschiede schneller erkannt werden.

Wenn aus einer Produktionscharge 96 Proben gleichzeitig gemessen werden und nur einzelne davon auffällige Werte zeigen, lässt sich das Problem gezielt eingrenzen, statt aufwändig Probe für Probe zu suchen.

Typische Einsatzbereiche in der pharmazeutischen Praxis

Wirkstoffanalyse und Konzentrationsbestimmung

Zu den häufigsten Anwendungsfällen zählt die quantitative Bestimmung von Wirkstoffgehalten.

Dabei wird gemessen, ob die Konzentration des aktiven Inhaltsstoffes innerhalb der vorgeschriebenen Toleranzgrenzen liegt. Zu viel Wirkstoff kann toxisch sein, zu wenig führt zur Wirkungslosigkeit.

Photometrische Messungen mit Mikroplatten Readern sind für diese Aufgabe schnell, kostengünstig und gut automatisierbar.

Nachweis von Verunreinigungen

Im Rahmen der Qualitätskontrolle werden Proben auf unerwünschte Substanzen geprüft.

Dazu gehören Restlösungsmittel aus dem Herstellungsprozess, Abbauprodukte des Wirkstoffs, mikrobielle Kontaminanten oder Fremdproteine.

Enzyme-linked Immunosorbent Assays (ELISA), die häufig auf Mikroplatten Reader-Technologie basieren, sind ein bewährtes Verfahren zum spezifischen Nachweis solcher Substanzen.

Testung biologischer Reaktionen und Zellprozesse

Besonders für biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, aber auch für die präklinische Forschung sind zellbasierte Assays unverzichtbar.

Dabei werden lebende Zellen auf Mikroplatten kultiviert und ihre Reaktion auf Wirkstoffe gemessen (etwa Zellwachstum, Zelltod oder die Freisetzung bestimmter Botenstoffe).

Diese Tests liefern Informationen über die biologische Wirksamkeit und mögliche Toxizität eines Arzneimittels, die chemische Analysen allein nicht erfassen könnten.

Aktuelle technologische Entwicklungen

Die Weiterentwicklung der Mikroplatten Reader-Technologie schreitet kontinuierlich voran.

Mehrere Trends sind dabei aktuell zu sehen:

Höhere Messempfindlichkeit: Neue Detektortechnologien erlauben die Messung noch kleinerer Substanzmengen. Das ist insbesondere für die Analytik hochpotenter Wirkstoffe relevant, die bereits in geringsten Konzentrationen biologisch aktiv sind.
Automatisierung und Robotik: Mikroplatten Reader werden zunehmend in vollautomatische Laborsysteme integriert. Robotergestützte Pipettiersysteme befüllen die Platten, der Reader misst, und Auswertesoftware verarbeitet die Daten, ohne manuelle Eingriffe. Das reduziert menschliche Fehler und erhöht die Reproduzierbarkeit.
Digitale Datenintegration: In modernen GMP-konformen Labors müssen alle Messdaten lückenlos dokumentiert und auditierbar sein. Aktuelle Geräte verfügen über Schnittstellen zu Laborinformationsmanagementsystemen (LIMS), die eine durchgehend digitale Prozesskette ermöglichen.
Multi-mode Reader: Geräte, die mehrere Detektionsmodi in einem einzigen Instrument vereinen – also etwa Absorption, Fluoreszenz und Lumineszenz –, gewinnen an Bedeutung. Sie bieten Labors mehr Flexibilität ohne den Aufwand mehrerer spezialisierter Geräte.
Miniaturisierung der Assays: Durch die Nutzung von 384- oder 1536-Well-Platten lassen sich Ressourcen, Zeit und Kosten weiter reduzieren, was insbesondere in der pharmazeutischen Forschung und bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe von Vorteil ist.

Qualitätssicherung durch moderne Analysegeräte

In der pharmazeutischen Qualitätskontrolle ist die Validierung von Analysemethoden eine zentrale Anforderung.

Das bedeutet: Es muss nachgewiesen sein, dass eine Methode das misst, was sie messen soll, und dass die Ergebnisse reproduzierbar, präzise und frei von systematischen Fehlern sind. Mikroplatten Reader erfüllen dank standardisierter Formate und moderner Kalibriermechanismen diese Anforderungen in hohem Maß.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Vergleichbarkeit: Da Mikroplatten weltweit nach denselben Standards gefertigt werden und Reader-Geräte nach international anerkannten Normen kalibriert und qualifiziert werden können, lassen sich Ergebnisse aus verschiedenen Labors – etwa bei der Auftragsfertigung oder in multinationalen klinischen Studien – zuverlässig miteinander vergleichen.

Das ist für die globale Pharmaindustrie, die oft länderübergreifend produziert und prüft, ein bedeutsamer Faktor.

Bedeutung für Patienten und das Gesundheitssystem

Die Konsequenzen aus diesen Laborprozessen sind für die Allgemeinheit spürbar, auch wenn die technischen Details oft verborgen bleiben.

Jede Tablette, jede Injektionslösung, jeder Impfstoff, der in einer Apotheke oder Arztpraxis abgegeben wird, hat zuvor einen umfangreichen Prüfprozess durchlaufen und Mikroplatten Reader sind dabei in vielen Fällen involviert.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das konkret: Die Wahrscheinlichkeit, ein Medikament mit zu niedrigem oder zu hohem Wirkstoffgehalt, mit schädlichen Verunreinigungen oder unzureichender biologischer Aktivität zu erhalten, wird durch diese Technologie erheblich reduziert.

Gerade für vulnerable Gruppen ist diese Sicherheit von besonderer Bedeutung, da ihr Organismus oft empfindlicher auf Qualitätsschwankungen reagiert.

Aus der Perspektive des Gesundheitssystems gilt: Qualitätsmängel bei Arzneimitteln können kostspielige Rückrufaktionen, Nachuntersuchungen und im schlimmsten Fall Gesundheitsschäden nach sich ziehen.

Investitionen in präzise Labordiagnostik, zu der Mikroplatten Reader zählen, sind daher nicht nur eine regulatorische Pflicht, sondern auch aus gesundheitsökonomischer Sicht sinnvoll.

Ausblick: Wie sich die Labortechnologie weiterentwickeln wird

Die Innovationsgeschwindigkeit in der Labortechnologie bleibt hoch. In den kommenden Jahren ist davon auszugehen, dass künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Auswertung von Messdaten spielen werden.

Algorithmen, die Muster in großen Datensätzen erkennen, könnten dabei helfen, Qualitätsabweichungen früher zu identifizieren, als es menschliche Analytiker könnten.

Auch die Integration von Mikroplatten Reader-Technologie in sogenannte Lab-on-a-Chip-Systeme (miniaturisierte Laboranalysen auf winzigen Chips) gilt als vielversprechende Entwicklungsrichtung.

Solche Systeme könnten in Zukunft nicht nur in zentralen Pharmalabors, sondern auch dezentral, etwa in der Begleitdiagnostik oder bei der Chargenkontrolle vor Ort, eingesetzt werden.

Die Qualitätssicherung bei Arzneimitteln wird durch diese Entwicklungen weiter an Präzision und Effizienz gewinnen. Was heute in der Forschung erprobt wird, ist oft schon morgen in der Routineanalytik angekommen, zum Wohl der Patientinnen und Patienten weltweit.

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Quellen:

1 EudraLex Volume 4 – Good Manufacturing Practice (GMP) guidelines (health.ec.europa.eu)
2 Arzneimittelqualität – Rechtliche Grundlagen (basg.gv.at)
3 BMG LABTECH: Microplate Reader – Grundlegende Informationen, Funktionsprinzip und Detektionsmodi (bmglabtech.com)
4 Nitrosamine: EMA aktualisiert Grenzwerte für Verunreinigungen in Tabletten (medonline.at)
5 European Medicines Agency (EMA): Drug Development and Laboratory Testing (ema.europa.eu)
6 Österreichische Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC): Labordiagnostik Schilddrüse (oeglmkc.at)

Linktipps – Antikörper (Immunglobuline)

– Krank durch Medikamente – Welche Risiken Arzneimittel in sich bergen
– Antibiotikaresistenz – Wenn Antibiotika nicht mehr wirken
– Biopharmazeutika – Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel
– Laborwerte – Gesundheit in Zahlen
– Was sind Generika?

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Zur Information: Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens.

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