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Medizinlexikon: Harnwegsinfekt

Medizinlexikon: Harnwegsinfekt

Harnwegsinfekt, Medizinlexikon Ansichtsbild

Als Harnwegsinfekt (HWI) wird eine durch Krankheitserreger verursachte Infektionskrankheit der ableitenden Harnwege bezeichnet. Normalerweise ist Urin steril, befinden sich allerdings Bakterien darin deutet der Nachweis auf eine Harnwegsinfektion hin. Um dem Befund eine krankhafte Bedeutung zu geben, muss allerdings zuerst ausgeschlossen werden, dass die Bakterien durch eine unsterile Urinentnahme in den Urin gelangt sind. Rund 50 Prozent oder etwa 2,2 Millionen der österreichischen Frauen leiden einmal im Leben an einem Harnwegsinfekt.

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Ungewöhnlich häufiger Harndrang mit geringen Harnmengen, erschwertes Urinieren, Brennen beim Harnlassen und Schmerzen im Unterbauch sind mögliche Anzeichen für einen akuten Harnwegsinfekt. Trüber oder blutiger Urin sind weitere Symptome einer Harnwegsinfektion (Zystitis). Besonders Frauen sind häufig von Harnwegsinfekten betroffen. Dies aufgrund der anatomischen Nähe des Darmausgangs zur Mündung der Harnröhre und die Kürze der Harnröhre.

Hauptauslöser für Harnwegsinfekte sind Bakterien vom Stamm der Escherichia coli, die natürlicherweise den Darm besiedeln und dort keinen Krankheitswert haben. Gelangen die Keime Keime allerdings in die weiblichen Harnwege und besiedeln Harnröhre und Harnblase, können sie rasch eine Entzündung verursachen. Deshalb müssen Frauen einige Regeln beachten, um das Risiko für eine Infektion möglichst gering zu halten:

  • Toilettenhygiene von vorne nach hinten
  • Vorsicht bei Bädern, da Keime, die im badewasser vorhanden sind, über die Harnröhre eindringen können
  • Nach dem Schwimmen in öffentlichen Bädern auf die Toilette gehen um etwaige bakterien auszuschwemmen
  • Intimwaschmittel und Desinfektionsmittel für Intimhygiene meiden, da sie die natürliche Scheidenflora verändern, sodass Keime besonders gute Chancen haben einzudringen
  • Ausreichend Flüssigkeit (mind. 2 Liter) trinken, damit die Harnwege stets gut durchgespült werden
  • Geschlechtsverkehr erhöht die Gefahr einer Harnwegsinfektion, danach sofort zur Toilette
  • Harn nie lange zurückhalten

Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Abwehrschwäche, Unterkühlungen und Störungen im Abfluss des Urins wie Prostatavergrößerungen oder Harnröhrenverengungen können Blasenentzündungen begünstigen.

Diagnose: Durch Schilderung der Krankheitssymptome und einen Harntest ist die Diagnose beim Arzt meist leicht gestellt. In manchen Fällen ist auch eine Blutuntersuchung (Blutbild), eine Ultraschall-Untersuchung oder ein Kontrastmittelröntgen (Urographie) erforderlich, um andere Erkrankungen im Unterleib auszuschließen.

Therapie: Unkomplizierte symptomatische bakterielle Infektionen der unteren Harnwege werden mit Antibiotika behandelt. Dabei ist eine Einnahme des Antibiotikums kurz vor dem Schlaf optimal, um die Konzentration der Wirksubstanz in der Blase zu erhöhen.

Auch bestimmte Heilpflanzen wie Birkenblätter, Löwenzahn, Hauhechelwurzel, Petersilienwurzel und Goldrutenkraut können sowohl als Therapie als auch vorbeugend mit reichlich Flüssigkeit – mindestens 2 l – eingenommen werden.

Um einen entzündlichen Harnweg zu behandeln, reicht eine einfache Durchspültherapie nicht aus. In diesem Fall kommen Arzneipflanzen bzw. entsprechende Kombinationen mit antibakterieller Wirkung zum Einsatz. Die Wirkung solcher Kombinationen beruht einerseits auf der Durchspülung, die den Selbstreinigungsprozess unterstützt, und einer antibakteriellen Wirkung, die die Keimzahl reduziert. Besonders bewährt haben sich dabei Preiselbeeren und Cranberries – sie hemmen die Anhaftung von Bakterien und fördern damit die natürlich vorgesehene Ausschwemmung durch den Urin. Bei Cranberrypräparaten ist eine Verminderung der Adhärenz von Bakterien an den Harnwegsoberflächen wissenschaftlich nachgewiesen.

Treten Schmerzen beim Wasserlassen oder ein häufiger, unerklärlicher Harndrang auf, ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Je früher Harnwegsentzündungen erkannt und behandelt werden, desto unkomplizierter verlaufen sie. Jede Blutbeimengung im Urin muss ärztlich abgeklärt werden. Bei stärkeren Beschwerden oder gar Fieber wird der behandelnde Arzt unverzüglich eine antibiotische Behandlung beginnen. Begleiten sollten Sie diese Therapie mit der Aufnahme von Flüssigkeit mit eventuellem Elektrolytausgleich.

Linktipps:

– Blasenentzündung (Zystitis, Blasenkatarrh) | Krankheitslexikon
– Was tun bei Harninkontinenz?
– Antibiotikaresistenz: wenn Antibiotika nicht mehr wirken
– Heilpflanze Preiselbeere

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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