Krätze (Scabies) | Krankheitslexikon

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Krätze (Scabies)

Krätze (medizinischer Fachbegriff: Scabies – von lat. scabere, kratzen) ist eine ansteckende und stark juckende parasitäre Hautkrankheit, die von der die Krätzmilbe verursacht wird. Bei der Infektion bohren sich die nur etwa einen halben Millimeter großen Spinnentiere in die Oberhaut (Epidermis) und legen dort in den Kriechkanälen (Milbengänge) Kot und ihre Eier ab. Diese verursachen bei Betroffenen Bläschen und Quaddeln und in der Folge Krusten, Kratzwunden und Furunkel.

Krätze: Ursache, Übertragung

Ausschließlich weibliche Krätzmilben bohren sich durch die Oberhaut, sie bevorzugen dabei Areale mit hoher Temperatur und dünner Hornschicht. Betroffen sind hauptsächlich Zwischenräume von Fingern und Zehen, Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Brustwarzen und Genitalien. Die in der Haut abgelegte Eier entwickeln sich nach ca. 3 Wochen zu Krätzmilben, die sich dann vermehren können.

Krätze (Skabies) kann, muss aber nicht aus unhygienischen Verhältnissen und Verwahrlosung heraus entstehen. Krätzmilben breiten sich − ähnlich wie Läuse – vor allem dort aus, wo viele Menschen zusammenkommen und das in Windeseile. Besonders dort, wo Kinder und Jugendliche oder alte, pflegebedürftige Menschen auf engem Raum zusammen sind. Das belegen auch die Infektionszahlen: während Krätze in den 1950er Jahren in den industrialisierten Ländern praktisch nicht mehr vorkam, stiegen die Zahlen ein Jahrzehnt später wieder an.

Wenngleich Krätze in der entwickelten Welt mittlerweile seltener vorkommt, gibt es in ganz Europa jährlich um die hundertausend Fälle. Sie ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch weiterhin eine endemische, weitverbreitete Krankheit in den Tropen mit weltweit um die 130 Millionen Infizierten.

Je nach Ausprägung kann Krätze auch schon durch kurzem Hautkontakt zur Ansteckung führen (Borkenkrätze), üblicherweise führt aber ein kurzes Händeschütteln oder eine kurze Umarmung noch nicht zu einer Übertragung. Krätzmilben verbreiten sich von Mensch zu Mensch in der Regel vor allem bei länger andauerndem Hautkontakt, etwa beim gemeinsamen Spielen, bei der Körperpflege, beim Kuscheln, Schlafen in einem Bett und beim Geschlechtsverkehr. Da Betroffene die Milben beim Geschlechtsverkehr weitergeben können, gehört die Scabies zur Gruppe der sexuell übertragbaren Krankheiten.

Krätzmilben können auch von Tier zu Mensch übertragen werden, sterben jedoch dort schnell ab und auch die Hautreizungen verschwinden in der Regel schon nach kurzer Zeit von selbst. Krätze bei Tieren wird umgangssprachlich übrigens Räude genannt, wovon sich auch der Ausdruck „räudiger Hund“ ableitet.

Die Immunreaktion gegen die Milbenprodukte (Eier, Kot) und die damit einhergehenden typisch juckenden Hautreaktionen treten erst nach vier bis sechs Wochen auf.

Symptome

Bei Krätze kommt es typischerweise zu ausschlagähnlichen Hautveränderungen in Form von kleinen Knötchen und Bläschen. Die Besiedelung der Krätzemilben kann aber abhängig vom Wirt – vor allem von dessen Immun­status – unter­schied­liche klinische Verläufe nehmen. Unterschieden werden zwei Hauptformen: Gewöhnliche Skabies und Skabies im Säuglings- und Kleinkindalter. Daneben gibt es Sonderformen, bei denen das Erscheinungsbild der Haut etwas abweicht: Gepflegte Krätze (Scabies incognita), Granulomatöse Krätze (Scabies granulomatosa) und Scabies crustosa (Borkenkrätze). Letztere ist eine extrem ansteckende schwere Form der Krätze mit starkem Milbenbefall, die besonders bei Kindern, alten und immungeschwächten Menschen (z.B. durch HIV) auftreten kann.

Typische Symptome:

  • stecknadelgroßen Bläschen, geröteten erhabenen Knötchen oder Pusteln
  • zusätzlich können sich durch Kratzen verletzte Hautstellen eitrig entzünden
  • bei längerem Befall kann sich als Reaktion auf die Ausscheidungen der Milbe ein großflächiger allergischer Hautausschlag entwickeln

Bei näherer Betrachtung der Haut sind die Milbengänge zu erkennen: feine, gewundene, rötlich bis schieferfarbene Linien, in deren Ende die Milbe sitzt – erkennbar durch die leicht erhabene Haustelle, den sogenannten Milbenhügel.

Krätze auf dem Vormarsch

Die Krätze scheint in Deutschland wieder deutlich auf dem Vormarsch zu sein. Das legt zumindest eine Analyse der deutschen Krankenversicherung BARMER nahe. Demnach ist die Verordnungszahl wichtiger Krätze-Medikamente zwischen den Jahren 2016 auf 2017 um 60 Prozent gestiegen, von 38.127 auf 61.255 Verordnungen bei den BARMER-Versicherten.

Infografik Krätze | Scabies

„Die Ärzte verschreiben wieder deutlich mehr Krätze-Medikamente, und zwar in allen Regionen Deutschlands. Ähnlich stark dürfte auch die Anzahl der Erkrankten gestiegen sein“, sagt Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der BARMER. Bereits bei den ersten Krätze-Anzeichen wie gerötete Papeln im Intimbereich, zwischen den Fingern oder in den Achseln und vor allem nächtlichem Juckreiz solle man zügig den Arzt aufsuchen.

Therapie

Die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur Skabiesdiagnose und -behandlung empfiehlt Permethrin-haltige, äußerlich anzuwendende Cremes als Therapie der ersten Wahl. Eine weitere Therapieoption bei der örtlichen Behandlung ist die Verwendung einer Emulsion mit Benzylbenzoat oder Crotamiton.

Unabdingbar ist die Mitbehandlung der im selben Haushalt lebenden Kontaktpersonen. Ebenso müssen all jene Personen mitbehandelt werden, mit denen der Betroffene in den letzten 6 Wochen Geschlechtsverkehr hatte. Da es ca. 6 Wochen von der Ansteckung bis zu den ersten sichtbaren Zeichen der Erkrankung dauern kann, können die Kontaktpersonen einer infizierten Person bereits angesteckt sein, ohne dass sie es bemerken.

So lässt sich das Übertragungsrisiko reduzieren

„Eine Ansteckung mit Krätze kann jeden treffen und hat nicht automatisch etwas mit Hygiene zu tun. Die Erkrankten können andere Menschen durch Körperkontakt schon anstecken, wenn sie noch keine Symptome aufweisen“, erklärt Petzold. Besonders leicht könne sich die Krätzmilbe in Kitas verbreiten. Da Krätzmilben außerhalb des menschlichen Körpers einige Tage überleben könnten, rät die Expertin den Betroffenen und ihren Kontaktpersonen, Kleidung und Bettwäsche täglich zu wechseln und bei mindestens 60 Grad zu waschen. Handtücher solle man direkt nach Gebrauch erneuern. Nicht waschbare Dinge sollten sieben bis 14 Tage lang luftdicht verpackt werden. Sinnvoll sei es auch, Polstermöbel und Matratzen täglich mit einem starken Staubsauger abzusaugen.

„Man sollte außerdem den Körperkontakt mit an Krätze Erkrankten meiden und nicht im selben Bett schlafen“, rät Petzold.

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Quellen:

¹ Robert Koch Institut: Krätzmilbenbefall (Skabies)
² Barmer-Krankenversicherung: Krätze auf dem Vormarsch (2017)

Linktipps

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