Bruchkrankheit (Hernie) | Krankheitslexikon

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Hernie Bruchkrankheit

Als Hernie (Bruch) bezeichnet man eine Ausstülpung des Bauchfells durch eine Lücke in der Bauchwand. Durch die Lücke treten Eingeweideteile (nicht selten Dünndarm) oder Fettgewebe hervor und verlagern sich als Vorwölbung sichtbar vor die Haut.

Ursachen und Risikofaktoren

Angeborene Leisten- und Nabelbrüche sind Folge von Schwachstellen der Bauchwand. Normalerweise erreicht die Bauchwand erst gegen Ende des ersten Lebensjahrs ihre volle Stabilität.

Erworbene Hernien entstehen durch allmähliches Auseinanderweichen der Bauchmuskulatur bei intakter darüber liegender Haut, was auf ein Missverhältnis zwischen Solidität der Muskelschichten (Disposition) und dem Innendruck im Bauchraum (Realisationsfaktor) zurück zu führen ist.

Disposition:

Die Festigkeit der Bauchwand ist bei konstitutioneller Bindegewebsschwäche von vornherein vermindert. Krampfadern, Zellulitis, überstreckbare Gelenke und Plattfüsse sind weitere mögliche Zeichen dieser Veranlagung. Auch Übergewicht, forcierte Abmagerung, aber auch schnelle, starke Gewichtszunahme und altersbedingte Abbauvorgänge disponieren zum Entstehen einer Hernie.

Realisationsfaktoren:

Gemeinsam ist ihnen, dass im Bauchraum zeitweilig ein erhöhter Binnendruck herrscht, der die bereits geschwächten Strukturen zusätzlich belastet. Dies ist der Fall bei

Verstopfung, Übergewicht, chronischem Husten, Prostatahypertrophie, körperlicher Schwerarbeit, Schwangerschaft.

Mit jedem Hustenstoss entsteht eine explosionsartige Druckerhöhung im Bauchinnern. Bei Prostatahypertrophie und chronischer Verstopfung kommt der Überdruck durch wiederholtes, massives Pressen beim Wasserlösen oder Stuhlgang zustande. Eine momentane äussere Gewalteinwirkung oder ein einmaliger Kraftakt führen wohl nur zur Hernie, wenn eine Disposition vorliegt und das „Aufweichen“ der Bauchwand schon früher begonnen hat.

Das Krankheitsbild

Ziehende Schmerzen an der Durchtrittsstelle („Bruchpforte“) können auftreten besonders bei körperlicher Belastung, Husten oder Stuhlgang und zwar bereits bevor die Vorwölbung zu sehen ist.

Die Hernie zeigt sich äusserlich als Vorwölbung der Bauchwand („Bruchgeschwulst“). Sie kann ständig vorhanden sein, oder nur im Stehen und bei Belastung heraustreten. Gewöhnlich verschwindet sie im Liegen oder durch Druck mit der Hand. Das spontane Zurückschlüpfen des Bruchinhalts im Liegen und das Wiederauftreten im Stehen sind fast beweisend für einen Leistenbruch. Bei Männern reicht der Bruch gelegentlich bis in den Hodensack (Skrotum) hinunter; man spricht dann von Skrotalhernie.

Durch den ständig weiter wirkenden Schub des Eingeweidepakets von innen kann die Hernie von Natur aus nur grösser werden, aber niemals spontan heilen.

Komplikation

„Einklemmung“ (Inkarzeration) ist die wichtigste und gefährlichste Komplikation. Sie tritt immer plötzlich auf. Die Bruchgeschwulst lässt sich nicht mehr ins Bauchinnere zurückschieben, sie schmerzt extrem, wird teigig geschwollen und gerötet. Wenn Darmschlingen in der Bruchgeschwulst gefangen sind und abgeklemmt werden, führt dies zum Darmverschluss.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Besteht bereits ein Leistenbruch, ist es am besten, starke körperliche Belastung zu meiden und den Bruch bald operieren zu lassen. Ein Bruchband vermag im besten Fall den Bruchinhalt im Bauchinneren zurück zu halten und kurzfristig die subjektiven Beschwerden zu lindern, ein Zusammenwachsen der Muskellücke kann jedoch nicht erfolgen.

Bei schmerzhafter Spannung über einer Bruchgeschwulst lässt sich deren „Zurückschlüpfen“ in den Bauch bisweilen in einem warmen Bad erreichen, doch soll dies nicht länger als eine halbe Stunde versucht werden, und nicht wenn Koliken bestehen.

Vorbeugend sind ein normales Körpergewicht, das Vermeiden von chronischer Verstopfung und Überlastung der Bauchwandmuskulatur durch ungewohnt anstrengende Tätigkeit. Forciertes Abnehmen begünstigt demgegenüber das Entstehen eines Leistenbruchs.

Wann braucht es den Arzt

Eine Hernie gleich welcher Lokalisation ist beim Jugendlichen und Erwachsenen nur operativ zu beheben; daher sollte ein Arzt konsultiert werden. Anlässlich der Operation wird der Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückverlagert, die Bruchpforte verschlossen und die Bauchwand verstärkt. Vor einem programmierten Eingriff ist zu überlegen, wie die Realisationsfaktoren (siehe oben) zu beseitigen sind, denn wenn diese fortdauern, können sie nach der Operation das Wiederauftreten der Hernie provozieren. In diesem Sinn hat es sich zum Beispiel bei älteren Männern mit Hernie und Prostatabeschwerden bewährt, mit der Hernie gleich auch die Prostata zu operieren.

Bei Kindern bildet sich ein Nabelbruch, der über das Säuglingsalter hinaus bestehen blieb, oft selbst zurück; das Risiko einer Einklemmung ist ausserdem gering. Deshalb wird eine Nabelhernie gewöhnlich nicht vor dem 2. Lebensjahr operiert.

Die Hernienoperation

auf konventionellem Weg erfolgt durch einen Hautschnitt über der Bruchgeschwulst. Nach deren Zurückdrängen in den Bauch wird die Muskellücke mit Nähten verschlossen und die Bauchwand verstärkt.

Die laparoskopische Methode beruht auf dem Einbringen eines Kunststoffnetzes hinter die Bruchpforte von innen her, was unter Monitorkontrolle von drei kleinen Hautschnitten aus geschieht. Das Verfahren ermöglicht einen kürzeren Spitalaufenthalt und raschere Aufnahme der üblichen Tätigkeit, wird jedoch erkauft mit der Implantation eines Fremdkörpers in die Bauchwand.

Nach einer Hernienoperation sollte man vier Wochen mit körperlicher Belastung warten, dann mit leichtem sportlichem Training (Schwimmen) beginnen. Erst nach etwa drei Monaten hat die operierte Bauchwand ihre maximale Festigkeit erreicht. Bis dahin empfiehlt sich, nicht mehr als zehn Kilogramm Gewicht auf einmal zu tragen. Dieser Zeitablauf gilt zumindest für die konventionelle Operation „von aussen“. Erfolgte die Reparatur der Hernie auf laparoskopischem Weg („von innen“), ist Stabilität etwas früher zu erwarten, doch auch das solide Einheilen eines Kunststoffnetzes braucht seine Zeit. Von einer Fitnessdemonstration oder sportlichen Höchstleistung ist demzufolge auch im Anschluss an eine Laparoskopie während mehrer Wochen abzuraten.

Linktipps:

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