Creutzfeld Jakob-Erkrankung (CJD) | Krankheitslexikon

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Creutzfeld Jakob Erkrankung

Bei der CJD handelt es sich um eine weltweit vorkommende Erkrankung des Zentralnervensystems. Ihre Häufigkeit liegt bei etwa 0,5-1,0 Fällen pro 1 Million Menschen pro Jahr, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind. Eine neue Variante der CJD (new variant CJD, nvCJD) wurde erstmals 1996 von Chazot et al. und Will et al. beschrieben. Bis Ende 1997 wurde diese neue Form bei 22 Patienten in England und 1 Patient in Frankreich diagnostiziert.

In Tierversuchen erkrankten Makaken, denen ein Homogenat aus BSE-infizierten Rinderhirngewebe intrazerebral verabreicht wurde, an einer gleichartigen Störung. Dies muss als deutlicher Hinweis darauf gesehen werden, dass nvCJD und BSE durch das selbe Agens ausgelöst werden, bzw. dass BSE auf den Menschen übertragbar ist und dort die nvCJD verursacht. In Deutschland ist bisher kein Fall von nvCJD beobachtet worden.

Ähnliche Erkrankungen, die auch durch Prionen übertragen zu werden scheinen, sind beim Menschen das 1954 erstmals beschriebene Kuru, eine früher auf Neu Guinea vorkommende Krankheit, die durch rituellen Kannibalismus übertragen wurde, das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS), die fatale familiäre Imsomnie (FFI) und die familäre progressive subkortikale Gliose. Bei den Tieren findet man folgende Erkrankungen (bevorzugte Arten in Klammern): Trabererkrankung oder Scrapie (Schaf, Ziege), bovine spongioforme Enzephalopathie BSE (Rind), feline spongioforme Enzephalopathie FSE (Katze), übertragbare Enzephalopathie der Nerze, chronic wasting disease CWD (Großohrhirsch, Waipiti Hirsch) und exotic ungulate encephalopathie EUE (Nyala, Kudu, Gemsbock).

Ursachen

Der Begriff Prion ist von proteinaceous infectious agent abgeleitet (in etwa: proteinartiges infektiöses Agens). Dieser Begriff wurde gewählt, nachdem ersichtlich wurde, dass der krankheitsauslösende Stoff sehr resistent gegenüber herkömmlichen Verfahren zur Inaktivierung von Nucleinsäure war, aber empfindlich gegenüber Methoden, die Eiweiße zerstören. Neuer Untersuchungen bestätigen dies. Als auslösender Stoff wird heute im allgemeinen eine bestimmte Isoform des Proteins PrP angenommen. „Gesundes“ PrP kommt natürlicherweise in den Zellwänden vor und wird als PrP(c) bezeichnet. Pathogene Formen haben die selbe chemische Strukturformel, jedoch eine andere räumliche „Faltung“. Sie werden im Allgemeinen als PrP(Abkürzung der Erkrankung) bezeichnet, also z.B. PrP(CJD).

Bei etwa 15% der Betroffenen kann eine Mutation des für die Bildung von PrP „verantwotlichen“ Gens (PNRP, Chromosom 20) nachgewiesen werden, bei ihnen ist die Erkrankung warscheinlich genetisch determiniert. Bei den restlichen 85% ist nicht klar, in wie weit die Erkrankung spontan auf Grund endogener Faktoren oder auf Grund einer übertragung von außen ensteht. In Tierversuchen ist jedoch bewiesen, dass die Erkrankung durch pathogenes PrP (mindestens 10 hoch 5 Moleküle) übertragen werden kann. Beim Menschen konnte in Einzelfälle die Krankheit auf sterotaktische Operationen mit ungenügend sterilisierten Instrumenten oder Tympanoplastiken und Transplantationen (Dura mater und Kornea) zurückgeführt werden. Außerdem erkrankten 41 Patienten, die in den USA, Frankreich und England mit menschlichen Wachstumshormon behandelt worden waren im Durchschnitt nach 12 Jahren an einer Prionenerkrankung.

Weiter gibt es Hinweise darauf, dass eine Tätigkeit im Gesundheitswesen sowie ein Kontakt mit Kühen und Schafen Risikofaktoren darstellen können. Keine Verbindung gab es bisher zu den Verzehrgewohnheiten von Fleisch und Hirngewebe. Mäusen, denen das Gen PNRP fehlt, die also kein PrP erzeugen können („knock-out-Mäuse“), können nicht mit pathologischen PrP infiziert werden. Dies zeigt, dass physiologisches PrP für die Enstehung der Erkrankung notwendig ist. Man geht heute davon aus, dass in das Nervengewebe gelangtes pathogenes PrP sich an in den Zellmembranen vorhandenes physiologisches PrP bindet und dieses nach Art eines Dominoeffektes in pathogenes überführt. Wie dies vor sich geht, ist noch unbekannt. Andere, heute weniger beachtete, Hypothesen gehen von einer übertragung durch Viren (oder Viroide) bzw. dem Vorliegen eines Kofaktors wie beispielsweise einer Nucleinsäure aus.

Krankheitsverlauf

Die CJD führen zu einer ausgeprägten Hirnatrophie. Histologisch sieht man im Gehirngewebe spongioforme Veränderungen, Nervenzelluntergänge und eine erhöhte Astrozytenzahl (Gliose). Außerdem lassen sich meistens PrP(CJD) haltige Ablagerungen (siehe oben) nachweisen. Die Krankheit führt nach durchschnittlich 6 Monaten zum Tod.

Übertragbarkeit

Eine übertragung von Mensch zu Mensch ist zwar möglich (und bei z.B. Dura mater-Transplantationen nachgewiesen), setzt aber anscheinend die direkte Inokulation mit infektiösen Gewebe vorraus. Eine übertragung durch z.B. Blutspenden konnte bisher nicht gefunden werden. Dennoch sollten alle Körperflüssigkeiten eines CJD-Verdachtsfalles als normale medizinische Vorsichtsmaßnahme als potentiell infektiös betrachtet werden. Bei der Versorgung dieser Patienten sollten daher Handschuhe getragen werden. Eine Isolierung ist nach gegenwärtigen Kenntnisstand nicht notwendig. Kanülen und andere Einweginstrumente müssen über den infektiösen Müll entsorgt werden. Herkömmliche Desinfektionsmaßnahmen sind unwirksam, wiederverwendete Instrumente müssen nach besonderen Verfahren sterilisiert werden. In wie weit Prionenerkrankungen über den Weg der Nahrungsaufnahme vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, ist noch nicht klar.

Eine Verbindung der bisher bekannten nvCJD-Fälle mit BSE erscheint jedoch höchst wahrscheinlich. Eine deutliche Gefährdung des deutschen Verbrauchers, besonders soweit er keine Produkte wie z.B. Rinderhirn verzehrt, erscheint jedoch nahezu ausgeschlossen. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Linktipps

– Wenn Tiere krank machen

– ärzte raten: Kein Hirn, kein Mark

– Dünger ohne Tiermehl

– Furcht vor Rinderwahn auch in anderen Tieren

– Creutzfeld-Jakob-Erkrankung

– The UK Creutzfeldt-Jakob Disease Surveillance Unit (eng.)

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