1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (7 Bewertungen, Durchschnitt: 3,43 Sterne von 5)
AIDS: neuer Schnelltest, weniger Neu-Infektionen

AIDS: neuer Schnelltest, weniger Neu-Infektionen

Künftig kann in Österreich ein Aids-Schnelltest bei jedem praktischen Arzt und in jedem Labor durchgeführt werden.

In Österreich ist seit Kurzem ein neuer Aids-Schnelltest am Markt. Damit ist es möglich, beim praktischen Arzt oder im medizinischen Labor innerhalb von nur 30 Minuten Gewissheit zu verschaffen. Allerdings kann die HIV-Infektion auch damit erst nach einem „diagnostischen Fenster“ (also dem Zeitpunkt der Übertragung und dem Nachweis) von drei Wochen nachgewiesen werden.

Diesen Artikel drucken


Zwar ist die Zahl neuer Aids-Infektionen in den letzten Jahren zurückgegangen, dennoch leben heute mit 33,4 Millionen HIV-Positiven mehr Menschen als je zuvor mit dem Aids-Erreger im Blut. „Allein in Österreich werden jedes Jahr rund 500 HIV-Neuinfektionen festgestellt, und etwa die Hälfte der Patient/-innen, die zur Behandlung kommen, sind so genannte „Late Presenter“ – ihre Therapie hätte wesentlich früher beginnen sollen.“, so Prim. Dr. Norbert Vetter, Vorsitzender des HIV/AIDS-Ausschusses des Obersten Sanitätsrates.

Nach einem sogenannten Risikoverhalten – also einer Infektion nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Spritzentausch im Drogenmilieu – kommt es oft zu Hautauschlägen oder Fieber. Die Symptome treten aber häufig nur vorübergehend auf, danach kann eine HIV-Infektion lange Zeit komplett symptomlos verlaufen.

Dies ist auch die Ursache dafür, dass viele HIV-Infizierte – immerhin fast ein Drittel der Betroffenen in Österreich – viel zu spät in Behandlung kommen und damit jahrelang ein Risiko für ihre Partner waren.

Obwohl der aktuelle Welt-Aids-Bericht der UNO erfreulicherweise eine geringere Zahl der mit der Immunschwäche Neuinfizierten ausweist – der Rückgang in den letzten Jahren beträgt 17 Prozent – dürfe dies laut Einschätzung der Experten kein Grund sein, die Aufklärungsarbeit einzuschränken.

In Westeuropa wissen immerhin geschätzte 30 Prozent der HIV-Infizierten (in Osteuropa sogar zu bis 70 Prozent) nicht von ihrer Immunschwäche und geben das Virus unter Umständen weiter.

HIV-Schnelltest als verlässlicher Partner im Kampf gegen AIDS

„Jeder Mensch sollte also seinen HIV-Status kennen“, fordert Prim. Vetter. „Mit den heute verfügbaren Tests sind die diagnostischen Voraussetzungen für das Kennen des eigenen HIV-Status gegeben, mit Schnelltests auch niedrigschwellig beim Hausarzt. Seit etwa einem Jahr gibt es nunmehr einen innovativen Test, der auf eine Initiative der AIDS-Kommission des Obersten Sanitätsrates im österreichischen AIDS-Gesetz als Instrument der AIDS-Kontrolle Berücksichtigung fand. Jetzt geht es darum, diesen Schnelltest des Pharmakonzerns Abbott auf breiter Basis einzusetzen.“

Seit rund einem Jahr darf in Österreich der HIV-Schnelltest Determine© im medizinischen Setting verwendet werden. Dr. Christian Zagler, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Aids-Gesellschaft: „Ein Testergebnis liegt nach maximal 30 Minuten vor. Es handelt sich dabei um einen HIV-Test der vierten Generation, der nach dem HI Virus und den HIV Antikörpern sucht. Neu ist, dass dieser Test nicht in einem Labor durchgeführt werden muss, sondern in der Arztpraxis angewandt werden kann.“

Der Test selbst ist einfach anzuwenden: Arzt/Ärztin entnimmt Patient/-innen Blut von der Fingerkuppe – auch Blut aus der Vene oder Serum können verwendet werden – und bringt es auf den Teststreifen auf. Danach wartet man eine Minute und bringt einen Tropfen einer Puffersubstanz auf den Teststreifen auf. Nach 15 bis 30 Minuten zeigt der Test das Ergebnis an. Ist das Testergebnis positiv, muss in jedem Fall eine zweite Untersuchung in einem Labor durchgeführt werden, um das Ergebnis zu bestätigen.

Wird unmittelbar nach einer erfolgten HIV Infektion ein HIV-Test durchgeführt, wird dieser höchstwahrscheinlich negativ sein, weil das Virus noch keine Zeit hatte sich im Körper zu vermehren. Die Anzahl der Viren und Antikörper reicht dann noch nicht aus, um eine Infektion nachweisen zu können. Der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Nachweis von Viren und/oder Antikörpern wird als „Diagnostisches Fenster“ bezeichnet. In dieser Zeit kann es zu falsch-negativen Test-Ergebnissen kommen. Das diagnostische Fenster des neuartigen Schnelltests liegt bei drei Wochen.

Günter Tolar: Schau auf Dich! Jeder Tag sollte ein Welt-Aids-Tag sein

„Im Umgang mit einer möglichen HIV-Infektion herrscht sehr viel Sorglosigkeit“, so Günter Tolar (ORF-Moderator in Pension, Buchautor, Schauspieler, Gründer des Vereines Positiv Leben). „Trotz umfangreicher Aufklärungskampagnen sind die Neuinfektionen nach wie vor im steigen” auch in Österreich. Das Gebot der Stunde ist also noch wie vor Safer Sex. Sollte das einmal nicht geklappt haben, ist es für die Betroffenen auf jeden Fall angenehmer, einen Schnelltest in der Ordination des Arztes/der Ärztin ihres Vertrauens zu machen, als weit weg in ein spezialisiertes Zentrum fahren zu müssen.

Der niedrigschwellige Zugang zum Test beim Hausarzt trägt auch dazu bei, mögliche Hemmungen abzubauen. Viele Leute haben Angst sich testen zu lassen. Diese Tabuisierung ist dumm – schließlich geht es um eine Infektion, die man sein Leben lang hat. Und nur wer über seinen eigenen Status Bescheid weiß kann verhindern, dass er versehentlich andere ansteckt.“

Die Gründe für die steigenden Neuinfektionen und dem verbreiteten laschen Umgang in der Verwendung von Kondomen liege in der mangelnden Aufklärung der Jugendlichen. „In Österreich steckt der Sexualunterricht noch im Mittelalter. Dabei sollte man mit den jungen Leuten rechtzeitig, also vor dem ersten Geschlechtsverkehr, darüber reden wie wichtig es ist sich zu schützen. Man sollte Jugendlichen jedes Mal, bevor sie abends ausgehen, sagen, dass sie auf sich schauen und sich schützen sollen“, empfiehlt Tolar. „Bedenkt man die Gefährlichkeit dieser Krankheit, dann sollte eigentlich jeder Tag Welt-Aids-Tag sein.“

[red]

Linktipps:

– Kinder mit Aids
– Was ist Immunologie?
– HIV soll durch Impfstoffe und zweimal entstanden sein
– AIDS – Risikobewußtsein bei Jugendlichen sinkt
– Hypersexualität – das Don Juan Syndrom

Diesen Artikel drucken
Kave Atefie





SEO-Consultant und Gründer des unabhängigen österreichischen Gesundheitsportals gesund.co.at, das seit Jahren zu einem der beliebtesten Themenportale im deutschen Sprachraum zählt. Der Anspruch auch komplexe Themen leicht verständlich für interessierte Laien aufzubereiten wurde zum Markenzeichen des Portals.