Ärzteverzeichnis für LGBTQ+-Community

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Queer und Trans-freundliche Ärztinnen & Ärzte | Verzeichnis

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Ein höchst interessantes Projekt ist seit kurzem online: auf queermed.at werden Queer und Trans-freundliche Ärztinnen und Ärzte – nach Bundesland und Fachrichtung gegliedert – in einem Verzeichnis aufgelistet.

Das soll Betroffenen helfen die optimale Betreuung bei empathischen Medizinerinnen und Medizinern zu finden.

Ärzteverzeichnis für LGBTQIAP+-Community Artikelübersicht:

Der private Projektbetreiber weist darauf hin, dass das Verzeichnis für die LGBTQIAP+-Community selbstverständlich auf rein subjektiven Empfehlungen basiert und sich als work in progress versteht.

Queer & Trans-Personen haben oftmals spezielle Anforderungen an behandelnde Ärzte. Doch Mediziner, die mit den besonderen Umständen – etwa vor, während und nach der medizinischen Transition von trans Personen – vertraut sind, sind nach wie vor rar.

Das Ärzteverzeichnis für die LGBTQIAP+-Community, das sich übrigens nicht als Bewertungsportal versteht, soll Betroffenen die mühsame Suche nach sensiblen Ärzten vereinfachen, vor allem aber helfen, schlechte Erfahrungen zu ersparen.

Geschlecht & geschlechtliche Identität

Auch wenn es für die meisten Menschen einfach erscheint, Geschlecht, geschlechtliche Identität und auch sexuelle Orientierung sind keineswegs immer eindeutig normierbar.

Heute sollen zahlreiche Definitionen der einzelnen Begriffe helfen, die Vielfalt in diesem Bereich zu veranschaulichen, aber ihr auch sprachlich gerecht zu werden.

Um bei Laien ein Verständnis zu wecken, warum die Initiative für ein solches Ärzteverzeichnis sinnvoll ist, wollen wir an dieser Stelle die Ausgangssituation skizzieren und kurz die wichtigsten Begriffe erklären.

Beim biologischen Geschlecht, wird irrtümlich zumeist von nur zwei Geschlechtsformen ausgegangen: männlich und weiblich.

Dabei ist längst klar, dass eine eindeutige Geschlechtsdefinition in dieser Form gar nicht existiert, sondern dass vielmehr von einer biologischen Diversität ausgegangen werden muss.

Zumeist werden Menschen nach Genitalien einem Geschlecht zugeordnet, dabei sind selbst für rein biologische Geschlechtsmerkmale insgesamt vier Faktoren relevant:

  • Genitalien: Vulva und Vagina gelten als weiblich, Penis gilt als männlich
  • Keimdrüsen: Eierstöcke gelten als weiblich, Hoden gelten als männlich
  • Hormone: vorwiegend Östrogen gilt als weiblich, überwiegend Testosteron gilt als männlich
  • Chromosomen: XX gilt als weiblich, XY gilt als männlich

Stimmen alle vier Faktoren mit der jeweiligen Geschlechtszuordnung überein, dann ist das biologishe Geschlecht formal eindeutig.

Ein Mensch mit XY-Chromosomen, Penis, Hoden und überwiegend Testosteron gilt also als Mann. Während ein Mensch mit XX-Chromosomen, Vagina, Eierstöcken und überwiegend Östrogen als Frau gilt.

Es lässt sich an der oben angeführten Aufzeichnung aber leicht erahnen, dass diese Übereinstimmung keinesfalls zwangsläufig immer so eindeutig vorliegen muss.

Wenn bei Menschen manche dieser Merkmale männlich andere aber weiblich sind, spricht man von intergeschlechtlich (medizinisch oft auch als „intersexuell“ bezeichnet). Solche Menschen werden also mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale geboren (z.B. Hermaphroditismus).

Es wird klar, dass Geschlecht nicht als zwei entgegengesetzte und einander ausschließende Kategorien zu betrachten ist.

Intergeschlechtlichkeit ist also keine Krankheit, sie ist auch nicht uneindeutig, vielmehr ist sie eindeutig intergeschlechtlich. Das lassen wir an dieser Stelle einmal wirken.

Nun, diese Zuteilung nach biologischen Kriterien ist die eine Sache, doch wie sich ein Mensch selbst wahrnimmt, welche Zuteilung er für sich persönlich trifft, das wiederum beschreibt der Begriff der Geschlechtsidentität.

Welche Geschlechtswahrnehmung ein Mensch von sich hat, kann stark von biologischen Kriterien (eng. sex) und zugeschriebenen Geschlechterrollen (eng. gender) abweichen.

Geschlecht und geschlechtliche Identität müssen also keinesfalls übereinstimmen. Und was das bedeutet, das können auch Nichtbetroffene erahnen.

Gender, sexuelle Orientierung, Diversity

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird in der englischen Sprache gender als Bezeichnung für das soziale Geschlecht und in Abgrenzung dazu sex als biologisches Geschlecht definiert.

Was aber, wenn das eigene Geschlecht nicht mit den bereits erwähnten biologischen Merkmalen – also männlichen, weiblichen oder inter – übereinstimmt?

In diesem Fall spricht man von Transidentität bzw. Transgender. Transgender bedeutet, dass das gefühlte Geschlecht der Person nicht mit ihren körperlichen Merkmalen übereinstimmt. Es wird dafür auch der Begriff Transsexualität veerwendet, der ist aber umstritten, da er den Anschein erweckt, dass er etwas mit der sexuellen Orientierung der Person zu tun hätte, was aber nicht der Fall ist.

Apropos sexuelle Orientierung, sie ist schließlich mit all dem bisher genannten untrennbar verbunden. Auch hier gibt es zahlreiche Mißverständnisse bzw. Wissenslücken, daher wollen wir auch dafür die wichtigsten Begriffe kurz erklären.

Hinsichtlich der sexuellen Orientierung bzw. Präferenz gilt: heterosexuell bezeichnet dem anderen Geschlecht zugewandte Personen, homosexuell jene, die dem eigenen Geschlecht zugewandt sind und bisexuelle, jene, die beide Geschlechter sexuell anziehend finden.

Als pansexuell werden wiederum Menschen bezeichnet, die sexuelles Interesse an Vertretern jeglichen sozialen oder körperlichen Geschlechts haben.

Der Community bzw. Szenebegriff LGBTQ+ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, queer und das Plus für “not limited” (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer – also, “von der Norm abweichend” und sonstige).

Das Acronym LGBTQIAP+ wurde noch im die Begriffe Intersexuell; Asexuell und Pansexuell erweitert.

Der Begriff asexuell bezeichnet übrigens keine sexuelle Orientierung bzw. Geschlechtsneigung, sondern die generelle Abwesenheit sexuellen Verlangens nach anderen Menschen, unabhängig vom Geschlecht.

Unter dem allgemeinen Begriff Diversity fassen wir hier einfach alle möglichen Kombinationen aus Geschlecht, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung zusammen.

Gendermedizin, Medzin, Geschlecht

Wer sich das erste Mal mit diesem Thema beschäftigt, wird möglicherweise überrascht sein, welche Vielfalt die Natur auch im Bereich der Geschlechter und Geschlechtswahrnehmung geschaffen hat.

Für Betroffene, die aus psychischen und/oder biologischen Gründen nicht in die “Norm” des 2-Geschlechter-Systems passen, ist der Umstand freilich nicht immer einfach zu handhaben. Das hat höchst persönliche Gründe, aber selbstverständlich auch gesellschaftliche Gründe.

Wir wollen an dieser Stelle aber gar nicht zu tief in die Materie eindringen, dazu fehlt uns in diesem Bereich schlicht die Kompetenz.

Wir denken aber, dass der Überblick klar macht, weshalb es gute Gründe für ein spezialisiertes, jedenfalls aber respektvolles Angebot im Bereich der medizinischen Versorgung der LGBTQIAP+-Community gibt.

Dabei geht es um mehr als um “individuelle Medizin für Geschlechter”. Als solche wird der Begriff Gendermedizin oft verwendet: um Medizin, die sich mit dem Faktor Geschlecht als Einflussgröße auf Erkrankungen sowie auf die medizinische Behandlung, Forschung und Prävention beschäftigt.

In diesem Zusammenhang müsste die Definition hier wohl um das Wort Geschlechtswahrnehmung ergänzt werden um den besonderen Ansprüchen gerecht zu werden.

Gesucht: Mediziner_innen und Psychotherapeut_innen mit Herz und Verstand

Queermed möchte für eine bessere Vernetzung der Cummunity im medizinischen Bereich sorgen. Dabei geht es nicht vordringlich darum hochspezialisierte Fachärzte zu listen, sondern um Mediziner unterschiedlichster Fachrichtungen, die sich der mitunter besonderen Anforderungen dieser Patientengruppe bewusst sind.

Doch was sind die besonderen Anforderungen?

Die Transition von trans Personen wäre ein Umstand, der umfassende fachübergreifende ärztliche Leistungen benötigt und dabei nicht nur viel Knowhow sondern auch Empathie und Fingerspitzengefühl der Ärzte benötigt. Um nur einen Bereich für Laien konkret zu benennen.

Unter Transition versteht man die Geschlechtsanpassung von transgender Personen, bei der ihr Erscheinungsbild so geändert wird, dass sie ihrem empfundenen (anderen) Geschlecht entspricht. Der Begriff Geschlechtsumwandlug wird dafür heute übrigens nicht mehr verwendet, da ja körperlich bloß angeglichen wird, was für die Patientin oder den Patient innerlich gefühlt sowieso bereits Fakt ist.

Diese Geschlechtsanpassung kann auf unterschiedliche Arten und unterschiedlich radikal geschehen, von der Hormonbehandlung bis hin zu chirurgischen Eingriffen zur Anpassung der äußeren und inneren Geschlechtsorgane.

Dafür sind nicht nur spezialisierte Mediziner aus unterschiedlichen Fachrichtungen gefragt, es erfordert nach einer Transition möglicherweise auch neuer Ansätze bei der Vergabe von Diagnosen, in der Prävention, der Behandlung und der Verabreichung und Bewertungen von Medikamenten.

Im Vordergrund sollte dabei aber immer folgendes stehen:

  • medizinische Behandlungen zu erhalten, ohne dabei diskriminiert zu werden
  • möglichst barrierefreie Ordinationen und Arztpraxen zu eruieren
  • möglichst viele Kassenärzt_innen anzusprechen und zu erreichen, da (ausschließlich) private Gesundheitsvorsorge für viele nicht leistbar ist

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Linktipp: queermed.at – Verzeichnis Queer & Trans-friendly Ärzt_Innen

Quellen:

¹ genderdings.de – Intergeschlechtlichkeit
² Was jeder von uns über Transgender wissen sollte (gofeminin.de)
³ Was ist Gendermedizin (Medizinische Universität Innsbruck)


Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

Linktipps

– Gendermedizin – geschlechtsspezifische Medizin
– Personalisierte Medizin auf dem Vormarsch
– Small Penis Syndrome: zu kleiner Penis oder doch Wahrnehmungsstörung?
– Sexuelle Gesundheit – was ist das?

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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