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Aprikosenkerne – gesund oder gefährlich?

Aprikosenkerne – gesund oder gefährlich?

Aprikosenkerne - gesund oder gefährlich?

Aprikosenkerne? In Österreich heissen Aprikosen Marillen und nicht nur deshalb wissen nur die Wenigsten etwas mit dem Begriff Aprikosenkerne anzufangen und schon gar nicht werden diese mit einer angeblichen Heilwirkung bei Krebs in Zusammenhang gebracht. Doch genau diese angebliche Heilwirkung lässt tausende Betroffene tagtäglich im Internet nach mehr Informationen über die bitteren Kerne suchen. Wir haben recherchiert, was es mit der vermeintlichen Wirkkraft der Kerne tatsächlich auf sich hat.



Aprikosenkerne – Artikelübersicht:

Der Samen der Aprikose (in Österreich: Marille) wird als Aprikosenkern bezeichnet, es wird bei diesen Früchten zwischen bitteren und süßen Kernen unterschieden. Während Sie auf dem Markt die süßliche und schmackhafte Variante der Aprikosenkerne finden, sind in der Naturheilkunde die bitteren Kerne der Wildaprikosen (erinnern geschmacklich an die Bittermandel) gefragt.

Der große Unterschied bei Aprikosenkernen liegt im Baum von dem die Aprikosen stammen. Auch süße Aprikosenkerne enthalten alle gewünschten Stoffe die die bitteren enthalten, jedoch in sehr viel geringerer Konzentration. Süße Aprikosenkerne stammen von gezüchteten, handelsüblichen Aprikosenbäumen und werden in der Süßwarenindustrie zur Herstellung von Marzipan wie auch Persipan verwendet, da sie in der Regel billiger sind als Mandeln.

Bittere Aprikosenkerne stammen von wilden Aprikosenbäumen, sie enthalten eine sehr viel höhere Konzentration an Wirkstoffen als die süßen und sind daher sehr begehrt. Da sie nur von den wilden Aprikosenbäumen gesammelt werden können, ist die verfügbare Menge begrenzt, was sich auch auf den Preis auswirkt. Seit die bitteren Aprikosenkerne auch in der alternativen Krebstherapie eingesetzt werden, ist dieses Produkt der absolute Renner in unzähligen Onlineshops.


Ernte und Verarbeitung der Aprikosenkerne

Die Erntezeit beginnt mit dem Monat Juli. Die Früchte werden gelagert und im Anschluss sorgsam getrocknet. Als Trockenfrüchte genießen Aprikosen schon seit Jahrhunderten große Beliebtheit, die Nachfrage nach süßen Kernen ist erst seit wenigen Jahrzehnten in relevantem Ausmaß gestiegen. Die süßen Aprikosenkerne lassen sich von Hand nach der Hälfte der Trocknungszeit aus der Frucht herausdrücken. Nach einer weiteren Lagerungszeit wird der Kern geknackt, um zum eigentlichen Inhalt vorzudringen. Dabei kann nur das Verlesen von Hand eingesetzt werden, da so sichergestellt wird, dass sich keine Bruchstücke in der Ware befinden.

Speziell die bitteren Aprikosenkerne sind in der Literatur der Naturheilkunde als gesundheitsfördernd beschrieben. Aus diesem Grund werden diese in Reformhäusern, Bioläden und in Onlineshops im Internet als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und als gesundheitsfördernd beworben. Alternativ erhalten Sie im Handel auch Kapseln mit dem Substrat gemahlener Aprikosenkerne. Vor allem bei alternativen Krebstherapien werden sie als wirksam bezeichnet, was hauptsächlich auf den Inhaltsstoff Amygdalin (oft auch als „Vitamin B 17“ bezeichnet) zurückgeführt wird.

Amygdalin ist in den Kernen der Wildaprikose enthalten, der Stoff ist selbst nicht giftig allerdings sind zwei seiner Abbauprodukte giftig: Cyanid und Benzaldehyd. Amygdalin spaltet also giftige Blausäure ab, die angeblich Tumorzellen abtöten, gesunde Zellen allerdings nicht angreifen soll.


Alternative Krebstherapie mit bitteren Kernen der Aprikose?

Amygdalin als Blausäureverbindung geht also gegen die Krebszellen vor, jedoch sollen die gesunden Zellen nicht angegriffen werden. Wie soll das funktionieren?

Anhänger der Wirksamkeit der bitteren Kerne gegen Krebszellen erklären es so: Neben Cyanid und Benzaldehyd stecken im Amygdalin auch zwei Zucker-Moleküle (Glucose). Die Krebszellen benötigen den Zucker und stürzen sich auf diesen Inhaltsstoff und nehmen ihn auseinander um an die beiden Zucker-Moleküle zu gelangen. Dabei werden jedoch auch das Cyanid und das Benzaldehyd frei, die nun allerdings zum Ersticken der Krebszellen führen, die Tumorzellen also abtöten.

Gleichzeitig würden allerding gesunde Zellen durch Amygdalin nicht gefährdet, da diese den Stoff gar nicht aufnehmen könnten, weil Ihnen das – in Krebszellen vorhandene Enzym Beta-Glucosidase – fehlen würde. Nur dieses Enzym kann die Amygdalin-Verbindung auftrennen und so die – für die Krebszellen tödlichen Gifte – freisetzen.

Soweit die Theorie, die sogar in den 1950er Jahren zur Entwicklung des Medikaments Laetril führte. Dieses ist in den USA nach wie vor am Markt, in Österreich und Deutschland ist das Medikament nicht mehr zugelassen. Und das durchaus aus gutem Grunde, denn Experten verweisen darauf, dass gesunde Körperzellen durch die Blausäure bei oraler Einnahme ebenso geschädigt werden. Der menschliche Körper ist zwar in der Lage, gewisse Mengen an Blausäure abzubauen. Wird aber zuviel Blausäure über die Marillenkerne aufgenommen, können unterschiedliche Vergiftungserscheinungen auftreten. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen, Schwindel und Krämpfen über Blausucht bis hin zu Koma und Tod.¹

Selbst der Sachbuchautor und sogenannte „Krebsberater“ Lothar Hirneise, der als Anhänger vom Amygdalin-Einsatz in der Krebstherapie gilt, hält fest, dass Amygdalin intravenös verabreicht werden müsse, da es sehr unsicher sei, ob Amygdalin wirke, wenn es oral eingenommen werde. Um die nötige Dosierung auf oralem Wege zu erreichen, müssten grosse Mengen eingenommen werden, was wiederum den Magen-Darmtrakt rasch überfordern, und zu einer Blausäurevergiftung – die durchaus auch lebensbedrohlich sein kann – führen könnte.

Die Wirkung einer toxischen Dosis von bitteren Aprikosenkernen ist – wie im Falle anderer cyanidhaltiger Glycoside – abhängig von der Geschwindigkeit der Freisetzung von Cyanid aus Amygdalin während des Kauvorgangs bzw. der Verdauung unter Mitwirkung der Darmflora. Die geschätzte tödliche Dosis beim Menschen liegt bei etwa 0,5-3,5 mg/kg Körpergewicht. Umgekehrt lässt sich als Abschätzung der vermutlich unbedenklichen Dosis ein Wert von 5 Mikrogramm/kg Körpergewicht errechnen. Diese Dosis entspricht bei Erwachsenen ca. einem bitteren Aprikosenkern. Verbraucher sollten deshalb nicht mehr als ein bis maximal zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag verzehren oder völlig auf den Verzehr verzichten.²

Fakt ist, dass es nur wenige Studien über den erfolgreichen Einsatz von bitteren Aprikosenkernen bzw. deren Wirkstoff in der Krebstherapie gibt und die wenigen, die es gibt sind inkonsistent. Ungeachtet dessen hält sich das Interesse bei Betroffenen an dem Thema als Alternative zu klassischen schulmedizinischen Ansätzen in der Krebsbehandlung. Heutzutage setzen nur mehr wenige Fachärzte dieses Substrat in der Therapie ein, viele Heilpraktiker setzen hingegen weiterhin auf eine Behandlung mit den bitteren Kernen.

Aus den oft widersprüchlichen Diskussionen zu diesem Thema lässt sich daher ein klares Fazit ziehen: Einzig und allein auf die Wirkung der bitteren Aprikosenkerne zu vertrauen ist nicht erfolgversprechend. Eine Umstellung der Ernährung im vitalstoffreichem Bereich, ein unabdingbarer Glaube an Heilung und natürlich die ärztliche Behandlung sind auch bei Anwendern der alternativen Therapien ein vielversprechender Weg erfolgreich mit der Erkrankung zu leben.

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Quellen:

¹ Bundesinstitut für Risikobewertung: toxische Wirkung von bitteren Aprikosenkernen
² Bundesinstitut für Risikobewertung – www.bfr.bund.de/cm/343/verzehr_von_bitteren_aprikosenkernen_ist_gesundheitlich_bedenklich.pdf
³ Milazzo S, Ernst E, Lejeune S, Boehm K, Horneber M. „Laetrile treatment for cancer.“ Cochrane Database Syst Rev. 2011 Nov 9;(11):CD005476. (Laetril Behandlung von Krebs.)

Linktipps:

– Krebs: neue Erkenntnisse zu Diagnose und Therapie
– Phytopharmazie: von der Heilkraft der Pflanzen
– Gefahr Wunderheilung: großes Geschäft mit kleiner Wirkung

Kave Atefie





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