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Allergischer Notfall – was tun?

Allergischer Notfall – was tun?

Allergischer Notfall - was tun?

Allergien können die Lebensqualität und Gesundheit stark beeinträchtigen. Ein allergischer Schock jedoch stellt eine lebensbedrohliche Situation dar, die im Extremfall zu einem Kreislaufstillstand führen kann. In Österreich sterben jährlich etwa fünf bis zehn Menschen an den Folgen einer allergischen Reaktion. Hunderte landen in der Notaufnahme.




Allergischer Notfall – Anaphylaktischer Schock

Allergie ist nicht gleich Allergie und allergischer Reaktionen können höchst unterschiedlich ausfallen. Die Bandbreite reicht von harmlosen Hautausschlägen und leichten Augenrötungen bis hin zum gefährlichen Kreislaufschock bei der schwersten Form einer allergischen Reaktion, der so genannten Anaphylaxie. Die Anaphylaxie – oder auch Anaphylaktischer Schock – ist ein medizinischer Notfall, weshalb der frühzeitigen medizinischen Versorgung eine entscheidende Bedeu­tung zukommt.

Warum es dazu kommt und wie man sich im Ernstfall richtig verhält erklären Ass. Prof. Tamar Kinaciyan und Univ. Prof. Zsolt Szépfalusi von der Medizinischen Universität Wien.

Allergischer Notfall – Interview mit Ass. Prof. Tamar Kinaciyan und Univ. Prof. Zsolt Szépfalusi

 

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Dr. Kinaciyan: Ein anaphylaktischer Schock ist das sehr ausgeprägte Endstadium einer allergischen Reaktion, wo neben anfänglichen Symptomen wie Ausschlag oder Atemnot, auch Harn- und Stuhlabgang dabei ist und Blutdruckabfall, bei dem die Leute dann bewusstlos werden und am Ende, wenn nichts passiert, einfach versterben können. Anaphylaxie kann innerhalb von Sekunden, bis zu mehreren Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen auftreten. Je früher es auftritt, desto gefährlicher und stärker ist die Reaktion. Prinzipiell bei einer stark ausgeprägten Allergie, reichen Spuren von Allergenen zB. wenn im Nebenraum frisch gekocht wird, allein der Dampf kann ausreichen, sodass eine allergische Reaktion oder ein allergischer Schock ausgelöst wird.

Anmerkung: Anaphylaxien werden durch eigentlich harmlose Stoffe ausgelöst. Bei den Erwachsenen sind die häufigsten Auslöser Insektengifte, besonders von Bienen und Wespen. Aber auch manche Medikamente und Nahrungsmittel können einen allergischen Schock verursachen.

Dr. Szépfalusi: Im Unterschied zu einem Erwachsenen, sind im Kindesalter hauptsächlich die Nahrungsmittel und Insektengifte im Vordergrund. Das Problem bei diesen Auslösern ist dass sie schwer kontrollierbar sind. Der Schweregrad der allergischen Reaktionen, lässt sich in der Regel nicht voraussagen, wir kennen ganz milde Formen bei denen nur die Haut betroffen ist, bis zu ganz schweren, bei denen der ganze Körper betroffen ist und im Sinne eines Schocks reagiert.

Anmerkung: Daher ist es besonders wichtig, bereits bei ersten allergischen Symptomen einen allergologisch geschulten Arzt aufzusuchen.

Dr. Szépfalusi: Im Vordergrund der Abklärung steht der Versuch die Symptome, die der Patient beschreibt, mit dem ursächlichem Allergen in Verbindung zu bringen. Manchmal muss man Teste verwenden, also aufwändige Abklärungsschritte machen, seien es Blutteste in Kombination mit Haustesten, manchmal auch Provokationsteste, um tatsächlich die Kausalität zu beweisen.

Anmerkung: Ein neues Diagnoseverfahren mit dem sogenannten Allergenchip ermöglicht den Nachweis einer Allergie mit nur einem Blutstropfen. Da Allergieauslöser nie einhundertprozentig vermeidbar sind, sollten Risikopatienten immer Notfallmedikamente bei sich tragen, die sie bei ersten Anzeichen eines allergischen Schocks sofort einnehmen.

Dr. Szépfalusi: Das Eine sind Antihistaminika, das Zweite sind Kortison-Präparate und das Dritte ist eine Adrenalinpräparat, ein Autoinjektor. In einer bestimmten Abfolge sollen die Patienten diese Produkte einnehmen oder sie selber applizieren.

Dr. Kinaciyan: Wenn unsere Patienten von uns so eine Spritze bekommen, werden sie auch unterrichtet wie sie damit umgehen und wie sie es verwenden können. Es ist auch wichtig den Lerneffekt aufrecht zu erhalten.

Dr. Szépfalusi: Nicht zu vergessen ist, dass der Notarzt zu verständigen ist. Gleichzeit ist der Allergie- oder Anaphylaxiepass sehr wichtig, wo auch die Abfolge all dieser Medikamentenapplikationen festgehalten wird.

Anmerkung: Wichtig ist auch, abgelaufene Selbstinjektoren rechtzeitig zu ersetzen und ein neues Rezept anzufordern. Die beste Maßnahme zur Vermeidung eines allergischen Schocks ist die Vermeidung des Allergens. Während dies bei der Nahrungsmittel- und Medikamentenallergie die einzige Therapieform ist, sind Insektengiftallergien sehr gut ursächlich behandelbar.

Dr. Kinaciyan: Eine Insektengiftallergie, also eine Bienen- und Wespenallergie, kann man grundlegend sehr gut mit einer Spritzenkur behandeln, das ist eine Hypersensibilisierung mit dem Insektengift selbst, wo man mit geringsten Mengen beginnt und langsam die Dosis steigert und so den Körper überlistet, weil er auf die geringste Menge noch nicht reagiert.

Anmerkung: Eine Informationsstelle für Allergiker oder Eltern von allergischen Kindern, ist die Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung, kurz IGAV.

Elisabeth Leeb: Die IGAV ist eine als Verein organisierte, unabhängige Informationsplattform, die von einem über zwanzigköpfigen wissenschaftlichen Beirat unterstützt wird. Dieser besteht aus führenden Allergieexperten österreichweit. Die IGAV informiert über Allergien allgemein und über die Bedeutung und Möglichkeiten von Allergenvermeidungsmaßnahmen im Speziellen. Wir sind eine Schnittstelle zwischen Medizin und Öffentlichkeit.

Anmerkung: Allergien werden oft unterschätzt. Zu Unrecht, wie das Beispiel des allergischen Notfalls beweist. Doch mit ausreichender Information und der richtigen Vorbereitung kann man sich für den Notfall wappnen.

Linktipps:

– Neuer Allergietest: Chip hilft bei Diagnose von Allergien
– Initiative Insektengift Allergie startet Info-Kampagne
– Impfung gegen Insektengiftallergie
– Tierallergien

Kave Atefie





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