Welt-Hepatitis-Tag am 19. Mai

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Hepatitis im Vormarsch

Am 19. Mai 2010 fand der siebente Welt Hepatitis Tag (World Hepatitis Awareness Day) statt. Die Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) zeigt nach wie vor alarmierende Zahlen und die Ernsthaftigkeit der globalen Situation auf. Die Politik reagiert allerdings nur zögerlich.

Laut Herrn Prim. Univ.Prof. Dr. Michael Gschwantler, Gastroenterologe und Hepatologe, 4. Med. Abt. im Wiener Wilhelminenspital und der Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) stellt die Hepatitis C heute weltweit eines der bedeutendsten medizinischen und sozioökonomischen Probleme dar. Man rechnet damit, dass weltweit etwa 200 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis C Virus (HCV) infiziert sind. Die Prävalenz der chronischen Hepatitis C variiert beträchtlich zwischen den verschiedenen Ländern. Für Österreich nimmt man an, dass ca. 90.000 Menschen (etwa 1% der Bevölkerung) infiziert sind.

Hepatitis C

Übertragen wird Hepatitis C nur über Blut-zu-Blut-Kontakt. Früher über Blut und Blutprodukte, heute vor allem im i.v. Drogenbereich, beim unhygienischen Piercen und Tätowieren, schlechte Hygiene im medizinischen Bereich und überall, wo es zu Blut-zu-Blut-Kontakt kommen kann, wie z.B. bei der Fuß- und Nagelpflege. Man spürt meist jahrzehntelang nichts von der Infektion – bis es oft zu spät ist. Die Anzahl von Hepatitis C Infizierungen ist somit siebenmal so hoch wie jene für Aids.

Hepatitis C-induzierte Lebererkrankungen stellen in Österreich derzeit die wichtigste Indikation für eine Lebertransplantation dar. Eine frühe Diagnosestellung und Therapie ist entscheidend, um Spätkomplikationen wie Leberzirrhose und Leberkrebs zu verhindern. Hepatitis C ist mit den heute verfügbaren Therapien in vielen Fällen heilbar.

Unter der Schirmherrschaft der „World Hepatitis Alliance (WHA)“ werden rund um den Globus am 19. Mai 2010 die unterschiedlichsten Aktivitäten gesetzt, um das Bewusstsein für diese Krankheit zu erhöhen und um möglichst alle Menschen auf das Risiko einer Infektion aufmerksam zu machen.

Neue Therapien geben Hoffnung

Beim letzten internationalen Gastroenterologen- und Hepatologenkongress (EASL) Ende April in Wien wurden neue Substanzen in der Therapie der chronischen Hepatitis C vorgestellt und damit die Heilungschancen noch wesentlicher erhöht.

Am weitesten fortgeschritten ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung von sogenannten Protease- und Polymerasehemmern. Dies sind kleine Moleküle, welche die Virusireplikation hemmen. Diese Substanzen sind derzeit noch nicht zugelassen, können daher vorläufig nur im Rahmen von klinischen Studien angewandt werden und zwar nur in Kombination mit der bisherigen Therapie mit Interferon und Ribavirin.

Das Fernziel der Therapie der chronischen Hepatitis C besteht darin, durch eine Kombination von Proteasehemmern und Polymerasehemmern die Virusreplikation zu hemmen. In diesem Fall könnte man den Patienten die potentiellen Nebenwirkungen von Interferon und Ribavirin ersparen.

Hepatitis B

Gleichzeitig darf Hepatitis B nicht vernachlässigt werden – eine Krankheit, die sich in jüngster Zeit als Folge der gestiegenen globalen Mobilität erneut auf dem Vormarsch befindet. Weltweit haben wir ca. 350 Millionen Infizierte. Ca. 2 Milliarden Menschen leben derzeit, die bereits mit dem Hepatitis B-Virus Kontakt hatten und immun sind. Die Infektionsgefahr während der Kontaktzeit mit dem Hepatitis B-Virus war aber sehr hoch. Man spürt ja meist nichts.

Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung. Jeder in Österreich sollte dagegen geimpft sein.

Übertragungsmöglichkeiten

Über Körperflüssigkeiten (vor allem im Sperma am höchsten konzentriert) und Blut-zu-Blut-Kontakt. Hepatitis B kann medikamentös kontrolliert werden, was das Risiko für einen Leberschaden stark reduziert. Auch hier stehen immer neue erfolgreiche Therapien zur Verfügung. Das Infektionsrisiko ist 100 mal höher als für HIV/Aids.

Forderungen an die Politik

Diese alarmierenden Fakten werden global und leider auch in Österreich von der Politik nicht genügend ernst genommen und das wahre Problem oft aus unverständlichen Gründen nicht richtig gewürdigt. Deshalb erhebt die HEPATITIS HILFE ÖSTERREICH (HHÖ) drei wesentliche Forderungen an die Politik:

– Annahme einer EU-Ratsempfehlung über „Vorsorgemaßnahmen zu viraler Hepatitis in Europa“, um die Früherkennung von viraler Hepatitis und einen breiteren Zugang zu Behandlung und Versorgung zu gewährleisten.

– Verpflichtung der Bundesregierung und der übrigen EU Mitgliedstaaten, die vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) aufgestellten Kriterien zur Kontrolle/Überwachung von viraler Hepatitis anzuwenden.

– Die Forderung global muss sein, alles zu unternehmen, das menschliche Leid bei einer Infektion zu reduzieren, Diskriminierungen zu bekämpfen und Aufklärung zu betreiben, jedem eine Diagnose- und Therapiemöglichkeit zu ermöglichen.

Gütesiegel für Permanent Make Up, Piercing, Tätowieren und Fuß- und Nagelpflege

Die HEPATITIS HILFE ÖSTERREICH (HHÖ) setzt als weltweit erste Patientenorganisation ein Zeichen zur zusätzlichen Sicherung der Verhinderung von Übertragungsmöglichkeiten von Hepatitis B und C in dem sie erstmals weltweit, das Gütesiegel der HHÖ für Permanent Make-Up, Piercer und Tätowierer und Fuß- und Nagelpfleger in Zusammenarbeit mit der Landesinnung Wien verleiht. Das Gütesiegel soll positive Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wecken, durch zusätzliche Aufklärung und Dokumentation Sicherheit für Kunden und die betreffenden Betriebe schaffen.

Quelle & weitere Informationen
zu Krankheiten, Therapien und Beratungsmöglichkeiten:

¹ Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) – www.gesundeleber.at

Linktipps

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