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Riskante Antibiotika-Schnellschüsse

Riskante Antibiotika-Schnellschüsse

Antibiotika-Schnellschüsse

Southampton – Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass Kindern mit Mittelohrentzündung viel zu häufig ohne ausreichenden medizinischen Grund Antibiotika verschrieben werden. Der Preis dafür seien unerwünschte Wirkungen wie zum Beispiel Durchfall und das Risiko einer Antibiotika-Resistenz, schreibt das British Medical Journal.

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Ärzte sollten nach der Diagnose zunächst drei Tage abwarten, den Krankheitsverlauf beobachten und erst Antibiotika verschreiben, wenn ein Kind dann noch immer unter Ohrenschmerzen oder Fieber leidet. Diese Empfehlung stützt sich auf die Ergebnisse einer vergleichenden klinischen Studie britischer Wissenschafter vom Aldermoor Health Centre in Southampton. Die Forscher hatten bei 315 Kindern mit einem Alter zwischen sechs Monaten und zehn Jahren so eine abwartende Vorgangsweise mit der Antibiotika-Sofortverschreibung verglichen. Der sofortige Antibiotikaeinsatz verkürze zwar die Dauer der Krankheit um etwa einen Tag, berichten die Studienautoren. Dieser Effekt müsse allerdings gegen die Nebenwirkungen der Antibiotika abgewogen werden.

Wirkung von Antibiotika

Positive Auswirkungen der Antibiotika zeigten sich außerdem erst nach den ersten 24 Stunden, allerdings waren bei den meisten Teilnehmern beider Gruppen Beschwerden wie Ohrenschmerzen, Fieber, Unwohlsein und Schlaflosigkeit nach drei Tagen ohnehin bereits verschwunden. Im Gruppenvergleich gab es außerdem kaum einen Unterschied im Schmerzmittelverbrauch, was nahe legt, dass Antibiotika den Schmerz praktisch nicht beeinflussen. Insgesamt waren mit der abwartenden Methode 75 Prozent weniger Antibiotika erforderlich. Wichtig sei es, empfehlen die Studienautoren, jenen kindlichen Patienten, die keine Antibiotika bekommen, rechtzeitig vor dem Schlafen ihre schmerzstillenden Medikamente zu verabreichen, um sowohl den Kindern als auch den Eltern eine schlaflose Nacht zu ersparen.

Bedeutsam sei aber auch ein unerwünschter psychologischer Effekt, der durch die vorschnelle Verschreibung von Antibiotika ausgelöst wird, meinen die Studienautoren. Führen Eltern die Gesundung ihres Kindes auf die Antibiotika-Behandlung zurück, würden sie auch in Zukunft auf dem Einsatz solcher Medikamente bestehen: „Das steigert den Druck auf die ärzte zur Verschreibung, und steigert damit die Gefahr von Antibiotika-Resistenzen“, warnen die Experten. Ein unerwarteter Beitrag im Kampf gegen die Mittelohrentzündung ist jetzt finnischen Wissenschaftern vom National Public Health Institute in Helsinki gelungen, berichtet das New England Journal of Medicine. Kinder, die mit einem neuartigen Pneumokokken-Impfstoff immunisiert wurden, litten nicht nur seltener an diesen schweren Infekten, sondern auch weniger oft an Mittelohrentzündungen.

Linktipps:

– Tuberkolose: WHO warnt vor resistenten Stämmen
– Phagen als Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen
– Arzneimittelallergien

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Kave Atefie





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