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Drogenkonsum in Österreich

Drogenkonsum in Österreich

Drogenkonsum in Österreich 2011

Mehr Cannabis und Kokain, weniger Ecstasy und Amphetamine – so lässt sich der Drogenbericht 2011 für Österreich zusammenfassen. Der Konsum von sogenannten Räuchermischungen – also Raumbedufter mit berauschender Wirkung – wurde dabei erstmals erhoben, spielt allerdings wegen der extrem niedrigen Prävalenzrate (Anzahl von Menschen mit Konsumerfahrung) in der Gesamtbevölkerung eine äußerst untergeordnete Rolle. Insgesamt weist die Studie keine wesentlichen neuen Trends in der österreichischen Drogenszene aus, der Drogenkonsum in Österreich bleibt relativ stabil.



Wenig überraschend weist der von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebene Bericht zur österreichischen Drogensituation im vergangenen Jahr Cannabis als am häufigsten konsumierte illegale Droge aus – 30 bis 40 Prozent der Drogenkonsumenten machten 2011 davon Gebrauch. Konsumerfahrungen von rund zwei bis vier Prozent der Allgemeinbevölkerung finden sich weiters für Ecstasy, Kokain und Amphetamine. Ein bis maximal zwei Prozent dürften Erfahrungen mit Opiaten gesammelt haben – Zahlen, die im Vergleich zum Jahr 2010 wenig Veränderung aufzeigen.

Drogenbericht 2011 - Anzahl der Drogentoten in Österreich

Auch beim problematischen Drogenkonsum (das intravenöse Injizieren von Opiaten und dabei speziell der Mischkonsum von Opiaten), missbräuchlich verwendeten Medikamenten und Alkohol – gibt es kaum Änderungen. Insgesamt dürfte die Zahl der Abhängigen in Österreich zwischen 25.000 und 37.000 betragen.

Mit etwa 22 Drogentoten pro Million Einwohner liegt Österreich im Durchschnitt der Europäischen Staaten. Im Spitzenfeld liegen Irland und Großbritannien mit 46 bzw. 40 Toten pro Million Einwohner. Trauriger Rekordhalter aber ist Estland, für das die Statistik knapp mehr als 99 Tote durch Drogenkonsum pro Million Einwohner ausweist.

Zahl der Drogentoten stabil

Die Zahl der Drogentoten ist in Österreich stabil bis rückläufig: 2010 starben 170 Personen an Suchtgiftkonsum, bei weiteren 17 Fällen wurde keine verifizierende Obduktion durchgeführt. Im Jahr zuvor waren es 187 verifizierte Fälle, 2006 hatte man 197 verifizierte Fälle registriert.

Ein Großteil des Drogenkonsums geschieht im so genannten „geschützten privaten Raum“ – also in den eigenen vier Wänden. Fast 80 Prozent der Drogentoten wurden in Wohnungen gefunden. 82 Prozent der Verstorbenen sind männlich, das Durchschnittsalter der Opfer betrug im Jahr 2010 32,4 Jahre.

Neu ist die Erkenntnis, dass offensichtlich bei einer erschreckend hohen Zahl an Drogensüchtigen seelische Erkrankungen den Grundstein bilden: Suchtspezialisten haben jedenfalls herausgefunden, dass bei wesentlich mehr Betroffenen als bisher angenommen psychiatrische Grunderkrankungen vorliegen. Die Sucht selbst gilt als eigenständige psychische Störung mit Krankheitswert, wird aber medial nicht selten als moralische Schwäche oder krimineller Zustand beschrieben.

Das Aus für „legale“ Drogen – „legal heighs“ verboten

Nach dem Verbot der Trend-Drogen „Spice“ und „Space“ im Jahr 2009 wurden 2010 weitere psychoaktive Substanzen, die bisher legal erhältlich waren, zuerst per Verordnung des Gesundheitsministeriums, schließlich per Gesetz verboten. Auslöser des Verbots war die wachsende Medienberichterstattung über die leichte Verfügbarkeit von sogenannten „Research Chemicals“ (etwa Mephedron) – also synthetischer, psychoaktiver Substanzen, die als „legal highs“ in einschlägigen Shops oder über das Internet, teilweise aber auch auf der Straße verkauft wurden.

Diese Substanzen wurden bisher in sogenannten Headshops in bunten Verpackungen und unter klingenden Namen wie z. B. „Miaow“, „Blow“ oder „NRG“ offiziell als Badesalz, Räuchermittel oder als Dünger verkauft. Außerdem waren die Substanzen im Internet auch unter ihren chemischen Bezeichnungen selbst in größeren Mengen einfach und offiziell für Forschungszwecke erwerbbar – daher der Name „Research Chemicals“.

Mit dem Verbot gilt Österreich europaweit als einer der Vorreiter, da das Gesetz erstmals ganze chemische Verbindungsklassen und nicht nur einzelne Stoffe erfasst. Um Verbote einzelner Stoffe zu umgehen, veränderten die Erzeuger bis dahin nämlich einfach die Molekülstrukturen einer Substanz geringfügig und konnten legal und ungehindert weiter die Märkte bedienen.

Allein im Jahr 2010 wurden so 41 neue Substanzen von der EBDD registriert. Dabei war allen Substanzen gemein, dass sie zumeist in großem Maßstab in Asien produziert wurden und dass über deren mögliche gesundheitliche Wirkungen und Gefahren wenig bis gar nichts bekannt war. Mit der neuen Regelung hat der Gesetzgeber in Österreich diese Grauzone nun beseitigt.

Erfolg mit Substitutionstherapie, Defizite in der Betreuung

Erfolge weist der Drogenbericht 2011 im Bereich der Drogenersatztherapie aus: Bis zu 52 Prozent der Personen mit problematischem Drogenkonsum (mit Beteiligung von Opiaten) befanden sich demnach in oraler Substitutionsbehandlung und konnten so vom gefährlichen intravenösen Konsum abgehalten werden. Durch die rechtlich strikt geregelte Drogenersatztherapie und die damit verbundene Verschreibung von opiathaltigen Medikamenten (z. B. Methadon, Buprenorphin, retardierte Morphine) können Abhängige zudem vom illegalen Suchtgiftmarkt ferngehalten und deren medizinische und soziale Betreuung bzw. Reintegration gefördert werden.

Während die orale Substitutionstherapie für Opiat-Abhängige in Österreich in den vergangenen 20 Jahren eine echte Erfolgsstory geworden ist, lassen sich nach wie vor Defizite bei der Betreuung von Suchtpatienten feststellen.

So gibt es in sechs Bundesländern noch immer Bezirke, in denen kein einziger niedergelassener Kassenarzt zu einer Substitutionsbehandlung berechtigt ist. Deshalb müssen die Betroffenen für ihre Rezepte oft weit in Ambulanzen fahren, was das berufliche und private Zeitmanagement äußerst schwierig macht.

Die Autoren der Studie erkennen demnach dringenden Handlungsbedarf bei den Bundesländern, weitere Honorarverträge über die Betreuung von Substitutionspatienten zwischen Landesärztekammer und Gebietskrankenkasse zu erwirken. Außerdem müssten mehr Ärzte zur erforderlichen Ausbildung und dem Praktizieren der Substitutionstherapie motiviert werden, um das Therapieangebot für Suchtpatienten in Zukunft verbessern zu können.

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Quelle: Bundesministerium für Gesundheit – Bericht zur Drogensituation 2011

Linktipps:

– Sucht überwinden – Wege aus der Abhängigkeit
– Stress & Sucht
– Sucht beginnt im Alltag, Prävention auch
– Wundermittel Hanf – vom Rausch- zum Arzneimittel
– Cannabidion-Öl: Hanföl als Mittel gegen zahlreiche Krankheiten

Kave Atefie





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