Österreichs Patienten mit Ärzte-Wartezimmern wenig zufrieden

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Wartezimmer in Ordinationen

Keine aktuellen Informationsangebote, unbequeme Sitzmöbel und schlechte Lüftung sind Hauptkritikpunkte der Patienten von praktischen Ärzten und Fachärzten. Ärzte nutzen Wartezeit ihrer Patienten zu wenig für Administratives und Patienteninformation. Diese Zeit fehlt bei der eigentlichen Behandlung. Das ergibt eine aktuelle Marketagent-Studie.

Während Ärzte immer öfter wegen administrativer Überlastung über zu wenig Zeit für die Patientenbetreuung klagen, verstreicht die Wartezeit der Patienten in de Arztpraxen immer noch meist ungenützt. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts Marketagent mit dem Titel „Patienten-Zufriedenheit in Österreichs Wartezimmern“.

Österreichische Wartezimmer mit großem Verbesserungspotenzial

Aus der Studie geht unter anderem hervor, dass nur jeder zweite Patient mit den Wartezimmern seiner Ärzte zufrieden ist. Die 450 befragten Österreicher sind zum überwiegenden Teil der Meinung, dass Österreichs Ärzte zu wenig in ihre Wartezimmer investieren und beklagen vor allem das Fehlen von aktuellen Zeitungen und Informationsangeboten (32,9%), unbequeme Sitzmöbel (34,7%) und schlechte Lüftung (31,2%).

49,3 Prozent sehen das Wartezimmer trotzdem oder gerade deswegen als Aushängeschild des Arztes und machen von seiner Ausstattung eine Weiterempfehlung des Arztes abhängig. Bereits 20 Prozent der Patienten geben an, dass bei ähnlicher Qualität der medizinischen Betreuung die Ausstattung des Wartezimmers der entscheidende Faktor für die Auswahl oder den Wechsel eines Arztes ist. Ein Faktum, das von Österreichs Ärzten noch immer zu wenig beachtet wird.

Wartezeit sinnvoll nutzen

Obwohl die Patienten deutlich mehr Zeit im Wartezimmer verbringen als beim Arzt selbst, verstreicht diese Zeit meist ungenutzt, anstatt zur Abwicklung von administrativen Angelegenheiten oder zur allgemeinen Patienteninformation verwendet zu werden.

„Die Ergebnisse der Wartezimmer-Studie sollte Ärzten zu denken geben. Sie zeigen deutlich, dass viele österreichische Ärzte ihrem Wartezimmer immer noch zu wenig Bedeutung beimessen. Dabei ist die lange Verweildauer der Patienten im Wartezimmer hervorragend dazu geeignet, Informationen zu vermitteln und neue Dienstleistungen anzubieten. In jeder anderen Branche würde man sich über derart lange Verweildauern von Kunden in Geschäften freuen. Im Wartezimmer jedoch verstreicht wertvolle Zeit ungenützt, obwohl die heutigen technischen Möglichkeiten eine automatisierte und trotzdem hochwertige Patienteninformation sehr leicht machen.“, erklärt Gergely Teglasy, Mitbegründer und einer der Inhaber der Firma Medscreen.

Wie auch die Österreichische Ärztekammer immer wieder bestätigt, wird ein großer Anteil des eigentlichen Arztgespräches heute für administrative Angelegenheiten und allgemeine Informationen und nicht für die individuelle Patientenbetreuung verwendet. Das bestätigt auch die Wartezimmer-Studie: 53 Prozent der Patienten gaben an, dass sogar mehr als die Hälfte ihres
eigentlichen Arztgespräches nur aus allgemeinen Informationen und Administration besteht. So wundert es nicht, dass 88 Prozent der Befragten wünschen, administrative und allgemeine Informationen, z. B. zur Nutzung der e-Card, bereits im Wartezimmer zu erhalten, damit beim Arzt mehr Zeit für die eigentliche Behandlung bleibt.

Information, Unterhaltung, Werbung?

Dass die Wartezeit der PatientInnen oftmals tatsächlich sinnlos verstreicht ist unbestrittenen Realität, ob sich die Arztbesucher allerdings tatsächlich einer Dauerberieselung durch akustisch/optische Reize aussetzen wollen ist fraglich. 84 Prozent der von Marketagent befragten Patienten gaben an, beim Arztbesuch die Hälfte oder noch mehr ihrer Zeit im Wartezimmer zu verbringen. 23,5 Prozent gaben an, durchschnittlich bis zu 15 Minuten zu warten, 41,3 Prozent warten bis zu einer halben Stunde und weitere 35 Prozent sogar noch deutlich länger.

Verständlich, dass diese Zeit genutzt werden will – vor allem von Anbietern aus der Informationsbranche, schließlich sind Patienten auch potenzielle Kunden. Das Wiener Unternehmen Medscreen hat sich auf redaktionell betreute Informations- und Unterhaltungsangebote für den Wartezimmerbereich von Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen, Ambulatorien oder Spitäler inklusive der dafür notwendigen technischen Infrastruktur spezialisiert. Mit Infotainment-Angeboten auf Großbildschirmen soll Patienten die Zeit im Wartezimmer verkürzt und Ärzten eine effiziente Möglichkeit zur Präsentation ihrer Dienstleistungen geboten werden.

Dabei wird ein ständig aktuelles 20-minütiges Informationsprogramm erstellt, das via Internet in die Arztpraxen übertragen wird. Nach Angaben der Firma wird Werbung im Medscreen-Programm nur zu zielgruppenrelevanten Fachthemen angenommen. Das komplette Medscreen-Informationssystem (PC, Flatscreen und Informationsinhalte) pro Ordination kostet dem Arzt ca. 300.- EUR im Monat, weitere Einkünfte lukriert das Unternehmen aus o.a. Werbeeinschaltungen.

Ob der Wunsch der PatientInnen nach Information über neue Leistungen und Therapie-Angebote ihres Arztes mit diesen neuen Systemen tatsächlich erfüllt wird bleibt abzuwarten. Die Nachfrage seitens der Ärzteschaft nach Infotainment-Systemen ist jedenfalls stark im steigen begriffen – so sollen im Laufe der nächsten Monate nach Angaben von Medscreen an die 1.000
Standorte (Arztpraxen, Ambulatorien usw.) in ganz Österreich erschlossen werden.

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