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Wundheilung mit Maden

Wundheilung mit Maden

Madentherapie

Zwei Lucilia sericata Larven – das kleinere Exemplar hat noch nicht gefressen, die größere Larve hat sich bereits in der Wundreinigung verdient und Größe sowie Gewicht potenziert.

Vor allem bei chronischen Entzündungen haben sich Maden als effektive therapeutische Helfer erwiesen. Doch nicht jede Wunde kann mit Maden behandelt werden.

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Wundheilung – wenn herkömmliche Methoden versagen

Maden setzen ein Verdauungssekret frei, mit dessen Hilfe sie entzündetes und abgestorbenes Gewebe aus der Wunde saugen können und so neue Möglichkeiten bei langwierigen und komplizierten Wundheilungen ermöglichen. Es besteht aus mehr als 1.000 Proteinen und wirkt sogar noch keimtötend, wenn manche Antibiotika versagen. Doch Wunder können auch sie nicht vollbringen, denn Madentherapie ist nicht bei jeder Wunde anwendbar. Bevor man sich mit Maden behandeln lässt, sollten alle herkömmlichen Methoden ausgeschöpft werden. Wichtig ist auch, dass man sich einen seriösen Therapeuten mit viel Erfahrung sucht.

Verpackt im „Biobag“

Zur Behandlung werden die Tierchen in sterile Membranbeutel, „Biobags“, verpackt, aus denen sie nicht entkommen können. Das ist sehr wichtig, denn sonst könnten sie möglicherweise Krankheiten übertragen. Alle drei bis vier Tage müssen die Biobags ausgewechselt werden. Denn dann haben sich die Maden mit krankem Gewebe vollgefressen. In der unfallchirurgischen Abteilung des Krankenhauses Bietigheim hat Dr. Wim Fleischmann seit 1996 mehr als 700 Patienten mit Maden-Biobags behandelt.

Dr. Wim Fleischmann, Unfallchirurg, Krankenhaus Bietigheim: „Die Maden spucken durch die Poren dieses Verbandes ihr Verdauungssekret. Es gelangt über den Wundverband an die Wundoberfläche, reinigt die Wunden, löst abgestorbenes Gewebe auf, beseitigt Infektionen und stimuliert die Wundheilung.“ Gerade bei Verwendung von Membranbeuteln ist die Madentherapie so gut wie schmerzfrei. Die Patienten spüren meist nur ein leichtes Kitzeln.

Keimfreies Medizinprodukt

Dass Maden Wunden schneller heilen lassen, weiß man schon lange. Bereits im 16. Jahrhundert beschrieb der Chirurg Ambroise Par die positive Wirkung von Fliegenlarven. Die Militärärzte Napoleons setzten Maden in den Feldlazaretten ein. Um 1930 konstruierte ein Forscher schon Netz-Käfig-Verbände. Dann aber ebbte das Interesse ab. Erst der kalifornische Forscher Ronald Sherman begann Anfang der 80er Jahre erneut mit Madenforschung. Heute sind Therapiemaden ein keimfreies Medizinprodukt. Mitte 1999 stuften die Behörden Maden als Arzneimittel ein. Eine einzige Firma (Neocura in Stuttgart-Hohenheim) in Deutschland hat seitdem die Lizenz zum Züchten und muss hohe Qualitätsstandards einhalten.

Dr. Anke Dinkel, Diplom-Biologin, Firma Neocura: „Die mikrobiologische Unbedenklichkeit wird bei jeder Charge überprüft und zertifiziert, und auch die Identität der Larve, das heißt die richtige Art wird genau bestimmt.“

Nicht jede Art eignet sich für die klinische Madentherapie. Die Larven der Schmeißfliegenart Lucilia Sericata laben sich ausschließlich an abgestorbenem Gewebe. Andere Schmeißfliegenlarven können dagegen Krankheiten übertragen und greifen gesundes Gewebe an. Deshalb wird zu Therapiezwecken zurzeit vor allem diese Art gezüchtet.

Einsatz bei entzündeten Knochen

Die Bietigheimer Unfallchirurgen setzen auf Maden als Teil eines kompletten Behandlungskonzepts. Auch bei entzündeten Knochen setzen sie zusätzlich zur Operation Maden ein. Hierbei ist es wichtig, dass das heilende und reinigende Verdauungssekret der Maden den Entzündungsherd auch erreicht. Die Biobags müssen deshalb in die Wunde eingebracht werden.

Der entzündete Knochen wird im Operationssaal zunächst gereinigt und für den Einsatz der Biochirurgen vorbereitet. Die Maden entfernen dann die letzten Bakterien aus dem Knochen. Blut vertragen sie jedoch nicht.

Dr. Wim Fleischmann: „Erst wenn die Blutung aufgehört hat, werden die Maden im Biobag eingebracht. Nach drei bis vier Tagen wechseln wir. In der Regel sind dann weitere Behandlungsmaßnahmen nicht erforderlich.“

Ergänzung zur modernen Medizin

Ein weiteres Einsatzgebiet für die Maden ist das kombinierte Gewebe-Streching, zum Beispiel bei einer schlecht heilenden Wunde nach einer Kniegelenks-Operation. Mit moderner Technik wird dann die Haut gedehnt und dann mit Maden gegen die Infektion behandelt.

Linktipps:

– Wikipedia: Madentherapie
– Neue Standards in der Wundhygiene

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Kave Atefie





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