PSA-Wert-Bestimmung und Prostatauntersuchung – ein Leitfaden für Männer ab 40

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
PSA-Wert-Bestimmung und Prostatauntersuchung – ein Leitfaden für Männer ab 40

Fotocredit: uzhursky – stock.adobe.com

Ab dem 40. Lebensjahr beginnen viele Männer sich zu fragen, wie es um ihre Prostata‑Gesundheit steht und ob ein PSA-Test wirklich nötig ist.


Dieser Leitfaden soll verständlich erklären, was die Bestimmung des PSA-Wertes und eine moderne Prostatauntersuchung leisten können – und wie sie helfen, Prostatakrebs früh zu entdecken, ohne unnötig Angst zu machen.

PSA-Wert & Prostatauntersuchung – Artikelübersicht:

Nachfolgend wollen wir den PSA-Wert leicht verständlich für Laien erklären: das umfasst Normwerte, Ursachen für Erhöhungen, Ablauf und Umfang einer Prostatauntersuchung ebenso, wie die Antwort darauf, wann eine weitere Abklärung sinnvoll ist.

Was ist der PSA-Wert?

Der PSA-Wert bezeichnet das Prostata-spezifische Antigen, ein Eiweiß, das ausschließlich von Zellen der Prostata gebildet wird.

Seine physiologische Aufgabe besteht darin, das Ejakulat zu verflüssigen. Geringe Mengen gelangen dabei in den Blutkreislauf und können im Rahmen einer Blutuntersuchung gemessen werden.

Veränderungen der Prostata führen häufig zu einem Anstieg des PSA-Werts. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um bösartige Prozesse.

Auch gutartige Prostatavergrößerungen, Entzündungen oder mechanische Reize können den Wert erhöhen.

Der PSA-Wert ist daher kein Krebsnachweis, sondern ein biologischer Marker, der Hinweise auf Veränderungen der Prostata liefert und immer im Gesamtkontext interpretiert werden muss.

Deshalb wird seit etwa 2024 bei Blutuntersuchungen der PSA Wert zumeist nicht mehr mit der Bezeichnung Tumormarker versehen, da dies bei Patienten zu falschen Interpretationen führte.

Altersabhängige PSA-Normbereiche

Da die Prostata im Laufe des Lebens wächst, steigt auch der PSA-Wert altersbedingt an. Internationale Fachgesellschaften empfehlen deshalb altersadaptierte Referenzbereiche:

  • 40–49 Jahre: 0–2,5 ng/ml
  • 50–59 Jahre: 0–3,5 ng/ml
  • 60–69 Jahre: 0–4,5 ng/ml
  • ab 70 Jahre: 0–6,5 ng/ml

Ein Wert oberhalb dieser Grenzen ist nicht automatisch krankhaft, sollte jedoch immer Anlass für eine strukturierte Abklärung sein.

Wann ist eine PSA-Bestimmung sinnvoll?

Eine PSA-Bestimmung wird empfohlen für Männer ab 45 Jahren, bei familiärer Vorbelastung bereits ab 40 Jahren. Sie ist besonders sinnvoll bei Beschwerden wie häufigem Wasserlassen, nächtlichem Harndrang, abgeschwächtem Harnstrahl oder bei bekannter Prostatavergrößerung zur Verlaufskontrolle.

Für eine aussagekräftige Messung sollten vor der Blutabnahme mindestens 48 Stunden keine Ejakulation stattfinden, starke mechanische Belastungen des Dammbereichs vermieden und möglichst immer dasselbe Labor genutzt werden.

Zusätzliche PSA-Parameter

Die Aussagekraft des PSA-Werts lässt sich durch zusätzliche Parameter verbessern. Besonders wichtig ist das freie PSA und dessen Verhältnis zum Gesamt-PSA.

Liegt der Quotient über 25 Prozent, spricht dies eher für eine gutartige Ursache. Werte zwischen 15 und 25 Prozent gelten als Graubereich, während ein Quotient unter 10 Prozent mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko assoziiert ist.

Ebenfalls relevant ist der PSA-Verlauf über die Zeit. Ein Anstieg von mehr als 0,35 ng/ml pro Jahr gilt als Warnsignal und kann wichtiger sein als ein einzelner absoluter Wert.

Gutartige Prostatavergrößerung und Medikamente

Die gutartige Prostatavergrößerung ist eine häufige altersbedingte Veränderung. Zur Behandlung werden unter anderem Medikamente eingesetzt, die den Hormonstoffwechsel beeinflussen.

Finasterid und Dutasterid hemmen die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, verkleinern die Prostata und senken den PSA-Wert nach mehreren Monaten um etwa 50 Prozent.

Bei Männern, die diese Medikamente einnehmen, muss der gemessene PSA-Wert für die Beurteilung entsprechend korrigiert werden. Alfatradiol wird lokal angewendet und führt zu einer milderen Reduktion des PSA-Werts.

Finasterid und Dutasterid sind allerdings keine Medikamente zur bewussten Senkung des PSA-Werts, sondern 5‑Alpha‑Reduktasehemmer zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH).

Die PSA‑Senkung um etwa 50 % nach einigen Monaten Therapie ist ein klassischer Nebeneffekt, der bei der Interpretation von PSA‑Werten (Verdoppelung des gemessenen PSA für die Beurteilung) zwingend mitgedacht werden muss und die Früherkennung von Prostatakrebs erschweren kann.

Sie kommen typischerweise bei Männern mit nachgewiesener BPH, vergrößerter Prostata und entsprechenden Beschwerden (z.B. abgeschwächter Harnstrahl, nächtlicher Harndrang) zum Einsatz, nicht jedoch als reine PSA‑„Kosmetik“ oder zur isolierten Krebsprävention, da Studien Hinweise auf eine Verschiebung hin zu aggressiveren Tumoren unter Prophylaxe‑Einsatz zeigen und Leitlinien deshalb eine sehr zurückhaltende, indikationsbezogene Anwendung empfehlen.

In der Praxis bedeutet das: Wenn eines dieser Medikamente verordnet wird, steht die Behandlung der Grunderkrankung (v.a. BPH) im Vordergrund, und der PSA‑Wert muss unter laufender Therapie immer „korrigiert“ interpretiert werden, statt ihn als vermeintlich beruhigend niedrig zu betrachten.

Familiäre Vorbelastung und Risiko

Eine familiäre Vorbelastung ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Prostatakrebs. Männer, deren Vater oder Bruder betroffen ist, haben ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Besonders ausgeprägt ist das Risiko, wenn die Erkrankung des Angehörigen vor dem 65. Lebensjahr aufgetreten ist. In diesen Fällen werden frühere und engmaschigere PSA-Kontrollen empfohlen sowie eine niedrigere Schwelle für weiterführende Diagnostik.

Ablauf der Prostatauntersuchung

Die urologische Abklärung erfolgt stufenweise. Zunächst werden Beschwerden und Risikofaktoren erhoben, gefolgt von der digitalen rektalen Untersuchung zur Beurteilung der Prostataoberfläche.

Ergänzend erfolgt die PSA-Bestimmung im Blut. Bei Auffälligkeiten können Ultraschalluntersuchungen oder moderne bildgebende Verfahren wie das multiparametrische MRT eingesetzt werden.

Entscheidend ist häufig die Verlaufskontrolle und natürlich die Familiengeschichte.

Gerade unter Berücksichtigung von:

  • deutlichem PSA-Anstieg
  • niedrigem fPSA-Quotienten
  • familiärer Vorbelastung (Bruder, Vater, Onkel)

ist das multiparametrische Prostata-MRT heute der Goldstandard vor jeder Biopsie.

Es ermöglicht:

  • Erkennung klinisch relevanter Tumoren
  • Vermeidung unnötiger Biopsien
  • gezielte, risikoadaptierte Weiterdiagnostik

Ablauf einer multiparametrischen MRT (mpMRT)

Eine multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) ist eine schmerzfreie, nicht‑invasive Untersuchung, bei der der Patient meist in Rückenlage in einer MRT‑Röhre liegt, während über mehrere Messreihen detaillierte Bilder – häufig mit Kontrastmittel über eine Armvene – aufgenommen werden.

Der eigentliche Scan dauert in der Regel etwa 30 Minuten und erfordert ruhiges Liegen und wird mit speziellen Sequenzen und Kontrastmittel ausgewertet, um Gewebe wie die Prostata detailliert zu beurteilen.

Vor der Untersuchung werden Patienten gebeten, alle Metallgegenstände abzulegen und Blase sowie gegebenenfalls den Darm zu entleeren. Bei starker Darmtätigkeit kann ein Medikament zur Beruhigung des Darms gegeben werden.

Während der Untersuchung erhält der Patient Kopfhörer gegen die lauten Klopfgeräusche, einen Notfallknopf in die Hand und bleibt über eine Sprechanlage mit dem Team in Kontakt, während eine Spule im Beckenbereich die Signale der Prostata bzw. des zu untersuchenden Organs empfängt.

Nach Abschluss der Aufnahmen wird das Kontrastmittel entfernt, der Patient kann sich wieder anziehen und die Radiologinnen und Radiologen werten die Bilder aus, erstellen einen Befund und übermitteln diesen zur weiteren Besprechung an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.

Was tun, wenn die PSA-Werte erhöht sind?

Ein erhöht gemessener PSA-Wert bedeutet nicht automatisch eine ernste Erkrankung. Ein strukturiertes Vorgehen hilft, unnötige Eingriffe zu vermeiden:

  • Wenn der PSA-Wert erstmals erhöht ist, dann Wiederholung der Messung nach 4–6 Wochen unter standardisierten Bedingungen.
  • Wenn der PSA-Wert deutlich gesunken ist, dann regelmäßige Verlaufskontrollen.
  • Wenn der PSA-Wert persistierend erhöht bleibt oder weiter ansteigt, dann urologische Abklärung.
  • Wenn zusätzlich der freie PSA-Quotient unter 10 Prozent liegt oder der PSA rasch steigt, dann weiterführende Diagnostik, meist mittels multiparametrischem MRT.
  • Wenn das MRT auffällige Areale zeigt, dann gezielte Biopsie.

PSA-Wert | Infografik zum Ausdrucken

Infografik PSA-Wert

Häufige Fragen

  • Muss jeder Mann den PSA-Wert bestimmen lassen? Nein, es handelt sich um eine freiwillige Vorsorgeentscheidung.
  • Bedeutet ein hoher PSA-Wert Krebs? Nein, häufige Ursachen sind gutartige Veränderungen oder Entzündungen.
  • Wie oft sollte der PSA-Wert kontrolliert werden? Bei unauffälligem Befund alle ein bis zwei Jahre, bei Auffälligkeiten häufiger.
  • Kann der PSA-Wert trotz Krebs normal sein? Ja, deshalb ist die Kombination mehrerer Untersuchungen entscheidend.
  • Beeinflussen Medikamente den PSA-Wert? Ja, insbesondere Finasterid und Dutasterid.
  • Was kann man selbst für die Prostata tun? Regelmäßige Bewegung, Gewichtskontrolle, ausgewogene Ernährung und Rauchverzicht.

Fazit

Der PSA-Wert ist ein wertvolles Instrument zur Früherkennung und Verlaufskontrolle von Prostataerkrankungen.

Seine Aussagekraft entfaltet sich erst durch altersangepasste Interpretation, Verlaufskontrollen und die Berücksichtigung von Medikamenten und familiärer Vorbelastung.

Die begleitenden Infografiken zu PSA-Normwerten, Medikamentenwirkung und Untersuchungsablauf bieten eine übersichtliche visuelle Ergänzung und erleichtern das Verständnis der komplexen Zusammenhänge.

————–

Quellen:

¹ Prostata-spezifisches Antigen (PSA)
² Multiparametrische MRT (mpMRT) der Prostata (Prostata Hilfe Deutschland)

--------------------------

Linktipps

– Was sind Biomarker?
– Magnetresonanztomographie
– Prostatabeschwerden – Immer noch ein Tabuthema
– Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung
– Benigne Prostatahyperplasie
– Therapie gegen Prostatakrebs

Das könnte Ihnen auch gefallen …