Medizinlexikon: Gallenblase und Galle [Organe]

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Gallenblase, Galle

Das Erscheinungsbild der Gallenblase erinnert an das Aussehen einer Birne. Das Organ weist eine Länge von ca. 8 – 12 cm und eine Breite von ca. 4 – 5 cm auf und hängt sackförmig als Anhängsel am Gallengang. Dieser verbindet die Leber mit dem Zwölffingerdarm.

Die Gallenblase fungiert als Speicherorgan für die von der Leber ständig produzierte Gallenflüssigkeit, für die der Körper jedoch nur während der Verdauungsphasen Verwendung findet. Nach dem Transport in die Gallenblase wird dort der Gallenflüssigkeit Wasser entzogen, sie wird auf 10 % ihres Volumens eingedickt und erhält die typische Grünfärbung. Da die Leber jedoch viel mehr Gallensaft als notwendig – bis zu einem Liter täglich – bildet, verbleibt stets ein überschüssiger Rest in der Gallenblase.

Sobald Nahrung im Zuge der Verdauung in den Darm gelangt, wird Gallenflüssigkeit durch Kontraktion in den Zwölffingerdarm befördert. Dort ist sie für die Verdauung von Fett bzw. Lipiden zuständig: Die Gallenflüssigkeit „umschließt“ quasi die Fette aus der Nahrung und zerlegt („emulgiert“) diese soweit, dass sie durch die Darmwand in den Blutkreislauf und von dort in die Leber gelangen können. Durch den Verdauungsprozess gelang fast die gesamte Menge an verbrauchtem Gallensaft wieder in die Leber. Lediglich ein geringer Anteil (ca. 4 – 5%) wird über den Stuhlgang ausgeschieden.

Gallensteine und Gallenblasenentzündung

Gallensteine: (griechisch Cholelithiasis – von Chole = die Galle und Lithos = der Stein)
Das Auftreten der Gallensteine im Gallengang bezeichnet man als Choledocholithiasis. Gallensteinleiden zählen zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts. In den westlichen Industrieländern entwickeln über 20 % der Erwachsenen Gallensteine. Statistisch sind bei den über 40-Jährigen ca. 20 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer betroffen. Mit zunehmendem Alter steigen diese Zahlen beständig an, wobei sechs Risikofaktoren, aufgrund der englischen Begriffe auch bekannt als die „sechs F“, den Ausschlag geben:

  • female (weiblich)
  • familiy (gehäuftes Auftreten in der Familie)
  • fat (übergewichtig)
  • fertile (mehr als ein Kind)
  • forty (über Vierzig)
  • fair (hellhäutig)

Die Gallensteine treten entweder als Cholesterinsteine oder als Pigmentsteine auf. Erstere sind hart, gelblich und machen ca. 80 % aller Fälle aus. Bei ca. 20 % handelt es sich hingegen um die dunklen, weichen Pigmentsteine.

Cholesterinsteine bilden sich entweder durch ständig erhöhten Cholesterinspiegel oder durch mangelnde Rückgewinnung von Gallensäure, wodurch der Cholesterinanteil überproportional ansteigt und sich rund um einen Kristallisationskern anlagert. Die Steine können eine Größe von mehreren Zentimetern erreichen. Die erste Abklärung erfolgt durch Ultraschall, gegebenenfalls auch durch MR, Computertomographie oder ERCP, einer endoskopischen Untersuchungsmethode, bei der eine Sonde über den Mund bis zum Gallengang geführt wird.

Symptomloses Vorhandensein von sogenannten „stummen“ Gallensteinen erfordert an und für sich kein weiteres Eingreifen. Häufig treten jedoch Komplikationen auf: In erster Linie Krämpfe bis hin zu Koliken, damit verbunden auch Funktionsstörungen der Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und Leber.

Symptome

Durch Gallensteine verursachte Krämpfe äußern sich durch Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme und ein Druckgefühl im Oberbauch, bisweilen auch im Brustkorb, Unterbauch und Rücken. Dies kann sich bis hin zu wehenartigen Schmerzen (Koliken) steigern.

Gallenkoliken werden durch eine Verstopfung an der Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm verursacht. Heftige krampfartige Schmerzen sind die Folge, begleitet von Übelkeit, Fieber und Schüttelfrost. Als Folgeerkrankungen können Funktionsstörungen der beteiligten Organe auftreten: Gelbsucht, Gallenblasenentzündung und Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Therapie

Wenn der Stein bei einer Kolik nicht von selbst abgeht, erfolgt im Akutfall oft ein endoskopischer Eingriff mittels ERCP, der den Gallengang befreit. Eine eingetretene Entzündung der Gallenblase wird zumeist mit Antibiotika behandelt. Danach besteht in vielen Fällen die Notwendigkeit, die vorhandenen Gallensteine nachhaltig zu entfernen.

Hierfür werden verschiedene Methoden angewandt:

  • Kleine Steine lassen sich oft durch Litholyse zerstören, dabei werden die Steine chemisch zersetzt. Nachteil: Meist bilden sich nach einiger Zeit erneut Gallensteine.
  • Eine zweite Möglichkeit ist die Lithotripsie, die Steinzertrümmerung durch Ultraschallwellen. Diese zunächst zur Beseitigung von Nierensteinen entwickelte Methode wird wegen häufiger Komplikationen jedoch höchst selten eingesetzt.
  • Auch eine endoskopische Zerkleinerung bzw. Entfernung von Gallensteinen mittels ERCP ist in manchen Fällen möglich.
  • Am häufigsten wird jedoch operativ die gesamte Gallenblase entfernt. Dies kann entweder durch einen minimal-invasiven Eingriff – es werden über kleine Schnitte in die Bauchdecke Licht-, Kamera- und Instrumentensonden eingeführt –, oder über eine „normale“ Öffnung der Bauchdecke erfolgen.

Nach Entfernung der Gallenblase sind Patienten üblicherweise in ihrer Lebensqualität kaum eingeschränkt. Die Leber produziert weiterhin Gallenflüssigkeit, die allerdings nun nicht mehr in der Gallenblase gespeichert werden kann. Damit sorgen in den ersten Monaten nach einer Operation üppige Mahlzeiten bisweilen für Verdauungsprobleme. Es wird daher in dieser Zeit die Einhaltung einer speziellen Diät empfohlen.

Linktipps

– Körperatlas (body browser) – die Gallenblase
– Medizinlexikon Sonographie
– Medizinlexikon Magnetresonanztomographie (MRT)

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!