EHEC verursacht Run auf Desinfektionsmittel

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Desinfektionsmittel, EHEC

Seit die EHEC-Bakterien Schlagzeilen machen, ist die Nachfrage nach Seife und Desinfektionsprodukten schlagartig gestiegen: Sowohl Drogeriemärkte als auch Internet-Shoppingportale wie ebay verzeichnen überdurchschnittliche Absatzzuwächse. Allein bei der Fachmarktkette dm Drogerie Markt kauften nach eigenen Angaben Konsumenten in den letzten drei Wochen rund 50 Prozent mehr Desinfektionsprodukte, auch der Absatz bei Handseifen stieg im zweistelligen Prozentbereich.

Der beste Schutz gegen bakterielle Infektionen liegt buchstäblich in der eigenen Hand. Wer sich mehrmals täglich die Hände wäscht, am besten jeweils 30 Sekunden oder länger, hat nachweislich ein geringeres Risiko, an einem bakteriellen Infekt zu erkranken. „Wir sehen auch im Herbst, während Husten und Schnupfen Hochsaison haben, eine deutlich höhere Nachfrage nach Seife und Handhygiene-Produkten. Dass derzeit die Steigerungen in diesem Bereich so hoch sind, ist allerdings für die Jahreszeit eher untypisch. Wir führen diese Entwicklung auf die Sorge der Konsumenten wegen des EHEC-Keims zurück. Die Leute achten mehr auf ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familie“, erklärt dm Sprecher Stefan Ornig.

Konsumenten reagieren auf EHEC: Verstärkte Nachfrage nach Hygieneprodukten

„Aufgrund der Verunsicherung durch EHEC nehmen die Konsumenten die Handhygiene derzeit besonders ernst. Ein Renner sind vor allem praktische, kleine Desinfektionsprodukte, die in die Handtasche passen und daher immer dabei sind. Besonders häufig griffen die Konsumenten in den letzten Wochen zu Reinigungstüchern oder zu Hygienegels in der kleinen 50 ml-Tube“, so Ornig.

Tatsächlich dürfte das Kaufverhalten auf entsprechende Hygienehinweise des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI) zurückzuführen sein, besonders auf sorgfältige persönliche Hygiene zu achten und regelmäßig die Hände zu waschen. Laut RKI kann auch eine alkoholische Händedesinfektion, insbesondere nach einem Toilettenbesuch, erforderlich sein, sofern dies vom Arzt oder vom Gesundheitsamt empfohlen wurde. Das gleiche gilt für die Verwendung von Desinfektionsmitteln bei der Reinigung im Haushalt. Flächen, die mit Körperflüssigkeiten oder Ausscheidungen von erkrankten Personen in Kontakt gekommen sind, sollten sofort gründlich gereinigt und gegebenenfalls desinfiziert werden.

Desinfektionsmittel in der Landwirtschaft als Anti-EHEC-Mittel

Nicht nur die Konsumenten suchen nach Möglichkeiten, sich vor den aggressiven Keimen zu schützen, auch Unternehmen sind auf der Suche nach wirksamen Mitteln im Kampf gegen EHEC. Nun soll ein neuartiges Verfahren zur Desinfektion von Obst und Gemüse dem Krankheitserreger den Garaus machen. Die deutsche Firma aquagroup AG testete erfolgreich die Wirksamkeit des Mittels ai211 gegen EHEC-Bakterien. Dass das ursprünglich als Ersatz für chemische Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau entwickelte Produkt ai211 zuverlässig und sicher Keime abtötet, war bei den Versuchen im Freiland eigentlich nur ein zufälliger Nebeneffekt, der nun im Zuge der epidemischen Verbreitung der EHEC-Keime allerdings besondere Beachtung fand.

Das Mittel, das gänzlich ohne Chemikalien auskommt, besteht lediglich aus Wasser und Kochsalz. Wirksam wird die trinkbare Lösung erst durch eine pysikalische Veränderung der Wasserstruktur. Mit der Vermarktung wollte der Hersteller eigentlich erst im Jahr 2012 beginnen, bei Bedarf könnten aber auch schon jetzt bis zu 3000 Liter pro Stunde produziert werden.

Aquagroup Vorstand Markus Zetzlmann sieht jedenfalls mehrere Anwendungsmöglichkeiten von ai211. Einerseits könne das Mittel von den Landwirten bereits auf den Feldern aufgebracht werden, andererseits könne es auch im Handel direkt auf den Warentheken als feines Aerosol – ein Gemisch aus flüssigen Schwebeteilchen und einem Gas – vernebelt werden. Schließlich könnten auch die Konsumenten selbst das Desinfektionsmittel vor dem Verzehr auf Obst und Gemüse aufsprühen.

Der wesentliche Unterschied zu anderen bakterizid wirkenden Desinfektionsmitteln liege in der Möglichkeit zum gefahrlosen Verzehr ohne spürbare Geschmacksbeeinträchtigungen. Die Wirksamkeit gegen Bakterien wie EHEC sei laut Entwicklerin Dr. Anja Stromeck-Faderl nachgewiesen, ein Ersatz für mangelnde Hygiene in Produktion und Verkauf sei das Mittel allerdings nicht.

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Quellen:

– aquagroup AG präsentiert wirksamen Schutz gegen EHEC-Erreger
– TV Bayern TV – Desinfektionsmittel in der Landwirtschaft als Anti-EHEC-Mittel

Linktipps

– Anti-EHEC-Waffe aus Regensburg
– Hygienefehler mit der richtigen Küchenplanung vermeiden
– dm Drogeriemarkt

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