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Bauchfelldialyse: mehr Bequemlichkeit für Patienten, geringere Kosten

Bauchfelldialyse: mehr Bequemlichkeit für Patienten, geringere Kosten

Bauchfelldialyse

Die Bauchfelldialyse bringt nicht nur Vorteile für Patienten, weil sie bequem und unabhängig von zu Hause aus durchführbar ist. Sie hilft auch, Kosten zu sparen. Führende Nephrologen sprechen sich für eine Erweiterung dieses Angebotes aus – Österreich ist derzeit unter den europäischen Schlusslichtern in Sachen Peritonealdialyse. Eine neue Ambulanz im Hanuschkrankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse bietet jetzt zusätzliche Kapazitäten für Patienten, die sich für die flexible Dialyse-Alternative zu Hause entscheiden.

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Etwa 3.100 Patienten müssen sich in Österreich regelmäßig einer Dialyse unterziehen, weil ihre Nieren nicht mehr funktionsfähig sind. Während allerdings in den Niederlanden oder in skandinavischen Länder zwischen 20 und 30 Prozent der Dialysepatienten die flexible Methode der Bauchfelldialyse anwenden, liegt Österreich bei diesem Verfahren mit einem Anteil von nur neun Prozent europaweit an drittletzter Stelle. Es gibt also für die Bauchfell- oder Peritonealdialyse hierzulande noch ein enormes Aufholpotential, zumal sie eine Reihe von Vorteilen bietet: Einen freien Lebensstil, hohe Mobilität, weniger Diäteinschränkungen, geringere Kosten. Dank modernster Chiptechnologie und Tele-Medizin ist die Methode sehr sicher und eine Kontrolle im Dialysezentrum sehr häufig nur noch alle vier bis fünf Wochen notwendig.

Dialyse-Grundlagen

Die Dialyse (aus dem Griechischen dialysis = Auflösung) ist ein Blutreinigungsverfahren („Künstliche Niere“). Sie wird angewandt, wenn es zu einem akuten oder chronischen Nierenversagen kommt. In beiden Fällen funktionieren die Nieren qualitativ nicht mehr oder nur in sehr geringem Umfang, wobei die Urinproduktion kann quantitativ unverändert erhalten bleiben oder sogar gesteigert sein.

Das akute Nierenversagen tritt entweder im Rahmen einer akuten Verschlechterung einer langjährigen vorbestehenden Nierenerkrankung (Niereninsuffizienz) wie einer chronischen Glomerulonephritis, einer diabetischen oder hypertensiven Nierenschädigung oder durch einen akuten Vorfall (akute Glomerulonephritis, Autoimmunerkrankung, Unfall, Infektionen, OP, Sepsis, etc.) auf. Die häufigsten Ursachen chronischen Nierenversagens sind chronische, oft unentdeckte Entzündungen der Nierenkörperchen (sogenannte chronische Glomerulonephritis) oder Schädigungen durch Diabetes oder/und Bluthochdruck.

In vielen Fällen des akuten und in allen Fällen des terminalen Nierenversagens kommt als einzige mögliche Therapieoption – neben einer Nierentransplantation – die Dialyse in Frage. Die weltweit erste sogenannte „Blutwäsche“ beim Menschen wurde 1924 von Georg Haas durchgeführt.

Dialyseverfahren

  • Hämodialyse
  • Hämo(dia)filtration
  • Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)

Die Bauchfelldialyse ist auch unter dem Begriff Peritonealdialyse (PD) bekannt. Es gibt unterschiedliche PD-Verfahren, z.B. CAPD (continuous ambulant peritoneal dialysis, kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse), IPD (intermittierende PD), NIPD (nächtliche intermittierende PD) etc. Die Wahl des Verfahrens hängt unter anderem von den Transporteigenschaften des Peritoneums (s.u.) ab. Das Bauchfell (Peritoneum) ist ein gut durchblutetes Gewebe, das zum Beispiel auch eine wichtige Funktion in der Immunabwehr des Körpers spielt. Aufgrund des besonderen Aufbaus kann das Peritoneum ebenfalls als „Filtermembran“ genutzt werden: Hierzu wird dem Patienten ein Schlauch (Katheter) in die Bauchhöhle implantiert. Über diesen Katheter wird eine Dialyselösung in den Bauchraum gefüllt und dort über mehrere Stunden (z.B. bei CAPD) oder für 20-30 Minuten (z.B. IPD) belassen. Die kleinmolekularen Substanzen können nun aus dem Blut über die Kapillargefäße des Bauchfells in die Dialyselösung übertreten, da ein Konzentrationsgefälle herrscht.

Da die Dialyselösung üblicherweise einen höheren Gehalt an löslichen Substanzen aufweist, als das Blut, kann dem Körper auf diesem Wege auch Flüssigkeit (Wasser) entzogen werden. Die Dialyselösung muss nach einer bestimmten Zeit (in der Regel etwa sechs Stunden bei CAPD) abgelassen und durch eine frische ersetzt werden. Im Gegensatz zur künstlichen Membran bei der Blutdialyse ist das Peritoneum auch für Eiweisse recht durchlässig, wodurch es zu einem relevanten Eiweissverlust kommen kann. Aus diesem Grund muss sich ein PD-Patient in der Regel eiweissreicher ernähren als ein Hämodialysepatient.

Ein Vorteil dieses Verfahrens ist die Schonung des Kreislaufes, sodass auch sehr alte und herzkranke Patienten behandelt werden können. Ein weiterer möglicher Vorteil ist weitgehende Unabhängigkeit der Patienten von einem Dialysezentrum (auch die Hämodialyse kann man zu Hause selbst durchführen, der Aufwand ist aber deutlich höher, eine Hilfsperson (z.B. Ehepartner) ist erforderlich und das Dialysezentrum ist für die telemetrische Überwachung der Behandlung erforderlich).Bei Eignung kann man die Dialyse zu Hause durchführen, auch Urlaubsreisen sind natürlich möglich. Ein Nachteil ist die Gefahr, dass die Bauchhöhle bei einem möglichen Kontakt mit der Umgebung mit pathogenen Keimen infiziert wird, die Patienten müssen daher beim Wechseln der Lösungen sehr steril arbeiten.

Peritonealdialyse-Initiative im Hanuschkrankenhaus

Ein neues Angebot in Wien soll jetzt dazu beitragen, den Anteil an Patienten, die von der schonenden Form der Blutwäsche von zu Hause aus profitieren können, zu erhöhen. „Ab sofort bietet die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) im Hanuschkrankenhaus, neben den bisher vorhandenen Hämodialyseplätzen, auch eine spezielle, vorbildlich organisierte Ambulanz für Peritonealdialyse an“, kündigt WGKK-Obmann Franz Bittner an.

Damit wird ein wichtiger Beitrag geleistet, die angespannte Versorgungssituation in Sachen Dialyse zu entlasten. Das Österreichische Dialyse- und Transplantationsregister verzeichnet einen jährlichen Zuwachs bei Dialysepatienten von sechs Prozent. Die Zuwachsrate an Patienten ist in Wien überdurchschnittlich hoch, dem müsse durch einen Ausbau der Kapazitäten Rechnung getragen werden, so Obmann Bittner: „Im Hanuschkrankenhaus wurden die Dialyse-Plätze aufgestockt und die Versorgung auf einen Dreischicht-Betrieb ausgeweitet – dadurch können wir um 50 Prozent mehr Patienten versorgen als vorher. Wir sind aber auch weiterhin bemüht, dem ständig steigenden Bedarf an Nierenersatztherapie in adäquater Weise zu begegnen. Ein wichtiger Weg ist hier sicher, für mehr Patienten als bisher auch die Bauchfelldialyse zu ermöglichen.“

Alle Patienten mit Niereninsuffizienz, werden, sobald ihre Dialysepflichtigkeit absehbar ist, umfassend und detailliert über die verschiedenen Dialyseformen aufgeklärt. Prof. Roden: „Wer sich für die flexible Möglichkeit der Bauchfelldialyse entscheidet, kann ab jetzt weiter in Betreuung bei seinen oder ihren Ansprechpartnern im Hanuschkrankenhaus bleiben. Wir bieten also eine umfassende Betreuung aus einer Hand: Von der Stoffwechselkontrolle und der optimalen Versorgung von Risikopatienten vor ihrer Dialysepflichtigkeit bis hin zu allen Formen der Dialyse finden hier Betroffene umfassendes Management ihrer Beschwerden unter einem Dach.“

Linktipps:

– Krankheitslexikon
– Nieren- und Harnsteine
– Hanuschkrankenhaus Wien
– www.dialyse-online.de

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Kave Atefie





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