Morbus Dupuytren – Sehnenverkürzung in der Hand

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Dupuytren - Sehnenverkürzung in der Hand

Unsere Hände sind unser wichtigstes Werkzeug. 33 Muskeln halten 27 Einzelknochen zusammen und unzählige Sehnen verlaufen quer durch dieses wichtige Präzisionswerkzeug. Wie wichtig unsere Hände für die Bewältigung des Alltags sind, merken wir oft erst, wenn wir uns verletzten oder unsre oberen Extremitäten andere Einschränkungen erfahren – zum Beispiel durch Morbus Dupuytren.

Morbus Dupuytren – Artikelübersicht:

Morbus Dupuytren – wenn Finger sich krümmen

Morbus Dupuytren zählt zu den Fibromatosen. Darunter versteht man gutartige Bindegewebswucherungen, die – auch nach operativer Entfernung – ein hohes Rezidivrisiko haben. Betroffene wissen also, dass die Erkrankung immer wieder kommen kann. Es handelt sich um eine gutartige Bindegewebswucherung der Handinnenfläche, die meist in Form von Knötchen auftritt und die die Bewegungsfreiheit der Finger einschränken kann.

Neben rheumatischen Gelenkserkrankung oder der degenerativen Arthrose stellt Morbus Dupuytren die dritthäufigste Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Hand dar.

Meist fallen die kleinen Knötchen in der Handinnenfläche bei Morbus Dupuytren erst auf, wenn es zu ersten Nutzungseinschränkungen der Hand kommt. Bei Betroffenen entwickelt sich aus diesen ersten Knötchen allmählich, meist im Lauf von Jahren, eine Art Strang, der von der Handfläche hin zu den betroffenen Fingern wächst und letzltich zu deren Zwangsverkrümmung führt.

Zunächst ist nur eine Einschränkung bei der Überstreckung der Finger feststellbar, doch aus der zunächst kaum bemerkbaren Einschränkung kann sich über die Jahre eine vollkommene Verkrümmung und Bewegung- bzw. Streckunfähigkeit ergeben.

Morbus Dupuytren wird – sobald es neben der Knoten- und Strangbildung ein Streckdefizit gibt – in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Der am stärksten betroffene Finger weist einen Kontraktionsgrad von < 45° auf
  • Stadium II: Der Winkel beträgt 45-90°
  • Stadium III: Es liegt ein Winkel von 90-135° vor
  • Stadium IV: Der Winkel ist größer als 135°

Erbliche Sehnenverkürzung

Etwa drei Prozent der Weltbevölkerung erkranken an Morbus Dupuytren. Männer sind fünf bis achtmal häufiger betroffen als Frauen, Menschen in nördlichen Ländern, wie Skandinavien oder Schottland signifikant häufiger als Südeuropäer. Bei Afrikanern und Asiaten tritt die Sehnenverkürzung überhaupt nur in Einzelfällen auf.

Morbus Dupuytren ist erblich bedingt und tritt erst in der zweiten Lebenshälfte, meist ab dem 50. Lebensjahr auf. Ursächliche Auslöser sind nicht bekannt – manche meinen einen Zusammenhang mit Epilepsie, Alkoholmissbrauch, Nikotinsucht oder Diabetes zu erkennen.

Zunächst ignorieren die meisten Menschen die ersten Knötchen und gehen erst dann zum Arzt, wenn die Funktion der Hand beeinträchtigt ist. Und das ist bei erst ab einer Beugestellung der Finger ab ca 40 Grad und mehr der Fall, so ein Dupuytren Experte.

Therapie bei Dupuytren

Bei Morbus Dupuytren gibt es keine Heilung, allerdings kann man die Symptome – wenn manchmal auch nur vorübergehend – beseitigen.

Die Strahlentherapie kommt im absoluten Frühstadium des Morbus Dupuytren zum Einsatz. Ziel ist es, den Fortschritt der Krankheit bereits im frühen Stadium zu verlangsamen oder aufzuhalten. Das gelingt, indem die Zellen, die für die Knotenbildung verantwortlich sind, durch die Bestrahlung in ihrer Teilungsfähigkeit stark eingeschränkt werden, wodurch die weitere Knotenbildung unterbunden bzw. reduziert wird.

Im besten Fall können kleine Knoten vollständig verschwinden oder die Erkrankung schreitet zumindest nicht mehr fort.Bereits gekrümmte Finger können durch die Strahlentherapie allerdings nicht wieder streckbar gemacht werden.

In späteren Stadien der Krankheit empfehlen Handchirurgen die Dupuytren-Stränge mit der sogenannten Nadelfasziotomie zu behandeln. Hierbei werden die Gewebestränge mittels Nadelstichen so dicht perforiert, dass sie reißen und die Finger dann wieder manuell gestreckt werden können.

Üblicherweise erfolgt die Nadelfasziotomie ambulant und wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Eingriff dauert nur kurz, ist relativ schmerzarm und hat kaum Risiken. Da lediglich die Haut punktiert wird, entstehen kaum Narben, bzw, verheilen die Wunden sehr rasch und die Hand ist schon nach wenigen Tagen wieder funktionstüchtig. Bei Bedarf ist eine Wiederholung der Behandlung möglich.

Eine weitere nicht-chirurgische Option auch bei stark gekrümmten Fingern ist eine Behandlung mittels Kollagenase. Hier wird ein Enzym in die Handinnenfläche injiziert, um die verknoteten Stränge zu schwächen. Im Anschluss – meist nach ein bis zwei Tagen – werden die Finger manuell und mechanisch gestreckt um die Beweglichkeit wieder herzustellen.

Experten bevorzugen diese beiden minimal invasiven Methoden in relativ frühen Krankheitsstadien, da zu frühes Operieren ein Risiko ohne großen Nutzen bedeutet. Denn eine Wiederkehr der Erkrankung ist wahrscheinlich und solange man sich mit ‚kleinen‘ Eingriffen eine wesentlich riskantere Operation erspart sind diese jedenfalls vorzuziehen.

Handchirurgische Behandlung bei Dupuytren

Ein chirurgischer Eingriff wird meist erst dann in Erwägung gezogen, wenn kaum eine andere Methode noch Erfolg verspricht. Dies ist dann der Fall, wenn die Finger bereits stark gekrümmt sind, und die Funktionsfähigkeit der Hand dadurch massiv eingeschränkt ist. 

Beim chirurgischen Eingriff wird versucht die Wucherungen möglichst vollständig zu entfernen. Das hat gegenüber den anderen Methoden den Vorteil, dass man ein Wiederauftreten der Krankheit möglich lang verzögert oder im optimalen Fall verhindert.

Der umfangreiche Eingriff birgt aber leider auch einige Risiken. So kann es sein, dass es in der betroffenen Hand nach der Operation zu einem Kraftverlust kommt. Zudem birgt jede OP – und dieser chirurgische Eingriff erfolgt unter Vollnarkose – Risiken für das Herz-Kreislaufsystem.

Doch wenn die Operation gut verläuft und keine Komplikationen auftreten, können im allgemeinen auch stark gekrümmte Finger wieder gestreckt und aus ihrer Zwangsbeugung befreit werden. Lediglich bei starken Krümmungen kann es passieren, dass das Streckdefizit nicht vollständig beseitigt werden kann – dann ist aber jedenfalls eine Besserung der Beugefähigkeit erreicht.

Wir empfehlen Ihnen in jedem Fall sich mit einem Arzt Ihres Vertrauens zu beraten und eventuell auch noch eine Zweitmeinung einzuholen bevor Sie sich für die eine oder andere Therapie entscheiden. Manchmal ist es bei Morbus Dupuytren auch besser, einfach abzuwarten und die weitere Entwicklung zu beobachten, denn die Krankheit kann schließlich auch zum Stillstand kommen.

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Quelle:

¹ Dupuytren-online – Selbsthilfegruppe

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