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Cerazette Minipille – Medikamentcheck

Cerazette Minipille – Medikamentcheck

Cerazette Minipille - Medikamentcheck

Cerazette besitzt eine hohe empfängnisverhütende Wirksamkeit bei erwachsenen Frauen – und das obwohl das rein hormonale Präparat nur das Gestagen Desogestrel (0.075 mg) enthält. Cerazette kann auch von stillenden Frauen eingenommen werden und bietet wirsamen Schutz gegen eine erenuete Schwangerschaft.



Die östrogenfreie Minipille Cerazette eignet sich zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften und wird täglich eingenommen. Der aktive Wirkstoff Desogestrel verhindert dabei vorrangig das Eindringen der Spermien. Erwachsene Frauen profitieren von dieser Antibabypille aufgrund der hohen Wirksamkeit (volle Ovulationshemmung) und gleichzeitig einer geringen Hormondosierung. So kann Cerazette auch während der Stillzeit sicher angewendet werden, ohne die Muttermilch zu beeinflussen.

Anwendungsgebiete, Vorteile, Wirkungsweise

Als hormonelles Medikament bietet Cerazette langfristigen Schutz bei der Verhütung von Schwangerschaften. Das Gestagen-Präparat verringert durch die geringe Dosierung des natürlichen Hormons Desogestrel die Wahrscheinlichkeit als auch Stärke unerwünschter Nebenwirkungen.

Desogestrel ist hauptsächlich für die Verdickung des Schleims im Bereich des Gebärmutterhalses verantwortlich. Männliche Spermien gelangen entsprechend nicht mehr in die Gebärmutter.

Im Gegensatz zu anderen Präparaten bietet Cerazette einen sicheren Dreifachschutz bei der Empfängnisverhütung, da nicht nur das Eindringen der Spermien, sondern auch die Reifung einer Eizelle und der Eisprung unterbunden werden.

Durch die Einnahme des Präperats verändert sich die Beschaffenheit der Gebärmutterschleimhaut und sogar eine eventuell befruchtete Eizelle kann sich nicht mehr einnisten. Im Gegensatz zu anderen östrogenfreien Minipillen verhindert Desogestrel zusätzlich die Entwicklung von Eizellen und verhindert dadurch den Eisprung.

Zudem ist es durch die Einnahme des Medikaments möglich, dass monatliche Regelblutungen schwächer sind oder gar ausbleiben.

Bei täglicher Einnahme bietet der synthetisch hergestellte Wirkstoff zuverlässigen Schutz gegen eine unerwünschte Schwangerschaft – der Pearl-Index beträgt 0,4.

Studien zur Cerazette

Zu Beginn der Einnahme kann es zunächst zu zusätzlichen oder eventuell längeren Blutungen kommen. Diese Phänomene treten vor allem während der ersten ein bis drei Anwendungsmonate auf. Im Verlaufe einer sechsmonatigen Testphase normalisierten sich die Blutungsmuster (bis maximal sechs Tage) der meisten Teilnehmerinnen (80,6 Prozent im 5. Monat; 64,5 Prozent im 6. Monat). Bei 67,75 % traten während der gesamten Studiendauer (168 Tage) nur unauffällige Blutungsmuster auf.

Im Rahmen einer sekundären Studienanalyse kamen Forscher zu dem Schluss, dass das Thromboembolierisiko in Verbindung mit niedrig dosierten Minipillen im Vergleich zu Kombinationspräparaten signifikant niedriger ist. Dabei bietet Cerazette als östrogenfreies Präparat den Vorteil, dass die alleinige Anwendung von Desogestrel das Thromboserisiko deutlich senkt.

Gleichzeitig beschrieben diese Ergebnisse auch, dass 22,5 Prozent aller Frauen, die Cerazette einnahmen, diese aufgrund gehäufter Blutungsunregelmäßigkeiten wieder absetzten.

Studien, die mögliche langfristige Auswirkungen von Desogestrel auf den weiblichen Knochenstoffwechsel untersuchen, sind bisher noch ausständig.

Dosierung und Einnahme

Pro Filmtablette Cerazette sind 75 Mikrogramm des Wirkstoffes Desogestrel enthalten. Jeweils 28 Minipillen sind in einer Blisterpackung enthalten. Cerazette ist in verschiedenen Packungseinheiten zu jeweils einer (28 Filmtabletten), drei (84 Filmtabletten) oder sechs Blisterpackungen (168 Filmtabletten) erhältlich.

Cerazette wird wie jede Antibabypille täglich einmal zur etwa gleichen Uhrzeit eingenommen. Nach den 28 Tagen erfolgt allerdings keine Pause, sondern es wird gleich die neue Blisterpackung begonnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die monatliche Blutung auftritt oder nicht. Wird eine Tablette vergessen, ist diese bis spätestens zwölf Stunden nach dem ursprünglichen Einnahmezeitpunkt einzunehmen.

Wird die Pille nicht innerhalb dieser 12 Stunden nach-eingenommen, dann ist die empfängnisverhütende Wirkung für den aktuellen Zyklus nicht mehr gewährleistet. Es sind zusätzliche mechanische Verhütungsmittel, wie beispielsweise Kondome oder Diaphragma empfehlenswert. Die vergessene Tablette ist dann auszulassen, die begonnene Blisterpackung aber regulär zu beenden, um mögliche vorzeitige Blutungen zu verhindern.

Bei der erstmaligen Anwendung wird Cerazette am ersten Tag der Menstruationsblutung eingenommen. Es sind bei regelmäßiger Einnahme ab diesem Zeitpunkt keine zusätzlichen empfängnisverhütenden Methoden mehr notwendig. Alternativ kann die Anwendung von Cerazette zwischen dem zweiten und fünften Tag der Regelblutung beginnen. Allerdings sind hier während der ersten sieben Tage der Anwendung zusätzliche Methoden zur Schwangerschaftsverhütung notwendig.

Beim Wechsel von einer anderen Gestagen-Pille zu Cerazette kann an jedem Tag problemlos das neue Medikament eingesetzt werden. Das Vorgängerpräparat wird dann einfach abgesetzt.

Wenn im Vorfeld ein kombiniertes Hormonpräparat zum Einsatz kam, startet die Einnahme von Cerazette nach der letzten Tablette beziehungsweise am Tag der Entfernung eines Implantates oder Pflasters.

Nach einer Geburt kann Cerazette wieder zwischen dem 21. und 28. Tag eingenommen werden. Bei späterem Beginn sind zusätzliche Barrieremethoden während der ersten sieben Tage der Anwendung notwendig. Im Falle eines Schwangerschaftsabbruches oder einer Fehlgeburt ist bezüglich weiterer Einnahme unbedingt ein Arzt zu konsultieren.

Die Cerazette Minipille eignet sich für erwachsene Frauen und kann auch während der Stillzeit eingenommen werden. Cerazette bietet vor allem dann Vorteile, wenn eine Unverträglichkeit gegen Östrogene vorliegt, starke Beschwerden während der Monatsblutung (beispielsweise menstruelle Migräne) auftreten oder östrogenbedingte Nebenwirkungen (Mastodynie, Ödeme, u.a.) bekannt sind.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Gegenanzeigen

Nebenwirkungen

Ähnlich wie bei der Einnahme anderer Medikamente können durch die Cerazette Minipille Nebenwirkungen auftreten. Dies ist nicht bei jeder Frau der Fall. Beispielsweise sind unregelmäßige vaginale Blutungen möglich. Oft handelt es sich hierbei um sehr schwache Schmierblutungen beziehungsweise leichte Regelblutungen. Der empfängnisverhütende Schutz des Medikamentes bleibt aber auch während dieser Phasen bestehen – Gegenmaßnahmen sind nicht notwendig.

Häufig wurden weitere Nebenwirkungen beobachtet: Akne, ausbleibende oder unregelmäßige Blutungen, Brustschmerzen, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, verminderter Libido (sexuelles Verlangen), depressive Verstimmung oder eine sich verändernde Stimmungslage.

Gelegentlich kommt es zu Erbrechen, Menstruationsschmerzen, Müdigkeit, Haarausfall, vaginalen Infektionen, Zysten am Eierstock oder Schwierigkeiten während des Tragens von Kontaktlinsen.

Zu seltenen Nebenwirkungen zählen: Erythema nodosum (blaurote, schmerzhafte Hautknoten), Nesselsucht oder Hautausschlag.

Darüber hinaus bemerken einige Frauen Brustausfluss. Dieser ist jedoch unbedenklich.

Wenn erste Anzeichen eines Angioödems bemerkt werden, ist jedoch unbedingt ein Arzt zu konsultieren. Angioödeme äußern sich durch Schwierigkeiten während des Schluckens, Schwellungen des Rachens, der Zunge beziehungsweise des Gesichts, sowie durch Schwierigkeiten beim Atmen oder Nesselsucht.

Wechselwirkungen

Bei einer zeitgleichen Einnahme von Cerazette mit anderen Arzneimitteln beziehungsweise pflanzlichen Heilmitteln können unerwünschte Wechselwirkungen auftreten. Dies kann auch dann der Fall sein, wenn die Einnahme bereits einige Zeit zurückliegt.

Folgende Medikamente vermindern die Wirksamkeit des hormonalen Kontrazeptivums:

  • Antiepileptika
  • (beispielsweise Felbamat, Primidon, Oxcarbazepin, Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbita)

  • Arzneimittel gegen Magenverstimmung
  • (zum Beispiel medizinische Kohle)

  • Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose
  • (beispielsweise Rifampicin)

  • Medikamente zur Behandlung von Infektionskrankheiten
  • (beispielsweise Griseofulvin)

  • Medikamente zur Behandlung von HIV-Infektionen
  • (beispielsweise Ritonavir)

  • Medikamente zur Behandlung von depressiven Verstimmungen
  • (z.B.Johanniskraut)

Auch ist es möglich, dass das Verhütungsmittel Cerazette die Wirkung anderer Medikamente (z.B.mit dem Wirkstoff Cyclosporin) negativ beeinflusst.

Gegenanzeigen

Nicht anwendbar ist dieses hormonale Medikament zur Schwangerschaftsverhütung bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den aktiven Wirkstoff Desogestrel beziehungsweise gegen einen anderen enthaltenen Bestandteil wie Lactose oder Ähnliches.

Frauen mit Thrombose (in Lunge oder Beinen) dürfen Cerazette nicht einnehmen. Dies gilt auch bei Gelbfärbung der Haut (Ikterus) beziehungsweise aktueller oder kürzlich vergangener schwerer Lebererkrankung, wenn die Leberfunktion noch nicht normalisiert ist. Zudem gelten alle Krebsarten (Brustkrebs oder Tumore), die von einem Sexualhormon abhängig sind, als Ausschlusskriterien. Auch bei noch nicht abgeklärten, unregelmäßigen vaginalen Blutungen soll Cerazette nicht eingenommen werden.

Vor der Einnahme von Cerazette sind jedenfalls mit einem Arzt folgende Themen abzuklären: Leberkrebs, Thrombose, Diabetes, hoher Blutdruck, Tuberkulose, Chloasmen (gelblich braune Pigmentflecken auf der Haut, vorrangig im Gesicht) und Epilepsie.

Bei diagnostizierter oder vermuteter Schwangerschaft darf Cerazette ebenfalls nicht eingenommen werden!

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Quelle:

¹ Gebrauchsinformation Cerazette 75 Mikrogramm Filmtabletten (Hersteller: MSD)

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