Libidoverlust: wenn der Körper keine Lust hat

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Eine mangelnde Libido kann viele Ursachen haben

„Ich habe keine Lust auf Sex.“ – viele Frauen kämpfen mit mangelnder Libido, aber gleichzeitig mit Schuldgefühlen gegenüber dem Partner. Die Gründe für das fehlende Begehren suchen sie meist bei sich selbst, in ihrer Beziehung oder sie sehen Stress als Ursache an. Studien haben aber ergeben: Hormonprobleme, Übergewicht, die Einnahme der Pille oder psychische Gründe sind oft die wahren Schuldigen für die fehlende Leidenschaft.

Libidoverlust ist weiter verbreitet als viele Menschen vermuten würden. In Deutschland leiden 40 – 50% der Frauen zwischen 30 und 45 an mangelnder Lust auf Sex oder an gänzlichem Libidoverlust, bei den über 60 Jährigen sind es sogar 86% der Frauen. Oft werden das zunehmende Alter oder Beziehungsprobleme als Auslöser für die schwächer werdende Leidenschaft betrachtet. Prof. DDR. Johannes Huber weiß im Interview mit gesund.co.at, dass die Ursachen oft ganz wo anders liegen:

„Ein Ursachensegment liegt zweifellos bei den Hormonen, allerdings muss man sich hüten, sexuelle Unlust ausschließlich auf eine Hormonstörung führen zu wollen, diese können sexuelle Unlust hervorrufen, müssen sie aber nicht. Meist ist es das Fehlen der Eierstockshormone, die zu einem Libidoabfall führen, aber auch manche Medikamente wie Psychopharmaka, können die Libido beeinflussen.“ Weitere Gründe können psychische Probleme, Störungen der Schilddrüse oder der Hirnanhangdrüse als auch Angststörungen sein.

Schwerwiegendes Problem mit einfacher Lösung

Viele Frauen scheuen das Gespräch mit ihren Gynäkologen und sehen das Problem nicht in seinem Verantwortungsbereich. Allerdings, so Prof. Dr. Johannes Huber, ist eine zunehmende Thematisierung des Libidoverlust zu bemerken und immer öfter werden Gynäkologen hinzugezogen. Das Gespräch mit dem Frauenarzt zu suchen, führt häufig zu einer unkomplizierten Lösung des Problems. „Ein einfaches Mittel, den Testosteronspiegel, der mit der Libido zweifellos in einer Beziehung steht, zu heben, besteht in Gewichtsreduktion, vor allem aber in körperlicher Aktivität, in Exercise.

Dies hilft in vielen Fällen. Darüber hinaus können männliche Hormone, die im Pflanzenreich vorkommen, zur Hilfe herangezogen werden.“, so der Leiter der klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am AKH Wien.

Bei Einnahme der Antibabypille reicht oft der Wechsel zu einer anderen Pille oder das Absetzen, denn die Pille unterdrückt nicht nur die Östrogene und das Progesteron des Eierstocks, diese werden durch die Pille auf der anderen Seite zugeführt, sondern auch der männlichen Hormone.

Wenn die Hormone verrückt spielen

„Besteht aber tatsächlich ein ärztlich diagnostizierter Hormonmangel, dann kann dieser durch Hormonsubstitution ausgeglichen werden.“, so Johannes Huber. Besonders bei Frauen in ihrer Lebensmitte, vor oder nach Eintritt der Wechseljahre, spielen Hormonstörungen eine große Rolle bei Libidoproblemen. Die Steuerung der Gefühle körperliche Lust und Verlangen liegt im zentralen Nervensystem. Damit diese Steuerung einwandfrei funktioniert, ist ein bestimmtes hormonelles Millieu notwendig. Ist dieses Millieu gestört, funktionieren die Nervenzellen nicht mehr so wie sie sollten, es kommt zum Libidoverlust oder zum geringer Werden des sexuellen Verlangens.

Ein einfaches Mittel, um das hormonelle Niveau wiederherzustellen ist ein kleines Pflaster, das Testosteron abgibt. Dazu erklärt Dr. Johann Sievers, Gynäkologe und Spezialist für sexuelle Störungen: „Das richtige Hormon zur richtigen Zeit am richtigen Ort verbessert die Libido, die Patientin fühlt sich außerdem wieder kräftiger, unternehmungsfreudiger und lebendiger, also insgesamt zufriedener.“ Libidoverlust geht nämlich meistens mit anderen Symptomen einher, Patientinnen leiden unter Müdigkeit, fühlen sich antriebslos und traurig. Die Betroffenen interessieren sich nicht für Sex und fühlen sich zu ihrem Partner nicht mehr sexuell hingezogen. Dadurch entfernen sie sich immer weiter von ihm, sie vermeiden seine Nähe, manchmal so lange bis die Partnerschaft ernsthaft bedroht ist.

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Nicht nur reine Frauensache

Wenngleich Libidoverlust öfter Frauen trifft als Männer, so können diese aber auch betroffen sein. Genauso wie bei den weiblichen Patientinnen gibt ein vorübergehender Mangel an Begehren, wenn die Person unter Stress steht, nicht Anlass zur Beunruhigung. Sollte die sexuelle Leidenschaft aber gänzlich vergehen, so gibt es auch bei Männern verschiedene Ursachen des Problems. Hormonmangel, chronische Erkrankungen, Beziehungsprobleme, Medikamenteneinnahme oder Drogenprobleme sind nur einige Gründe, die auch bei Männern zu einem Libidoverlust führen können. Für Männer lohnt sich bei einem Abflachen der Lust als erstes der Gang zum Urologen oder zum spezialisierten Hausarzt. So können körperliche Ursachen behoben oder auch ausgeschlossen werden.

Geschlechtsunabhängig gilt, wenn keine körperlichen Gründe Ursache des Problems sind, sollte mit Hilfe eines Psychologens oder Sexualtherapeutens nach psychischen Ursachen geforscht werden, damit Sex wieder zur schönsten Nebensache der Welt wird.

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