Der weibliche G-Punkt

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Der weibliche G-Punkt

Auf der Suche nach einem weiblichen Lustpunkt abseits der Klitoris wurde der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg 1944 auf eine Region in der vorderen Scheidenwand aufmerksam, deren Stimulation von vielen Frauen als erregend empfunden wird. Der sogenannte G-Punkt beschäftigt seitdem Mediziner, Sexualforscher und Medien gleichermaßen.

Der weibliche G-Punkt – Artikelübersicht:

Gräfenberg-Zone

Die von den US-amerikanischen Wissenschaftern John D. Perry und Beverly Whipple später zu Ehren Gräfenbergs als „G-Punkt“ bezeichnete Gräfenberg-Zone, auch G-Zone bzw. G-Punkt oder Prostata feminina, ist eine erogene Zone der Frau in der Vagina. Während nach der Entdeckung noch Ungewissheit herrschte, ob jede Frau einen G-Punkt hat, gilt dies mittlerweile als sicher, jedoch empfindet nicht jede Frau die Stimulation als erregend.

Herrschte in den 1980er und 90er Jahren noch ein regelrechter Medien-Hype um diesen sensiblen Hot-Spot, so ist es mittlerweile in den Gesundheits- und Lifestyle-Magazinen ruhiger geworden um diese ergogene Zone der Frau. Vor allem die anfängliche mediale Darstellung des G-Punktes als „Lustknopf“ der Frau, der zu regelrechten Super-Orgasmen führen sollte, sorgte bei Vertretern beiderlei Geschlechts oftmals zu großer Frustration. Denn schon bald stellte sich die Erkenntnis ein, dass der G-Punkt – so man ihn überhaupt am eigenen Körper gefunden hatte – selbstverständlich kein Knopf ist, auf den bloß gedrückt werden muss, um Lustgefühle auszulösen.

Von vielen Frauen wird der Gewebebereich an dieser Stelle als rau, gerippt und verhärtet beschrieben. Doch noch immer gilt der Bereich wissenschaftlich als nicht unumstritten, der Vorwurf lautet: mangelhafte Evidenz. So schrieb der New Yorker Psychologe Terence M. Hines (Pace University) in seinem im American Journal of Obstetics and Gynaecology publizierten Artikel mit dem Titel „The G-Spot: a modern gynecological myth“, dass „Die Beweislage für die Existenz des G-Punktes viel zu schwach ist, insbesondere weil nur Einzelbeobachtungen und Fallstudien mit einer kleinen Anzahl von Personen gemacht wurden, die dann auch nicht durch anatomische und biochemische Studien bestätigt wurden.“ Tatsächlich hat die Gräfenberg-Zone in den meisten Anatomie-Lehrbücher keinen Eingang gefunden.

Dieser Sachlage widersprechen freilich den Ergebnissen einer großen Studie, durchgeführt in den 1990er Jahren an über 2.000 US amerikanischen und kanadischen Frauen, von denen 84 Prozent davon überzeugt waren, dass es sehr wohl ein hochsensibles Areal in der vorderen Vaginalwand gibt.³

Dr. Ernst Gräfenberg

Bekannt ist der Deutsche Arzt Gräfenberg durch seine Studien der weiblichen Geschlechtsorgane im Besonderen im Hinblick auf den Orgasmus. Nach ihm sind die Gräfenberg-Zone (sog. „G-Punkt“) und der Gräfenberg-Ring (einer der ersten mit Metall umwickelten Ringe zur Empfängnisverhütung; auch Intrauterinpessar bzw. Spirale) benannt. Zudem forschte er auch intensiv über die weibliche Ejakulation und die Herkunft des klaren Ejakulats.

Gräfenberg, der am 26. September 1881 in Adelebsen, nahe Göttingen geboren wurde, promovierte 1905 an der Uni Göttingen und wurde später Chefarzt der Gynäkologischen Abteilung am Krankenhaus in Berlin-Britz. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er allerdings zuerst seiner Position als Chefarzt enthoben und ihm kurzfristig auch sein Doktortitel aberkannt, den er aber wiedererlangte. Trotzdem praktizierte er zunächst weiter, bis er 1937 wegen angeblichen Devisenschmuggels verhaftet und inhaftiert wurde.

Nach seiner Entlassung, dem Verkauf seines gesamten Eigentums und der Zahlung eines beträchtlichen Lösegeldes, gelang ihm über Umwege 1940 die Ausreise aus Deutschland. Er ließ sich in den USA nieder, arbeitete zuerst als Pathologe in Chicago, bis er sich letztlich in New York wieder als Gynäkologe etablierte. 1944 beschrieb er die erogenen Zonen der Frau, die seither als „G-Punkt“ (engl. „G-Spot“) nach ihm benannt sind. Dr. Gräfenberg verstarb am 28. Oktober 1957 in New York City.

Den G-Punkt finden: Anatomie & Basisinformationen

Die Zone befindet sich etwa drei bis fünf Zentimeter vom Scheideneingang entfernt an der Vorderwand des Geburtskanales, zur Bauchdecke hin, unmittelbar hinter dem Schambein, in der Glandula vestibularis major, dem ‚großen Drüsenvorhof‘. Sie hat die Form einer abgeflachten Halbkugel von ca. 2 cm Durchmesser und eine Vertiefung in der Mitte. Form und Größe können jedoch variieren. Er ist durch die Vielzahl der Nervenenden und Blutgefässe bei sexueller Erregung als ein geriffeltes Gewebe deutlich tastbar.

Der G-Punkt als erogene Zone

Die G-Zone stellt das weibliche Pendant der männlichen Prostata dar. Hier befindet sich Drüsengewebe, welches bei sexueller Stimulation Sekrete produziert und in der Folge zur weiblichen Ejakulation führen kann, einem mehrschübigen pulsierenden Ausstoß eines farb- und geruchlosen Sekrets mit leicht bitterem Geschmack.

G-Punkt bei der Frau, Anatomie

Bis weit ins späte 20. Jahrhundert hinein wurde die weibliche Ejakulation übrigens fälschlich mit einem spontanen Urinabgang als Folge eines durch den Orgasmus bedingten Kontrollverlusts über den Blasenschließmuskel erklärt. 1981 konnte die weibliche Ejakulation erstmalig von F. Addiego in einer Fallstudie (The Journal of Sex Research, Vol. 17. Nr. l) nachgewiesen werden.

Ist die Scheide noch trocken, so ist die Stimulation dieser Region eher unangenehm. Erst mit steigender Lust wird die Reizung der Zone als erregend empfunden. Bei günstiger Konstellation beim Geschlechtsverkehr stimuliert die Penisspitze den G-Punkt so, dass es sehr leicht zu einem intensiven Orgasmus kommen kann. Beim Geschlechtsverkehr bevorzugen viele Frauen die Reiterposition (Frau oben sitzend) als günstigste Position zur Stimulation des G-Punkts.

Wie findet man den G-Punkt der Frau?

Durch die Lage des G-Punktes ist leicht nachvollziehbar, dass Frauen normalerweise ihre eigene Gräfenberg-Zone nicht einfach mit dem Finger erreichen können und daher auf eine zweite Person für die Stimulierung angewiesen sind. Mit Hilfe des Partners ist es leichter, den Bereich zu finden, wenn die Frau auf dem Bauch liegt und das Becken leicht anhebt.

In dieser Position sollte der Partner zwei oder drei Finger in die Vagina einführen und mit den Fingerspitzen die vordere Scheidenwand massieren (zur Bauchdecke hin). Sollte es die Frau vorziehen, auf dem Rücken zu liegen, kann der Partner zwei Finger in die Vagina einführen, diese nach oben krümmen und so leicht an der Bauchdecke drücken, wie in der Ansicht oben schematisch dargestellt.

Mittlerweile hat die Erotikindustrie, aber auch namhafte Hersteller (z. B. Durex) bereits eine Vielzahl spezieller sogenannter Auflege-Vibratoren auf den Markt gebracht, die bei der Stimulation behilflich sein sollen.

Wenn die Frau unter vaginaler Trockenheit leidet (etwa im Wechsel bzw. aufgrund von bestimmten Medikamenten), sollten sie jedenfalls ein Gleitmittel auf Wasserbasis verwenden, da sich die vaginale Stimulation unangenehm anfühlen kann, wenn die Scheide nicht ausreichend befeuchtet ist.

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Quellen:

¹ Ernst Gräfenberg: Wer (er)fand den G-Punkt? (www.aerzteblatt.de – Dtsch Arztebl 2005; 102: A 2853–2856 [Heft 42])
² G-Punkt: Die Gräfenberg Zone (Magnus-Hirschfeld-Archiv für Sexualwissenschaft)
³ Hines TM: The G-Spot: A modern gynecologic myth. Am J Obstet Gynecol 2001; 185: 359–362

Weiters: Genetic and Environmental Influences on self-reported G-Spots inWomen: A Twin Study (Andrea Virginia Burri, MSc, Lynn Cherkas, PhD, and Timothy D. Spector, MDDepartment of Twin Research and Genetic Epidemiology, King’s College London, London, UK) PMID: 20059650

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

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